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Region Kelheim
Montag, 18. Dezember 2017 3

Nachruf

Ein Mensch mit wohltätigem Herz

Herbert Hielscher, der mit seiner Frau 2005 eine Stiftung gründete, starb – die Stiftung fördert weiter im Sinne der Gründer.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Herbert Hielscher (4. v. r.) im Kreis von Stipendiaten. Der Jugend gehörte sein Herz – und sein Vermögen. Jetzt ist der Stifter im Alter von 97 Jahren gestorben. Foto: eb/Archiv

Kelheim.Die Region trauert um Herbert Hielscher von der Roswitha und Herbert Hielscher-Stiftung. Der Kelheimer ist am 4. November, einen Tag nach seinem 97. Geburtstag, gestorben. Herbert Hielscher war ruhig, interessiert, stets bescheiden im Hintergrund. Als viertes Beiratsmitglied hatte er der Hielscher-Stiftung angehört, deren Stiftungszwecke laut Vorstandsvorsitzendem Bernhard Plank schwerpunktmäßig die Förderung von Bildung/Ausbildung, Betreuung von Kindern und Jugendlichen (insbesondere behinderte Kinder/Jugendliche) sind. Auch Einrichtungen oder Maßnahmen sowie „bei Bedürftigkeit auch ältere Personen“ könnten unterstützt werden. Von der Stiftung werden nach Auskunft von Bernhard Plank (einschließlich der Förderungen 2017) bis zum Jahresende 2017 insgesamt circa 400 000 Euro ausgeschüttet sein.

Mit Bürgermedaille ausgezeichnet

Herbert Hielscher, der von der Stadt Kelheim im Dezember 2012 mit der silbernen Bürgermedaille ausgezeichnet worden war, hatte vor einigen Jahren gegenüber unserem Medienhaus bezüglich der Stiftung gesagt: „Die Initiative ging von meiner Frau aus. Da wir keine Kinder hatten, haben wir uns dazu entschlossen, diese Stiftung zu gründen.“ Die Stiftungsgründung erfolgte im Herbst 2005. Roswitha Hielscher, gebürtige Senft aus Kelheim, die mit ihrem Mann seit 1951 verheiratet war, starb im Jahr 2008.

Ohne Herbert Hielscher wäre das Beschäftigungs- und Betreuungszentrum St. Josef des Caritas-Kreisverbandes in der Kelheimer Altstadt nicht möglich gewesen, hebt Caritas-Geschäftsführer Hubert König hervor. Aber auch andere Aktivitäten der Caritas habe Herbert Hielscher mit seiner Stiftung finanziell unterstützt. Foto: Archiv

Sind zunächst im wesentlichen soziale Belange – Einrichtungen, Vereine und bedürftige Einzelpersonen schwerpunktmäßig in Kelheim – gefördert worden, hatte man sich seit Anfang 2012 Gedanken gemacht hinsichtlich der Kinder- und Jugendbildung. Herbert Hielscher damals gegenüber unserem Medienhaus: „Durch die Kriegsereignisse ist mir nicht gegönnt worden, zu studieren. Deshalb will ich jetzt an die Jugend die Mittel weitergeben. Das ist auch im Sinne meiner Frau.“

Herbert Hielscher, der in Michelsdorf in Niederschlesien das Licht der Welt erblickt hatte, wuchs dort zusammen mit seinem drei Jahre älteren Bruder auf. Dieser ist im Alter von 21 Jahren im Zweiten Weltkrieg gefallen. Herbert Hielscher musste mit 18 Jahren Wehrpflicht leisten und wurde im August 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen.

1945 kam er „als Kriegsentlassener nach Kelheim, weil die Mutter hierher vertrieben wurde“. Er war seit Anfang Oktober 1945 in Kelheim als Buchhalter bei der Firma Brown Boverie & Cie AG, anschließend ab 1947 Bilanzbuchhalter im Unternehmen Kosik in Kelheim und von 1963 bis 1983 Geschäftsführer bei der Firma Kosik. „Die Stiftung ist praktisch jetzt meine Lebensaufgabe“, sagte der Kelheimer anlässlich seines 95. Geburtstags.

