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Region Kelheim
Dienstag, 19. September 2017 16° 5

Film-Doku

Ein abgedrehtes Jahr im Donaudurchbruch

Bernd Strobel filmt ein Jahr in der Weltenburger Enge mit Gebietsbetreuerin Franziska Jäger – und ihrer Begleiterin auf Zeit.
Von Martina Hutzler

Teils mit Team, teils alleine dreht Bernd Strobel seinen Dokumentarfilm über den Donaudurchbruch. Foto: Hutzler

Kelheim.Amy ist froh, dass sie heute drehfrei hat. Bootfahren ist nämlich nicht ihr Ding, im „Eidechsenfelsen“ hätte man als Collie so seine Probleme, und Stöckchen holen ist ihr eh viel lieber. Trotzdem gibt sie den treuen Patrouillen-Begleiter von Franziska Jäger, wenn es das „Drehbuch“ vorsieht. Ein solches gibt es allerdings nicht wirklich. Eigentlich schreibt die Natur ein Jahr lang vor, was Bernd Strobel und sein Team in den Sucher ihrer Hightech-Kameras nehmen: In der BR-Reihe „Wildes Bayern“ stellen sie das Naturschutzgebiet Weltenburger Enge vor und dessen Gebietsbetreuerin Jäger.

Teils mit Team, teils alleine dreht Bernd Strobel seinen Dokumentarfilm über den Donaudurchbruch. Foto: Hutzler

Einen groben Plan, welche Szenen er filmen will hat Strobel indes schon. „Treatment“ heißt das, und darin stehen an diesem Sommertag die „Moscitos“. Die Seiltechnik-Spezialisten befreien seit Tagen die markanten Kalkfelsen im Naturschutzgebiet von Gebüsch und auch von absturz-gefährdetem Gestein. Heute, am Eidechsenfelsen, hängt noch einer in den Seilen: Kameramann Uli Schramm filmt die Kletter-Arbeiter mit der Handkamera. Am anderen Donauufer richtet Johannes Pfau zusätzlich eine ebenso robuste wie teure Kamera auf die Seilschaft. 200 Bilder pro Sekunde schafft sie, bis zu vier Mal langsamer als in echt vermag sie zu zeigen, wie zum Beispiel ein Gesteinsbrocken ins Wasser plumpst. Vorausgesetzt, Johannes Pfau hat im richtigen Moment aufs Zeitlupen-Knöpfchen gedrückt, und der Stein fliegt brav denselben Bogen, in dem er seine Kamera schwenkt. „Nicht einfach“, sagt er und lauscht nebenher, was seine Protagonisten hoch droben plaudern: Über Funkmikrofone hört er mit. Derweil taucht sein „Chef“ gerade ab.

Aus der Redaktion in die Natur

Dass Bernd Strobel zur Kamera – an diesem Tag eine unterwasser-taugliche – greift, ist nicht die Regel. Als Fernseh-Redakteur beim Bayerischen Rundfunk betreut der studierte Forstwissenschaftler meist von München aus, was Natur- und Tierfilmer in aller Welt im Auftrag des BR produzieren. Aber ab und an kann er als Kameramann und Tierfilm-Autor auch selbst Natur-Wunder vor die Linse nehmen.

Sein „Nicaragua“-T-Shirt verrät es: Mittel- und Südamerika, die Karibik, „des vor allem is’ mei’ Gäu“. Aber daneben reizte den 63-Jährigen seit Jahren, der „Perle vor meiner Haustür“ ein filmisches Denkmal zu setzen. Aus Rohr, wo der gebürtige Franke seit Jahren lebt, kommen er und „Amy“ deshalb seit Jahresbeginn immer wieder nach Kelheim und gehen mit Franziska Jäger, der Gebietsbetreuerin der Weltenburger Enge, auf Tour. Dass die Collie-Hündin als Jägers Begleiterin auftritt, ist „fürs Emotionale“ im Film, ergänzt Strobel mit stillem Schmunzeln.

