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Region Kelheim
Montag, 20. November 2017 5

Geschichte

Einem Kriegsgeheimnis auf der Spur

Markus Steinsdorfer will herausfinden, ob im Wald bei Arnhofen ein Flugzeug abgestürzt ist. Er sucht Zeitzeugen dafür.
Von Wolfgang Abeltshauser

Regelmäßig ist Markus Steinsdorfer mit seiner Sonde unterwegs. Fotos: Abeltshauser (4), Steinsdorfer

Abensberg.Markus Steinsdorfer hofft auf die Hilfe seiner Mitbürger. Seit fast zwei Jahren will er das Schicksal eines deutschen Militärflugzeuges ergründen. Teile der Maschine fand der Sondengänger im Waldstück zwischen Abensberg und Arnhofen. Was dafür spreche, dass es sich um einen dort abgestürzten Flieger handelt. Experten können sich aber auch etwas anderes vorstellen. Steinsdorfer hofft, Zeitzeugen zu finden, die sich an die Geschehnisse noch erinnern können.

Starten wir die Geschichte von Anfang an. Immer wieder ist der 41-Jährige mit einer Metallsonde in den Wäldern rund um Abensberg unterwegs. Er macht das seit 25 Jahren. Schon oft hat er Historikern dann von seinen Funden erzählt – und einiges auch abgeliefert. Sogar in der Zeitung stand er schon. Doch dazu später.

Eigentlich interessiert sich Steinsdorfer vor allem für mittelalterliche Funde. Er hat sogar alte Kanonenkugeln daheim liegen. Die er nicht weit von seinen Flugzeugfunden aus dem Boden geholt hat. Und auf Exponate dieser Art war der Abensberger auch vergangenes Jahr aus. Jedoch holte er eine alte Plakette aus dem Boden. Darauf ist ein Baujahr zu sehen, eine Typenbezeichnung und -nummer und noch mehr. Zum Beispiel steht dort ATG zu lesen. Eine deutsch Firma, die in den 30er und 40er Jahren Kampfflugzeuge gebaut hat.

Mit dem Fund dieser Plakette fing alles an. Sie gehört sicher zu einer JU 52, die im Zweiten Weltkrieg im Einsatz war. Forschungen zufolge wurde sie entweder in Italien oder Frankreich zerstört. Wahr ist aber, dass Markus Steinsdorfer ihre Überreste bei Abensberg gefunden hat.

Auch Munition gefunden

Heute weiß er: Es handelt sich um ein Teil einer JU 52. Diese Flieger setzten die Deutschen im Zweiten Weltkrieg ein. Er fand weitere Teile. Die in seinen Augen ebenso zu einer solchen Maschine passen. Denn er hat sich mittlerweile zu einem richtiggehenden Experten für alte Flieger entwickelt. „Und Unmengen Munition fand ich auch.“ Die hat die Polizei längst entsorgt. In Steinsdorfer aber wuchs der Verdacht: Ist da ein Flugzeug abgestürzt? So die Frage. Denn er weiß von Erzählungen eines Augenzeugen aus Arnhofen. Es sei dort im Krieg ein Flieger heruntergekommen. Allerdings lebe diese Person nicht mehr. Das habe er erfahren, als er in Arnhofen von Bauernhof zu Bauernhof gelaufen war, um Informationen zu erhalten.

All das würde ihn wohl nicht interessieren, wenn er gemeinsam mit Freunden 1990 nicht in einer Kiesgrube herumgetollt hätte. „Dort haben wir Scherben gefunden.“ Auch Metallteile waren darunter. Steinsdorfer brachte das ins Abensberger Heimatmuseum zum damaligen Museumsleiter Fritz Angrüner. Das war der Mittelbayerischen Zeitung in jenem Jahr sogar einen Artikel wert.

Als Anerkennung dafür gab es für Steinsdorfer bald danach eine Einladung zu einem Hobbyarchäologentreff in Kelheim. „Da waren auch Leute dabei, die mit Metallsonden unterwegs waren.“ Das Interesse des Jugendlichen war geweckt. Und es hat auch nicht mehr nachgelassen.

