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Region Kelheim
Dienstag, 16. Januar 2018 6

Geschichte

Explosive Pläne für Main-Donau-Kanal

Kelheims Stadtarchivar berichtet von Konkurrenztrassen zu Main-Donau-Kanal, dem Vorschlag Untertunnelung des Michelsbergs.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Dr. Kulke mit einem historischen Plan, mit der Kanaltrasse Foto: Bachmeier-Fausten
  • Landrat Neumeyer, Bayerns Innenminister Herrmann und Bundes-Verkehrsminister Alexander Dobrindt beim schwimmenden FestaktFoto: re/Archiv

Kelheim.Kelheims Stadtarchivar Dr. Wolf-Heinrich Kulke hat einiges im Zusammenhang mit der Wasserstraße, die seit 25 Jahren durch die Kreisstadt verläuft, ausgegraben. Er zeigt im Archiv historische Pläne und Unterlagen. „Das Erstaunliche an dem Main-Donau-Kanal ist, dass es 100 Jahre gedauert hat bis zur Einweihung.“ Im Zeitraum von 1892 bis 1992 waren auch zwei Weltkriege. Sonst wäre das Kanal-Bauvorhaben „sicherlichschneller gegangen. Mindestens ein halbes Jahrhundert ist durch die Weltkriege verlorengegangen. In einer städtebaulichen Planung für Kelheim aus dem Jahr 1928 „ist der neue Kanal schon eingezeichnet und die Verlängerung von der Donaubrücke durch die Osttangente“. Auch das ist für den Stadtarchivar sehr erstaunlich.

Kelheimer wehrten sich

Dr. Kulke berichtet auch von Konkurrenztrassen zum Main-Donau-Kanal. „Die Rhein-Donau-Verbindung über den Neckar war im Gespräch“. Ein Konkurrent sei von Anfang an der Rhein-Neckar-Donau-Kanal gewesen. Wäre dieser realisiert worden, wäre die Schifffahrt an Kelheim vorbeigeführt worden wegen des Donaudurchbruchs. Durch einen Umgehungskanal von Eining nach Saal wäre Kelheim „von der Schifffahrtslinie abgehängt worden“. „Die Kelheimer haben sich mit allen Händen und Füßen gegen alle Varianten“, die an Kelheim vorbeigegangen wären, gewehrt.

Circa 1930: Darstellung eines Schiffshebewerks für Neckar-Donau-Kanal Foto: Stadtarchiv Kelheim

Man setzte sich dafür ein, dass die Kanaltrasse über Kelheim verläuft. „Kelheim wollte immer, dass der Kanal über Kelheim geht.“ Ein Neckar-Donau-Kanal hätte 300 Höhenmeter überwinden müssen, da dieser „über die Schwäbische Alb verlaufen hätte müssen mit Hilfe gewaltiger Schiffshebewerke, in denen die Schiffe hochgehoben worden wären. Die höchsten Berge der Schwäbischen Alb wären durch 30 Kilometer lange Tunnel unterquert worden.“

1928: Konkurrenz-Kanal über Neuburg-Ingolstadt-Abensberg-Saal Foto: Stadtarchiv Kelheim

Aber auch innerhalb Bayerns gab es für Kelheim Konkurrenz mit der sogenannten Stepperger Linie, „die von Nürnberg direkt nach Süden über Weißenburg, Steppberg und Neuburg an der Donau angeschlossen worden wäre“. Laut Dr. Kulke wollte Ingolstadt wegen der Industrie unbedingt diese Stepperger Linie. Er erwähnt, dass jedoch in Kelheim ein Kanalverlauf hier jedoch „eine Voraussetzung für die Ansiedlung der Zellwolle war“. Bei der dritten Konkurrenz, die Amberger Linie, sei es auch um die Industrie gegangen. Diese Trasse wäre über Nürnberg, Amberg, Regensburg verlaufen – „dann wäre das untere Regental kanalisiert worden und nicht das untere Altmühltal“.