Franziska Jäger stellt ihre Arbeit vor:

Franziska Jäger über ihre Arbeit als Gebietsbetreuerin und ihre Rolle in der Doku

Auch einen fliegenden „roten Faden“ durchs Jahr im Donaudurchbruch hat er: Den Wanderfalken haben die Naturfilmer begleitet, von der Paarung und Horstsuche über Aufzucht bis zum Flüggewerden der Jungen. Wie alle anderen, waren diese Dreharbeiten im Schutzgebiet von den Naturschutzbehörden genehmigt; Strobel durfte aus 50 Metern Entfernung den Falkenhorst filmen, aus einem Tarnzelt. An dessen Tarnwirkung ihm freilich Zweifel kamen: „Immer, wenn wir im Zelt waren, haben die Falken kurz vorbeigeschaut…“

Den drei Jungen hat die filmische Publicity nicht geschadet, sie wuchsen stattlich heran. Einem missglückte stattdessen der Jungfern-Flug: Er stürzte ab; Ferdinand Baer vom Landesbund für Vogelschutz brachte ihn in die LBV-Auffangstation Regenstauf, schildert Strobel. Ihm hat es spannende Dreh-Momente beschert, als der genesene Jungfalke zum Fels zurückgebracht und von Eltern und Geschwistern wieder aufgenommen wurde.

Dazu gehört ein Quäntchen Glück, aber zur Authentizität eines Dokumentarfilms gehört für Bernd Strobel auch, dass man in der Natur nichts auf Bestellung bekommt. So hat er zwar LBV-Ornithologin Christiane Geidel bei der Suche nach Uhu-Brutpaaren begleitet – fündig wurden sie aber nicht. Gebrütet haben die Groß-Eulen dann doch, an drei Standorten im Schutzgebiet zogen sie fünf Jungen groß, freut sich Franziska Jäger.

Bilder von den Dreharbeiten im Jahreslauf sehen Sie hier:

Ein Film-Jahr im Donaudurchbruch

Jäger selbst hat erst mal geschluckt, als sie von der Begleiterin des Team zur Darstellerin im Film wurde. Aber wenn’s der Sache dient…: Eine Gratwanderung sind aus Sicht Jägers alle Filmprojekte, die in der Weltenburger Enge gedreht werden; etliche Teams waren hier schon zu Gast. Eine Werbung für das Gebiet, das andererseits freilich schon jetzt stark frequentiert ist. Deshalb ist für Jäger und ihren Arbeitgeber, den Landschaftspflegeverband VöF, wichtig, dass die Arbeit einer Gebietsbetreuerin – neben dem Wanderfalken – ein roter Faden durch die Doku. Mit ihrer „Zweit-Stimme“ – einem über die Szenen gelegten Sprechtext – kann sie Botschaften „rüberbringen“: warum und wo das Schutzgebiet sensibel ist, wo es Konflikte gibt und dass Regeln für Besucher keine Schikane sind, sondern Tiere und Pflanzen schützen.

Um die Kalkfelsen vorm Verbuschen und Besucher vor Steinschlag zu schützen, arbeiten die „Moscito“-Kletterer im Donaudurchbruch

Vom Boot aus gibt Armin Ilgenfritz seinen Kollegen am Fels „Rückendeckung“.

Ton und Bild zusammenzufügen ist eine der Arbeiten, die ausstehen, ehe Bernd Strobel und Jana Mudrich als Redakteurin den Film sendereif haben. Vor allem müssen die zahlreichen Terabyte an Daten auf die End-Länge von 45 Minuten zurechtgeschnitten werden; etwa drei Wochen dauert das. Bis dahin werden noch einige Dreh-Tage hinzukommen zu den bisher rund 20 Tagen mit Team und ebenso vielen, an denen Bernd Strobel alleine gefilmt hat.

Uuuund… action! Immerhin ein bissl motivieren lassen sich die Filmcrew und ihre Darsteller am Ende eines langen Drehtags. Foto: Hutzler

So planen sie für Herbst noch mit einer Seilbahn Marke Eigenbau einen „gefahrenen Zeitraffer“: Die Kamera überfliegt immer wieder die selben Bäume, um deren Herbstfärbung einzufangen. Auch die ein oder andere Fahrt im filmischen „Dienstfahrzeug“ steht noch an, das Strobel eigens organisiert und beim Kanuclub Kelheim einquartiert hat: Statt im funktionalen Bötchen geht Franziska Jäger fürs Fernsehen im schnittigen Holz-Kanadier auf Tour. „Da könnt’ man sich schon dran gewöhnen“, gesteht sie. Das hat ihr „Diensthund“ Amy lieber nicht gehört: Sie wird leicht seekrank.

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