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Region Kelheim
Samstag, 25. November 2017 4

Bildung

Elternprotest wegen Musikschul-Teilumzug

Mutter schickt Beschwerde mit Unterschriftenliste an Stadt – erst am Vorabend des Schuljahresstarts von Änderung erfahren.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Das Musikschul-Orchester probt nicht mehr in Hohenpfahl (Foto), sondern im Grundschulhaus in Kelheimwinzer. Foto: Pledl/Archiv

Kelheim.Alles andere als Freudentöne anstimmen kann die Kelheimer Mutter Cornelia Fleischmann wegen der Verlegung des Musikunterrichtsortes der städtischen Musikschule Kelheim von der Grundschule (GS) Hohenpfahl an die GS Kelheimwinzer. Die 33-Jährige hat für ihre zwei Kinder im Alter von acht Jahren Musikunterricht gebucht – die Tochter lernt Klavier, der Sohn Schlagzeug. Erst am Vorabend des Schuljahresanfangs hatte die Frau von der Veränderung erfahren. Sie sammelte daraufhin Unterschriften. Auf der Liste stehen 43 Namen von Eltern.

Mutter Cornelia Fleischmann zeigt die Unterschriftenliste. Foto: Bachmeier-Fausten

Mit einem Beschwerdebrief sandte die 33-Jährige per E-Mail am letzten Septembertag die Liste an Bürgermeister Horst Hartmann und die Stadträte. Bis Montag, 16. Oktober, hatte Cornelia Fleischmann keine Reaktion aus dem Rathaus erreicht.

Fühle mich „etwas überrumpelt“

Einige Stadträte hätten sich gemeldet, die „alle nichts von der Sache wussten und sich schon ein bisschen empörten, was das für ein Umgang der Stadt mit den Kelheimer Familien ist“, so Cornelia Fleischmann. Angesichts der kurzfristigen Info fühle sie sich „schon etwas überrumpelt“. Sie sagt, dass sich auf der Unterschriftenliste auch Eltern eingetragen hätten, deren Kinder nicht die Musikschule besuchten, „aber sie verstehen nicht, dass die Grundschule Hohenpfahl für Zwecke, durch die Kinder gefördert werden, nicht genutzt werden darf“. Cornelia Fleischmann erwähnt im Gespräch mit der Reporterin unseres Medienhauses, dass sie Bürgermeister Hartmann im Frühjahr darauf angesprochen habe, „was mit der Musikschule wird, wenn die offene Ganztagsschule kommt“. Darauf hat er der 33-Jährigen zufolge gesagt: „,Alles kein Problem, es bleibe natürlich alles so wie es ist’.“

Das sei aber jetzt nicht so.

Sophia Fleischmann ganz konzentriert beim Klavierspielen. Foto: Fleischmann

Die achtjährigen Zwillinge des Ehepaares Fleischmann können nicht mehr, wie im vergangenen Musikschuljahr von zu Hause aus zu Fuß zum Klavier- und Schlagzeugunterricht gehen. In der E-Mail an Bürgermeister und Stadträte führt die Kelheimerin an, dass sie „gezwungen ist, für meine Kinder einen Fahrdienst zu organisieren – und das aufgrund der fehlenden Information, ohne Vorlaufzeit!“ Es ist ein Fahrdienst nötig an zwei Tagen. Die Großeltern „fahren oft und wenn die keine Zeit haben, nehme ich mir frei, damit ich meine Kinder in die Musikschule fahren kann“.

Maximilian Fleischmann am Schlagzeug Foto: Fleischmann

Wenn sie deswegen früher ihren Dienst beende, „muss ich an einem anderen Tag länger bleiben“, so die Angestellte, deren Mann Schichtdienst im Rettungsdienst hat. „Es haben sogar Familien durch die plötzlichen Veränderungen die Musikschule verlassen, geschuldet durch eine fehlende Fahrgelegenheit“, steht in der E-Mail. Cornelia Fleischmanns Ansicht nach sei die Erstellung eines Konzeptes und dessen Umsetzung unbedingt notwendig. Die Kelheimerin: „Somit könnten sich die Kinder und die Eltern auf die Gegebenheiten vorbereiten und eventuelle Kündigungen könnten vermieden werden.“ In ihrer E-Mail am Bürgermeister und Stadträte schrieb sie: „Ich beziehe eine Leistung der Stadt Kelheim in Form der Musikschule und bin somit Kunde, und als Kunde wünsche ich mir eine andere Art und Weise der Information.“ Da man keine Alternative sehe und „der Lehrer fachlich sehr kompetent ist“, besuchten ihre Kinder weiterhin die Musikschule.

