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Region Kelheim
Montag, 15. Januar 2018 3

Donau-Auen

Ein Ringen zwischen Schützen und Nützen

Mit einer Info-Sitzung im Landratsamt läutet Umweltministerin Scharf auch in Kelheim die Debatte um einen Nationalpark ein.
Von Martina Hutzler

Die Weltenburger Enge lässt bei Naturschützern die Herzen höher schlagen, aber auch bei Erholungssuchenden. Ob beides vereinbar ist, dürfte ein Kernthema der Nationalpark-Debatte werden. Foto: Gabi Röhrl / Archiv

Kelheim. 400 Hektar Wald, 200 Hektar Fluss und 50 Hektar Wege und sonstige Flächen: Diesen Anteil etwa könnte der Landkreis Kelheim aus Sicht des bayerische Umweltministerium zu einem Nationalpark Donau-Auen beisteuern. Bei einer Kreistags- und Informationssitzung im Landratsamt am Freitagnachmittag haben Umweltministerin Ulrike Scharf und Referenten ihres Hauses die Pläne für das Projekt „np3“, also einen dritten Nationalpark (NP) im Freistaat, vorgestellt und Fragen von Kreisräten und Zuhörern beantwortet.

Landrat Martin Neumeyer begrüßte Umweltministerin Ulrike Scharf zu der Infoveranstaltung im Landratsamt. Foto: Hutzler

Der Andrang war groß, die Meinungen im Anschluss geteilt. Vor allem die Sorge vor Einschränkungen bei Waldbau, Jagd, Fischerei und Freizeitaktivitäten an der Donau treibt viele um.

Vor rund 250 Politikern, Behörden- und Verbandsvertretern uDie Donau-Auen rücken ins Blickfeldnd sonstigen Interessierten, vor allem Fischern, bekräftigte Umweltministerin Scharf, dass derzeit (nur noch) die Donau- und Isarauen sowie die Rhön im Rennen sind bezüglich einer Nationalpark-Ausweisung. Ein Auwald-NP wäre in Deutschland einmalig und würde naturschutzfachlich hochwertigste Flächen dauerhaft schützen, argumentierte sie. Im Kreis Kelheim von Interesse sei die freifließende Donau zwischen Neustadt und Kelheim samt der „ökologisch hochwertigen Wälder im Umgriff der Weltenburger Enge“.

Was an der Donau zählt

  • Vorgaben:

    Nach internationalen Richtlinien (IUCN) muss ein NP auf mindestens 75 der Fläche praktisch sich selbst überlassen bleiben – allerdings nicht sofort ab NP-Ausweisung. Bis zu 25 Prozent der Fläche können auch langfristig gepflegt werden, z.B. Kulturlandschaften.

  • Bedeutung:

    Im Kreis Kelheim sind laut Umweltministerium „die Donau sowie die angrenzenden Wälder naturschutzfachlich sehr hochwertig“, ferner die artenreichen „Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation“ sowie die „freifließende Donau mit gewässertypischen Prozessen“.

  • Entwicklung:

    Ein NP könnte laut Ministerin Scharf im Kreis Kelheim das „Gewässerentwicklungskonzept an der freifließenden Donau“ umsetzen und ausweiten, zum Beispiel durch Uferrenaturierungen, Wiederbelebung von Auegewässern und Anbindung von Seitengewässern. (hu)

Die Karte dazu stieß bei vielen Besuchern auf Kritik, weil sie die NP-Gebietskulisse nur grob schraffiert zeigte. Genau das aber zeichnet nach Ansicht Scharfs den „Dialogprozess“ aus: „Wir wollen niemandem etwas überstülpen“, sondern einen „maßgeschneiderten Nationalpark mit der Bevölkerung vor Ort entwickeln“.

„Zu unkonkonkret“ kritisierten mehrere Redner die vorgestellte Karte einer möglichen Nationalpark-Gebietskulisse für den Kreis Kelheim.Foto: Hutzler

Genau umrissen würde das Gebiet erst im förmlichen, etwa ein Jahr dauernden Ausweisungsverfahren, an dessen Ende der Nationalpark per Kabinetts- und Landtagsbeschluss in einer „gesetzesgleichen“ Verordnung festgelegt würde. Wann dies so weit sein könnte, ließ Scharf offen. „Wir wollen in absehbarer Zeit entscheiden“, ob mit Rhön oder den Donauauen weitergeplant wird. Dann erst würden die Eckpunkte eines NP festgelegt, „mit einer sehr viel vertiefteren Diskussion“.

John Mihopulos, Kathrin Hueber und weitere Naturfotografen übergaben an die Ministerin einen eigens gefertigten Bildband „Nationalpark Donau-Auen“, der die Naturschätze in der Region vorstellt. Foto: Hutzler

Nach jetzigem Stand ist die gesetzlich angepeilte Mindestfläche von 10 000 Hektar für einen NP noch nicht erreicht: Die Donau samt begleitender Wälder ergäben zwischen Donauwörth und Kelheim 4500 bis 5000 Hektar; dazu kämen rund 2300 Hektar Isar-Auwald im Raum Freising; dazu „eventuell noch Gebiete in den Landkreisen Erding und Landshut, dann kämen wir auf eine Größenordnung von 8- bis 10 000 Hektar“, rechnete Scharfs „np3“-Fachreferentin Ursula Schuster vor. Sie betonte, dass für die Suchkulisse „ausschließlich staatliche Flächen“ herangezogen würden.

Die Weltenburger Enge lässt bei Naturschützern die Herzen höher schlagen, aber auch bei Erholungssuchenden. Ob beides vereinbar ist, dürfte ein Kernthema der Nationalpark-Debatte werden. Foto: Gabi Röhrl / Archiv

Eine andere Zahl hob ihre Chefin hervor: Bei einer Befragung hätten 85 Prozent für einen dritten bayerischen Nationalpark votiert. Scharf ergänzte schmunzelnd: „Ich merke schon: Hier herinnen sind die anderen 15 Prozent, die grummeln“.

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