Der Bürgermeister der Kreisstadt Kelheim, Horst Hartmann, auf Anfrage: „Ich bin sehr betrübt über die Nachricht des Todes von Herrn Herbert Hielscher. Er war ein warmherziger Wohltäter der Stadt und engagierte sich für soziale Zwecke. Das Wohl der Kinder lagen ihm und seiner bereits im Jahr 2008 verstorbenen Frau besonders am Herzen. Das Stadtoberhaupt weist auch darauf hin, dass Herbert Hielscher „viel für Kelheim und den Landkreis getan hat“. „Sein langer Lebensweg war bemerkenswert, sein soziales Engagement bleibt unvergessen“, so Bürgermeister Horst Hartmann.

Der Kelheimer Dr. Christoph Lickleder gehört dem Stiftungsvorstand seit 2014 an und ist stellvertretender Vorsitzender. Er sagt auf Anfrage: „Die Hielscher-Stiftung springt oft ein, wenn staatliche Hilfe versagt und Menschen meinen, es geht nicht mehr weiter. Dann ist die Hielscher-Stiftung Retterin und Unterstützerin in der Not.“ Die Unterstützung von Privatpersonen werde „sehr vertraulich behandelt“. Er berichtet auch von „herzzerreißenden Dankesbriefen“ nach finanzieller Unterstützung.

Kelheim bleibt Stiftungssitz

Wie Vorstandsvorsitzender Plank sagt „wird sich für die Stiftung nichts ändern. Wir werden den Gedanken von Herbert Hielscher weitertragen und weiterverfolgen. Von dem bisherigen Geld, das die Roswitha und Herbert Hielscher-Stiftung ausschüttete, seien circa 350 000 Euro im Landkreis Kelheim verblieben. Ausgeschüttet werden könnte durch Zins- und Dividendenerträge erwirtschaftetes Geld werden. Laut Bernhard Plank bleibt der Sitz der Stiftung weiterhin in Kelheim. Herbert Hielscher hatte dem Stiftungsbeirat angehört. Das letzte Wort für die Vergabe der Förderungen habe immer Herbert Hielscher gehabt. Diese seien aber stets im „allseitigen Einvernehmen der Gesamtvorstandschaft“ gewesen, so Vorstandsvorsitzender Plank.

Für das neue Baumhaus des Cabrini-Hauses sei von der Hielscher-Stiftung ein wesentlicher Teil gefördert worden, so Dr. Bernhard Resch. Er habe mit Bedauern „den Heimgang von Herrn Hielscher aufgenommen.“ Seit vielen Jahren „begleitet uns“ die Stiftung zum Wohle der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen. Foto: Resch

Lang ist die Liste der Förderungen durch die Roswitha und Herbert Hielscher-Stiftung: Caritas-Kreisverband Kelheim, Tafel Kelheim, Hospizverein im Landkreis Kelheim, Vereine, Cabrini-Haus Offenstetten, Studenten ...

Hubert König, Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes, sagt, dass Herbert Hielscher „ein langjähriger und treuer Förderer der Caritas-Aktivitäten war“. „Er hat uns beim Beschäftigungs- und Betreuungszentrum St. Josef in der Donaustraße über eine finanzielle Klippe hinweggeholfen. Ohne ihm wäre das Zentrum nicht möglich gewesen“, betont Hubert König. Seinen Angaben nach hat die Stiftung 72 000 Euro für das Zentrum in der Kelheimer Altstadt gespendet. Herbert Hielscher habe mit der Stiftung die Kelheimer Tafel und das Caritas-Ausbildungsprojekt für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf unterstützt. Wie König erwähnt, habe er der Senior an dessen 97. Geburtstag besucht, wofür sich dieser nett bedankt habe.“Mit der Stiftung lebt ein Stück von ihm und seiner Frau weiter“, sagt der Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes.

Dr. Bernhard Resch, Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums in Offenstetten: „Das Leben im Cabrini-Haus wäre nicht so bunt und schön ohne Menschen wie Herrn Hielscher und seiner Stiftung.“ Bezüglich Stifter Herbert Hielscher stellt Bernhard Fischer, Vorsitzender des Hospizvereins im Landkreis Kelheim, fest: „Wir sind ihm zu tiefst dankbar.“

Am Dienstag, 14. November, 14 Uhr, ist eine evangelische Trauerfeier in der Aussegnungshalle im Waldfriedhof Kelheim.

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