Musiklehrer Günter Wein sagt auf Anfrage, dass er am Vortag des Musikschuljahres 2017/2018 um 17 Uhr in der Musikschullehrerkonferenz erfahren habe, nicht mehr in Hohenpfahl unterrichten zu können, sondern in Kelheimwinzer. Er sei heimgefahren und habe mit einer Sammel-E-Mail die Eltern informiert.

Stadtoberhaupt: „Zwischenlösung“

Bürgermeister Hartmann ließ auf Anfrage mitteilen: „Momentan finden die Orchesterproben und die Musikstunden von Herrn Wein (Schlagzeug und Klavier), die regulär an der Grundschule Hohenpfahl gegeben werden, wegen der Größe der Instrumente an der Grundschule Kelheimwinzer statt.

Seit diesem Schuljahr besteht an der Grundschule Hohenpfahl eine Offene Ganztagsschule. Zur Vorstellung kam auch der Bürgermeister. Foto: Bachmeier-Fausten

Das ist nur vorübergehend, bis eine endgültige Lösung gefunden worden ist.“ Es sei „dem erhöhten Raumbedarf geschuldet“, den die Einführung der offenen Ganztagsbetreuung und der Flexi-Klassen an der Grundschule Hohenpfahl „mit sich bringen“. „Für diese Zwischenlösung appelliere ich an das Verständnis der Schülerinnen und Schüler, vor allem an das der Eltern. Ich verstehe die Sorgen, da jetzt Fahrgelegenheiten zu organisieren sind, die vorher nicht nötig waren.“ Erwähnt ist, dass acht Kinder aus Hohenpfahl und sieben Kinder aus Kelheimwinzer seien. In der E-Mail aus dem Rathaus steht auch: „Die Verlegung der Unterrichtsräume wurde kurzfristig, aber rechtzeitig kommuniziert.“ „Wir versuchen, beim Neubau der Turnhalle der Grundschule Hohenpfahl, der Mensa und der Aula auch eine endgültige Lösung für die Musikschule zu schaffen.“

Als jährliche Investitionskosten der Stadt für die Musikschule werden 130000 Euro genannt. Man freue sich „sehr, wenn das Angebot von den jährlich 220 bis 230 Schülern angenommen und auch genutzt wird“. Für 14 Instrumente werde Unterricht angeboten. Es gebe vier Ensembles. 2018 ist das 50-Jährige der Musikschule. „Wir stecken in den Planungen für diesen besonderen Geburtstag.“

Interview mit Evelyn Gallmeier, kommissarische Leiterin der Grundschule Kelheimwinzer

Frau Gallmeier, Ihre Meinung zur Unterbringung
eines Teils der städtischen
Musikschule im Schulhaus
Kelheimwinzer?



Es ist einfach suboptimal, weil wir einfach die Räumlichkeiten nicht haben. Das Schlagzeug ist im Raum der Mittagsbetreuung untergebracht und nimmt einen Teil des Raumes weg. Musikschulleiter Neumeier ist bemüht, dass es für beide Seiten so akzeptabel wie möglich ist.

Wann haben Sie von der Unterbringung erfahren?

Sehr kurzfristig vor Beginn des Schuljahres. Gegen Ende der Ferien war der Umzug.

Hätten Sie sich eine frühere Information gewünscht?

Zunächst hatte es geheißen, ein Instrument soll untergebracht werden, aber dann ist es mehr geworden. Es sind jetzt Schlagzeug, Klavier und Orchester untergebracht.

Wo steht das Klavier?

In einem Klassenzimmer

Beeinträchtigt die Unterbringung der Musikschule den Schulunterricht?

Es beeinträchtigt den Unterricht nicht.

Wie lange soll die jetzige Lösung dauern?

Die Lösung ist, was ich als Auskunft bekam, lediglich vorübergehend angedacht. Wie lange es dauert, weiß ich nicht.

Kann die Mittagsbetreuung
im gewohnten Umfang ablaufen?

Ja, schon, die Betreuungskraft Ertl hat sich damit arrangiert. Es ist natürlich schon so, dass der Raum dadurch etwas kleiner geworden ist.

Gibt es eine Reaktion von Eltern?

Ich hab’ keine Reaktion von Eltern mitbekommen.

Ist die Unterbringung der Musikschule
völlig neu in Kelheimwinzer?

Nein, vorher hat der Flötenunterricht stattgefunden, das ist auch weiterhin der Fall.

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