Regelmäßig ist Steinsdorfer unterwegs. Was in Bayern übrigens völlig legal sei. „An jedem Wochenende mehrere Stunden.“

Dieses Ensemble hat der Sondengänger in der Nähe der B 16 gefunden. Es handelt sich um Schmuckteile, einen Kompass und weiter Metallteile. Steinsdorfer geht davon aus, das die Gegenstände in den Wirren des Krieges vergraben wurden.

Seit er genauer nachsieht, ob er weitere Flugzeugteile finden kann, unterstützen ihn Freunde dabei. Zuvor wirft er sich immer in Armeeklamotten. Nicht etwa, weil er ein Faible für Bundeswehrparka oder so hätte. Diese Kleidung habe sich schlichtweg als am geeignetsten für seine Suche – die ja teilweise im Unterholz stattfindet – herausgestellt. Sei sei kaum kaputtzubekommen. „Außerdem hält sie warm.“ Seine Kinder sind bei seinen Ausflügen in den Wald durchaus mit dabei. Wenn er allerdings davon ausgeht, dass er Munition findet, wie es beim Flugzeugareal ist, lässt er die Sprösslinge zu Hause. Da komme es eher vor, dass er gemeinsam mit Polizeibeamten im Wald steht.

Ein Lager der Amerikaner

Die eine oder andere Stunde verbringt er seit geraumer Zeit aber nicht im Wald – sondern vor dem Computer. Oder er wälzt Bücher. Die JU 52, von der er Teile gefunden hat, lässt ihn eben nicht los. Mittlerweile weiß er, dass amerikanische Soldaten in dem betreffenden Waldstück eine Lager hatten. „Ich habe auch Teile von amerikanischen Flugzeugen gefunden.“ Räumt er ein.

Die Kleinfunde, die der Abensberger zwischen Abensberg und Arnhofen gefunden hat, füllen mittlerweile mehrer Kisten. Ein Rätsel ist aber, dass es anscheinend auch Teile von amerikanischen Fliegern sind, die der 41-Jährige aus dem Boden geholt hat. Es fehlt noch eine endgültige Erklärung.

Was durchaus die These stützt, dass es sich schlichtweg um ein Areal handle, wo Flugzeuschrott entsorgt wurde. Die vertrete Bernd Pirkl, mit dem er Kontakt aufgenommen hat. Der sammelt viele Informationen über den Flugzeugtyp JU 52 und stellt sie ins Internet.

Über dessen Archiv fand Steinsdorfer heraus, dass „sein“ Flugzeug am 27. April 1944 angeblich auf dem Flugplatz Toul in Frankreich zerstört worden ist – oder durch Bomben am 13. April 1943 in Castel Vetrano. Was auf Sizilien liegt. Steinsdorfer hat nachgerechnet. Von Frankreich her wären es zwei bis drei Flugstunden nach Abensberg. Könnte sich der Flieger nach einem Angriff hierher gerettet haben?

Die meisten Teile, die der Hobbyforscher mittlerweile geborgen hat, sind auf den ersten Blick unscheinbar. Oft sind es verrostete Dinge wie dieser Ring, der wahrscheinlich zu einem Cockpit-Gerät gehört hat. Mittlerweile kann er sie aber ganz gut einordnen.

Wie auch immer. Sein Forschergeist ist geweckt. Gerne würde er nachweisen, dass es den Absturz wirklich gegeben hat. Dafür braucht er – davon geht er aus – aber Abensberger, die ihm über die Kriegszeit und Flugzeugabstürze hier etwas berichten können.

Wer Informationen für Markus Steinsdorfer hat, kann per Mail mit ihm Kontakt aufnehmen: steinsdorfer@yahoo.de. Wer will, darf sich aber auch bei der Mittelbayerischen melden: Telefon 0 94 43/91 15 11 oder rab@mittelbayerische.de

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