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Region Kelheim
Dienstag, 26. September 2017 21° 2

Wirtschaft

Einst Schandfleck – nun Altstadtperle

Das Einzeldenkmal am Ludwigsplatz in Kelheim ist saniert. „Ein gelungenes Erscheinungsbild“, heißt es in der Denkmalsbehörde.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Endspurt bei der Sanierung des Einzeldenkmals (Mitte) am Ludwigsplatz in Kelheim Foto: Kahlil Ibraheem

Kelheim. Die neue Fassade prägt bereits seit einiger Zeit die Stadtplatzkulisse mit. Und man sieht, dass sich das einst als „Schandfleck“ von so manchen bezeichnete historische Haus Ludwigsplatz 5 in der Kelheimer Altstadt in diesem Jahr zur Altstadtperle entwickelte. Das Einzeldenkmal, das einige Zeit leer stand, und in den Schaufenstern den Slogan der damaligen Stadtaktion „Platz für ein neues Stück Kelheim“ hatte, erfüllt nun diesen Anspruch voll. Das ist sicherlich Walter Ried, Handlungsbevollmächtigter der Firma Alte Gärtnerei Wohnbau GmbH, zu verdanken. Er hat es geschafft, den Denkmalcharakter des Gebäudes, das erstmals im Jahr 1795 in einer Aufzählung des Hausbestandes erwähnt ist, zu erhalten und doch für eine zeitgemäße Gestaltung im Inneren zu sorgen.

Der Handlungsbevollmächtigte der Firma Alte Gärtnerei Wohnbau GmbH, Walter RiedFoto: Kahlil Ibraheem

Vor der offizielle Eröffnungsfeier am Donnerstagabend führte Walter Ried die Reporterin unseres Medienhauses und den Fotografen durch das sanierte Objekt bei der Mariensäule. Dort haben die Handwerker, vom Schreiner bis zum Installateur, zum Endspurt angesetzt. Bauherren-Vertreter Walter Ried, der nicht zum ersten Mal eine Baustelle abwickelt, sagt: „Bis eine Stunde vor der Eröffnung wird gearbeitet.“ Er ist sicherlich auch stolz auf das Einzeldenkmal, das durch seinen Einsatz im 21. Jahrhundert die Kelheimer Altstadt bereichert. Vier Investoren aus dem Landkreis Kelheim ermöglichten schließlich den Kauf und die Sanierung des Hauses. Dabei wurde auch die künftige Nutzung als Gastronomie- und Wohnimmobilie berücksichtigt.

Genuss mit etwas Nostalgie

Das Gebäude hat vom Stadtplatz aus zwei Eingänge, einer führt direkt in das Eiscafé mit Bar. Während die künftigen Gäste dort den süßen, kühlen Genuss genießen, können sie auch etwas in Nostalgie schwelgen. Historische Balken an der Decke, ein freigelegter Bereich der Bruchsteinmauer, der sich gut in die übrige Wand integriert, und beim Durchgang von einem Gastraum zum anderen an der Seite die gewölbeartig ausgebildete Öffnung Richtung Untergeschoss. Von einem großen rechteckigen Fenster aus sehen Interessenten ins Eislabor (ein eigener Raum) im rückwärtigen Bereich. Im Januar eröffnet Pächter Mario Facchin, der viele Jahre die Eisdiele im Einkaufszentrum betrieb, sein Geschäft in dem Einzeldenkmal.

Es geht in die Tief in dem Denkmal im Herzen der Altstadt. Nicht nur der Abgang ist gewölbeartig, sondern auch der Keller selbst ist als Gewölbe ausgebildet. Foto: Kahlil Ibraheem

Vom Flur aus, über den auch der Aufzug in die erste Etage zu erreichen ist, führt eine Treppe in einem mächtigen Gewölbe in den Keller. Dort ist noch ein runder Brunnen mit einer Tiefe von etwa einem Meter, derzeit ohne Wasser, vorhanden. Wie Walter Ried sagt, sei seit der Hochwasserfreilegung kein Wasser mehr im Keller gestanden, „im Brunnen schon manchmal, wenn der Donaupegel über fünf Meter steigt“. Der circa acht mal fünf Meter große Gewölbekeller verläuft Richtung Stadtplatz.

