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Region Kelheim
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Weihnachtswunder

Eine Königin macht den Pfarrer selig

Adé Synthesizer: Mit Glück und Zufall hat die Pfarrei Bad Abbach eine Orgel bekommen – und das zwar geschenkt.
Von Gabi Hueber-Lutz

  • „Ich bin der glücklichste Pfarrer der Welt!“ Anton Dinzinger an der geschenkten Orgel in der Kirche zur Heiligen Familie. Foto: Hueber-Lutz
  • Die neue Orgel auf der Empore Foto: Hueber-Lutz

Bad Abbach.Das Weihnachtswunder von Pfarrer Anton Dinzinger dauert schon ein paar Wochen und wird im Sonntagsgottesdienst am Weihnachtstag seine Vollendung finden: Dann nämlich wird erstmals zu einem Gottesdienst die „Königin der Instrumente“ erschallen: die Orgel, die Dinzinger für die Kirche zur Heiligen Familie geschenkt bekommen hat.

„Ich bin der glücklichste Pfarrer der Welt!“ Anton Dinzinger an der geschenkten Orgel in der Kirche zur Heiligen Familie. Foto: Hueber-Lutz

„Ich hatte die Hoffnung begraben – jetzt glaube ich an Wunder!“, sagt der Geistliche voller Überzeugung. Und breitet die Arme aus: „Ich bin der glücklichste Pfarrer der Welt.“ Die „Orgel“ in der Heiligen Familie, das war für den ehemaligen Domspatzen schon immer eine Sache, bei der er schwer schlucken musste. Denn genaugenommen sei ein Synthesizer halt keine Orgel und Elektronik nichts Echtes. Manche mögen meinen, es hätte doch mit dem Synthesizer auch alles geklappt. Aber da ist Dinzinger ganz anderer Meinung: „Wir hatten Elektronik, die Pfeifenklang nachmacht.“ Das sei, als würde man die Kirche mit künstlichen Blumen ausstatten, weil man aus der Ferne ja sowieso nicht unterscheiden kann, was da am Altar steht, erklärt er plastisch.

Knappe Mittel sind verplant

Freilich, leben kann man mit allem und muss man manchmal auch. Als er nach Bad Abbach gekommen ist, stand für Pfarrer Dinzinger zwar fest, dass die erste und wichtigste Anschaffung eine richtige Orgel sein wird. Im Lauf der Zeit ist die Orgel aber auf der Prioritätenliste weit nach hinten gerutscht: Die Realität hatte zugeschlagen.

Die sieht nämlich so aus, dass die Gemeinde kaum Platz für ihr vielfältiges Leben hat. Ein Pfarrzentrum ist höchst notwendig und wird praktisch Euro um Euro zusammengespart. Mitunter kommt auch ein größerer Brocken auf dieses Konto, aber die Verwirklichung steht immer noch in den Sternen. Und dann ist da die Kirche selber, die zumindest ein neues Dach braucht.

Den Traum von einer Orgel begrub Pfarrer Dinzinger also ziemlich schnell. Aber dann hörte er vor einem halben Jahr etwa, dass sich der Konvent der Schwestern der Katholischen Heimatmission von Unserer Lieben Frau auflöst, weil die Schwestern alle das 80. Lebensjahr überschritten haben. Sie waren in der Nähe des Stadttheaters in Regensburg beheimatet und hatten in ihrer Kirche eine Orgel. Eine der Schwestern, Mechtild Bodensteiner, war mehrere Jahre als Gemeindereferentin in der Seelsorge in Bad Abbach tätig.

Der Anlass war eher traurig

Pfarrer Dinzinger hörte von der Auflösung, ging zu Oberin Angelika Buchbinder und fragte, was mit der Orgel geschehen würde. Am Ende hatte er das Versprechen, dass er sie für seine Heilige Familie bekommt. Immer noch ist er dankbar dafür, dass er von der Auflösung erfahren hat, denn für so eine Orgel hätte es wohl sicher noch mehr Interessenten gegeben, ist er sich sicher.

Auf die Heizung folgte die Orgel

  • Wunder

    scheint Pfarrer Dinzinger anzuziehen: Ende 2015 erreichte ihn der Anruf eines anonymen Spenders, der der Pfarrei eine Sitzheizung für die Pfarrkirche schenkte.

  • Hörprobe:

    Am 1. Januar 1. gibt es um 17 Uhr ein Konzert von den Organisten der Pfarrei. Es dauert eine knappe Stunde, damit die Besucher dann sofort zum Neujahrsanblasen in die Fußgängerzone gehen können. (lhl)

Freilich dauerte es erst einmal einige Zeit. Dinzinger musste fragen: die eigene Kirchenverwaltung, die Aufsicht der Kirchenverwaltungen und die Diözesankommission für Kunst und Kultur. Auch die Statiker hatten ein Wort mitzureden, denn es musste untersucht werden, ob die Empore der Heiligen Familie eine solche Orgel tragen kann. Schließlich war alles in trockenen Tüchern und gerade rechtzeitig vor Weihnachten konnte die Orgel aufgebaut werden.

Erschaffen hat das Instrument vor 30 Jahren der Regensburger Orgelbauer August Hartmann. Die dreimanualige Orgel mit Schwellwerk und acht Registern sei das, was Organisten als wahre Orgel bezeichnen, schwärmt Dinzinger: eine, bei der durch eine Vorrichtung aus Hebeln und Drähten die Finger des Organisten den Pfeifton erzeugen. Orgelbauer Rainer Kilbert aus Lappersdorf hat sie in Bad Abbach eingebaut. Nun steht sie also auf der Empore. Jedesmal, wenn er dort hinaufgeht, wird ihm warm ums Herz, sagt der Pfarrer der Heiligen Familie. Es gebe Wünsche, die schlage man sich aus dem Kopf, weil man die Sache für aussichtslos hält. Indes: „Die Wege Gottes sind unergründlich, doch sie führen immer zum Ziel.“ Das zumindest hat sich dem jungen Anton eingeprägt, der im Fernsehen die Weisheiten des Pater Brown, alias Heinz Rühmann aufgesogen hat.

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