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Region Kelheim
Mittwoch, 24. Mai 2017 21° 4

Ehre

Ein Nothelfer und ein Tausendsassa

Die Kelheimer Erich Stauber und Sebastian Hobmaier erhalten das Bundesverdienstkreuz. Beide opferten viel Zeit für andere.
Von Beate Weigert

  • Mit gemischten Gefühlen nahmen Erich Stauber (2.v.re. stehend) und Sebastian Hobmaier (re.vorne sitzend) das Bundesverdienstkreuz am Bande entgegen. Insgesamt wurden zwei Frauen und fünf Männer aus Niederbayern ausgezeichnet. Foto: Bezirk
  • Erich Stauber mit Minister Helmut Brunner (li.) und dem neuen Regierungspräsidenten Rainer Haselbeck Foto: Bezirk
  • Sebastian Hobmaier mit Minister Helmut Brunner (li.) und dem neuen Regierungspräsidenten Rainer Haselbeck Foto: Bezirk

Kelheim.Einen besonderen Termin hatten heute, 13. Februar, Erich Stauber und Sebastian Hobmaier aus dem Kreis Kelheim bei der Regierung von Niederbayern. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner verlieh ihnen das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Während sich Hobmaier, der vor allem als langjähriger Saaler Kommunalpolitiker bekannt ist, auf die Auszeichnung freute und mit Familie, Freunden und politischen Weggefährten nach Landshut fuhr, war dem Mona-Begründer Erich Stauber vom BRK aus Kelheim diese fast peinlich. „Ich weiß nicht, warum ich dafür vorgeschlagen worden bin. Ich kenne so viele, die es viel mehr verdient hätten, als ich“, sagte er vorab unserem Medienhaus.

Ohne Schlips, aber mit viel Herz

Noch am Freitag grübelte er, was er anziehen würde. Weder Anzug noch Krawatte fänden sich in seinem Schrank. Die braucht er sonst weder in seinem Beruf als Rettungsassistent noch als ehrenamtlicher Helfer.

Vor Jahrzehnten landete der Kriegsdienstverweigerer als Zivi beim Roten Kreuz. Dort blieb er mit einigen Jahren Unterbrechung bis heute. Für kurze Zeit war der Kelheimer als 19-Jähriger unglücklicher Umstände halber bei der Bundeswehr. Beinah hätte er dortbleiben müssen, obwohl er sich weigerte, eine Waffe anzufassen. Doch Stauber war schon immer ein kreativer Problemlöser. Er griff zu einer noch nie dagewesenen List und holte seinen Wehrsold nicht ab. Der allein wäre für ihn „Prostitution gewesen“, sagt Stauber. Das brachte den Zahlmeister auf die Palme. Die Bundeswehr solle sein Geld doch ans Rote Kreuz überweisen, forderte Stauber. Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass er dann noch noch den Dienst verweigern konnte.

Sie begleiteten Erich Stauber zum Festakt. Foto: Bezirk

Erich Stauber fand beim BRK seine Heimat. Als Ehrenamtlicher hat er dort einiges erfunden bzw. aufgebaut, was heute selbstverständlich scheint. Die Helfer vor Ort, die Schnelleinsatzgruppe und den Kriseninterventionsdienst Mona. Vor allem mit Letzterem wird sein Name im Landkreis immer verbunden bleiben. Mitte der 1990er erlebte Erich Stauber am Kelheimer Herzberg den tragischen Unfalltod einer 15-Jährigen. Eine psycho-soziale Notfallbetreuung für Augenzeugen und Angehörige gab es damals nicht. Mit Mitstreitern stampfte der heute 62-Jährige das Angebot sprichwörtlich aus dem Boden. Als eines der ersten in ganz Bayern.

„Ich weiß nicht, warum ich das Bundesverdienstkreuz bekomme. Mir ist das ehrlich gesagt fast peinlich. Ich kenne so viele, die es viel mehr verdient hätten, als ich.“

Erich Stauber

2016 übergab Stauber die Führung. Bis dahin hatte er 21 Jahre lang das Notfallhandy nie aus der Hand gelegt. Sogar vom Urlaub im Ausland aus koordinierte er Einsätze. Keinen einzigen Alarm hat er je verschlafen. Nur einmal sei er gerade in einem Funkloch gewesen. Allein für Einsätze legte er mit seinem privaten Auto knapp 21 000 Kilometer zurück. 863 Menschen begleitete er durch dunkle Stunden. Knapp 1200 Stunden war er dafür im Einsatz.

Einzelnes sei ihm da nicht im Kopf geblieben, sagt Stauber. „Das war alles so tragisch.“ Bei schweren Unfällen wurde er genauso angefordert, wie etwa nach gescheiterten Reanimationen im häuslichen Bereich. „Die sind für Familien ein nicht minder traumatisch.“ Auch bei Suiziden musste der Kelheimer ausrücken. In Deutschland gebe es jährlich mehr als doppelt so viele Selbsttötungen wie Unfälle, sagt er.

Wenn Polizisten Todesnachrichten überbrachten, war Stauber oft dabei. Bei Kapitalverbrechen wie dem Doppelmord von Volkenschwand 2008 betreute er die Menschen, die die Leichen gefunden hatten. Waren bei Todesfällen Kinder betroffen, holte Stauber sie von der Schule ab. Damit sie die Nachricht nicht unvorbereitet an der Haustür erfuhren.

Sie begleiteten Sebastian Hobmaier zum Festakt. Foto: Bezirk

Unermüdlich und mit dickem Fell

Der 73-jährige Sebastian Hobmaier bräuchte in etwa zwei Hände, um daran alle seine Ehrenämter abzuzählen. Vor 45 Jahren musste er nicht erst von anderen auf den Geschmack für kommunalpolitisches Engagement gebracht werden. Seit der gebürtige Etzenbacher als Jugendlicher in Rohr die Pfadfinder leitete, ist sein Einsatz für die Allgemeinheit nicht mehr abgerissen. Er sei „halt ein Mensch, der immer ein bissl Verantwortung übernommen hat“.

„Ich freue mich über die Auszeichnung. Die kriegt nicht jeder. Das ist nicht so 08/15 für drei Tage Rasenmähen, sondern eine besondere Ehre.“

Sebastian Hobmaier

Als Gemeinderat und 2. Bürgermeister brauchte er ordentlich Rückgrat. Denn für so manche Entscheidung sei er morgens um 6.30 Uhr von Mitbürgern am Telefon „eine halbe Stunde beschimpft“ worden.

Mit der Zeit bekomme man eine „dicke Haut“ und nehme nicht mehr alles so ernst, sagt Hobmaier. Zuletzt musste er lange einen Nachfolger suchen. „Es macht mir große Sorge, was künftig aus dem Ehrenamt wird“, sagt der Saaler. Auch, dass so wenige zur Landratswahl gingen, schmerzt ihn. „Die Leute sind satt, haben alles und können sich alles leisten.“ Die Unzufriedensten seien die, die am meisten hätten. Wenn es nicht um sie selbst gehe, sei ihnen „alles wurst“.

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