Dieses Rechteck im Lokal im Oberschoss ist keine modernes Bild, sondern ein freigelegter Wandbereich. Foto: Kahlil Ibraheem

Über eine massive Eichentreppe geht’s in die erste Etage und ins Dachgeschoss. Ein griechisches Restaurant eröffnen am Freitag im Obergeschoss Sotitius Barhampas und Dimitroula Tsatsi; der Sohn und die Mutter waren laut Ried frühere Pächter am Herzberg. Im neuen Lokal sorgen historische Elemente für besonderes Flair – seien es die Bruchstein-Segmente oder ein Bereich an einer Wand mitten im Restaurant, der sich wie ein Bild einfügt, mit freigelegtem Holz- und Steinteilen sowie Rußspuren. Durch die Fenster kann man auf den Stadtplatz, zum Rathaus in die Benefiziatengasse oder zur Befreiungshalle sehen. Eine Besonderheit sind sicherlich die kleinen Bänke an den Wänden links und rechts von

Die kleinen Bänke bei Fenstern im Einzeldenkmal seien in Kelheim selten erhalten, so Reinhold Niedermeier. Foto: Kahlil Ibraheem

Fenstern

Die einige Jahrhunderte alten Balken sind erhalten. Wie Ried sagt, stammten diese aus der Zeit um etwa 1750. Wegen der Statik mussten Stahlträger eingezogen werden und auch eine sieben Zentimeter starke Spezialbetondecke. Die Balken sind dem Handlungsbevollmächtigen zufolge mit 2800 Edelstahlschrauben mit der Bewehrung und der Betondecke verbunden.

Eine der beiden Dachgeschoss-Wohnungen in dem historischen Gebäude, Ludwigsplatz Nr. 5. Die mächtigen, historischen Balken sind mit Holznägeln verbunden. Foto: Kahlil Ibraheem

Das Dachgeschoss ist dem Wohnen vorbehalten. Dort entstanden zwei Wohnungen „mit offenem Charakter“. Auch wenn die Räume noch nicht eingerichtet sind, bestechen sie durch den massiven Dachstuhl, der gleich beim Betreten ins Auge fällt. Durch die Fenster der Ein-Zimmer-Wohnung ist der Stadtplatz zu sehen. Links und rechts eines großen Rundbogenfensters sind zwei kleiner, rechteckförmige und oben noch ein rundes.

Dem Gebäudekauf im Sommer 2015 folgte im Frühjahr der Baustart. Die Gesamtinvestitionskosten gibt Walter Ried mit 1,4 Millionen Euro an. Für das Einzeldenkmal habe es „genügend Auflagen“ gegeben, sagt Ried. Er spricht von „ein bisschen Anlaufschwierigkeiten“ , aber es sei immer eine Lösung/Kompromiss mit der Denkmalschutzbehörde gefunden worden.

Ausschnitte aus Bruchsteinmauern sind im sanierten Einzeldenkmal im künftigen Gastronomiebereichen zu sehen. Foto: Kahlil Ibraheem

Dachwerk mit Ladebaum erhalten

Reinhold Niedermeier, Leiter der unteren Denkmalschutzbehörde am Landratsamt, sagt auf Anfrage: „Es ist ein gelungenes Erscheinungsbild für dieses Baudenkmal, das sich gut in das Ensemble Ludwigsplatz einfügt.“ Bei der Baumaßnahme wurden Niedermeier zufolge „insbesondere folgende denkmalpflegerische Belange berücksichtigt: der Erhalt der Holzbalkendecken und des noch vorhandenen historischen Dachwerks mit Ladebaum sowie teilweise der Erhalt der alten Treppe zum Obergeschoss; der Einbau neuer, stimmiger Fensterelemente aus Holz; die Dacheindeckung mit Biberschwanzziegeln sowie die Gestaltung und Farbigkeit der Außenfassaden“.

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