Direkt unter der Befreiungshalle

In der Zeit um 1974/1975 „ist die Idee der Untertunnelung des Michelsberges aufgekommen. Ungefähr dort, wo die Gronsdorfer Schleuse ist, wäre der Kanal nach Süden abgezweigt und durch einen 750 Meter langen Tunnel unter dem Michelsberg direkt unterhalb der Befreiungshalle in die Donau geführt worden – keine 50 Meter hinter der Villa Bavaria“ (das letzte Haus am Fußweg, der Richtung Klösterl verläuft). Das gesammelte Material habe Emil Ott vor zehn Jahren dem Archiv übergeben. Der Stadtarchivar: „Die Idee entstand in einer Bürgerinitiative unter der Beteiligung von Emil Ott. Die Idee dahinter war, dass man sich den massiven Eingriff in das Stadtgebiet Kelheim erspart.

1980: Blick über die Altmühl auf die Befreiungshalle vor dem Kanalbau Foto: Franz Lindner

Es wäre auch eine Abkürzung gewesen.“ Dr. Wolf-Heinrich Kulke spricht an, dass ein derartiger Kanalverlauf „nur funktioniert hätte, wenn man direkt oberhalb der Tunnelmündung in die Donau eine Staustufe im Donaudurchbruch errichtet hätte. Das hätte natürlich ein massive Beeinträchtigung eines der wertvollsten Naturschutzgebiete Bayerns mit sich gebracht. Auch die Personenschifffahrt nach Weltenburg wäre nicht mehr möglich gewesen. Die Weltenburger Enge wäre durch das Tunnelprojekt zerstört worden.“ Experten hätten aufgrund des porösen Kalkgesteins im Michelsberg „die Statik der Befreiungshalle in Gefahr gesehen“.

Um 1980 ein Modell der Kanaltrasse in Kelheim Foto: Stadtarchiv Kelheim

Der Bürgerinitiative sei auch „viel zu verdanken“, so Kulke. Sie habe sich für eine lebenswerte Gestaltung der Wasserstraße im Stadtbereich eingesetzt. Denn: „Die RMD AG hätte einfach einen Betonschacht durch die Stadt gebaut.“ Es wäre eine hässliche Betonrinne geworden, „die Pläne gibt’s ja“, so Kelheims Stadtarchivar.

Schwimmender Festakt

  • Jubiläum

    Auf der Altmühlperle fand im September der schwimmende Festakt zum 25-jährigen Jubiläum des Main-Donau-Kanals statt. 300 Gäste waren geladen. Unter den Ehrengästen: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in Vertretung für Ministerpräsident Seehofer und Bundes-Verkehrsminister Alexander Dobrindt.

  • Feier

    Zur Zeit des Baus sei der Kanal teils umstritten gewesen, doch wenn er heute die Frage nach einem Rückbau stellte, wären wohl 99,9 Prozent dagegen, so Landrat Neumeyer. 25 Jahre Main-Donau-Kanal seien ein Grund zum Feiern. Touristen erlebten heute die Region als „Traumlandschaft“, sagte er.

  • Bedeutung

    Der Innenminister lobte den Kanal als Erfolgsgeschichte, die von Bayern aus in entscheidender Weise „durchgesetzt“ worden sei. Der Bau sei richtig gewesen – und von großer Bedeutung für Bayern, Deutschland, Europa. Fast alle könnten damit leben, nur die Grünen stünden nach wie vor damit „auf Kriegsfuß“.

Wie er sagt, „hatte die RMD AG schon in den 50er Jahren vor“ nach der Fertigstellung des Main-Donau-Kanals die Donau auch oberhalb Kelheims bis Ulm schiffbar zu machen. Als dann die Kosten des Baues eines Umgehungskanals von Eining nach Saal ausgerechnet worden seien, sei festgestellt worden, „dass es viel zu teuer ist“. Dr. Kulke: „Dann wurde gesagt, wir sprengen die Felsen im Donaudurchbruch, weil sie ein Hindernis für die Schifffahrt sind.“ Die Sprengung im Donaudurchbruch „hatte man allen Ernstes geplant“. Aber es gab Widerstand: „Der Stadtrat der Stadt Kelheim hat sich massiv dagegen zur Wehr gesetzt 1964 in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz.“ Es wurde ein Beschluss im Stadtrat gefasst. Der Tourismus sollte nicht gefährdet werden. „Der Bund Naturschutz war für den Erhalt des Naturschutzgebietes“.

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