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Region Kelheim
Dienstag, 24. Oktober 2017 13° 5

Bildung

Frachter voll mit spannendem Wissen

Kinder und Erwachsene informierten sich im Rumpf eines 100 Meter langen Frachters in Riedenburg über die Meere.
Von Petra Kolbinger

Gar nicht so leicht, den Seenotkreuzer zum Kentern zu bringen. Das findet gerade Niklas heraus. Und kaum treibt das Schiff kieloben, richtet es sich auch schon wieder wie ein „Stehaufmännchen“ auf. Warum - das wird genau erklärt. Foto: Petra Kolbinger

Riedenburg.Zwei Tage lang lag die „Jenny“, gechartert als „MS Wissenschaft“ an der Anlegestelle St. Anna vor Anker und gewährte allen Interessierten bei freiem Eintritt spannende Einblicke in die Meere und Ozeane. Unter den ersten, die die Gelegenheit nutzten, in diese geheimnisvolle Welt einzutauchen, waren zwei Klassen der Montessori-Schule in Essing und die 7a der Johann-Simon-Mayr Realschule mit ihrer Fachlehrerin für Chemie und Biologie, Carola Müller. Müller hatte ihre Schüler mit entsprechenden Unterlagen ausgestattet und schickte die Siebtklässler selbstständig auf eine Rallye durch die Ausstellung im Rumpf des 100 Meter langen Frachters.

Der Spaß am Erkunden war den jungen Leuten genau so anzumerken wie der Lehrerin. In kleinen Gruppen schwärmten sie aus und arbeiteten sich mit ihrem „Logbuch“ durch die Stationen der „Expedition“. Viele interaktive Mitmach-Stationen, an denen die Expeditionsteilnehmer selbst aktiv werden und die Informationen buchstäblich „greifbar“ vor Augen haben, beeindrucken. Und diese Eindrücke werden lange im Gedächtnis bleiben, ist sich Müller sicher. „Überhaupt“, so findet sie, „hätte uns zu Schuljahresbeginn gar nichts besseres passieren können, als dass das Ausstellungsschiff ‚MS Wissenschaft‘ mit dem Themenbereich ‚Meere und Ozeane‘ quasi vor unserer Haustüre liegt. Eine bessere Motivation zum Einstieg in das Fach Biologie gibt es ja gar nicht!“

Mit Feuereifer dabei

Ihre Schützlinge sind derweil mit Feuereifer am Erkunden. „Wie lange braucht eine Wegwerfwindel, bis sie im Ozean verrottet?“ will einer mit Blick auf seinen Fragebogen wissen. Dem Müll im Meer ist ein eigenes Themengebiet gewidmet: Stella zückt den Barcode-Scanner und schaut gleich zwei Mal auf das angezeigte Ergebnis: 450 Jahre ist die Abbaudauer der Einwegwindel im Meer. Das beeindruckt auch Riedenburgs Bürgermeister Siegfried Lösch, der seit der Geburt der jüngsten Tochter Lorena vor eineinhalb Wochen gerade wieder ganz dicht dran ist am Thema „Windel“. Ob die Alternative waschbare und wiederverwendbare Stoffwindel von der Ökobilanz her wirklich besser wäre, grübelt er beim Presserundgang mit den Lotsen Leonie Rückert und Barbara Hof, die auf Wunsch Fragen beantworten und durch die Ausstellung führen.

Jeweils fünf Studentinnen und Studenten verschiedener Fakultäten sind zwei Wochen lang als „Lotsen“ an Bord der MS Wissenschaft. Und drei Mitglieder der Crew. Übrigens: Eine Zeitung hat eine Abbaudauer im Meer von sechs Wochen. Auch das haben die Schüler der staatlichen Realschule heraus gefunden. Wobei die Zeitung da natürlich überhaupt nicht hingehört. Das Thema Ressourcenschonung und Umwelt samt Schutz derselben zieht sich wie ein roter Faden durch die Themenbereiche, die sich dem Küstenbereich widmen, der Tiefsee, dem Eismeer oder den Forschungslaboren, oder auch der hohen See samt dem Meer aus Plastik, dem Fischfang, oder dem „Stehaufmännchen auf See“.

Das hat es Niklas besonders angetan. Es ist gar nicht so leicht, das Modell des Seenotkreuzers zum Kentern zu bringen, das erfährt er am eigenen Leib, als er versucht, das auf dem Wasser treibende Schiff mit einer Kurbelbewegung um 180 Grad zu drehen. Und kaum ist der Kreuzer dann kieloben, dreht er sich sofort, wie besagtes Stehaufmännchen, wieder in die richtige Position. Warum das so ist, erfahren die Ausstellungsbesucher gleich daneben. Das macht Eindruck, nicht nur auf Kinder.

Zehn Jahre als Vorschoter

Auch der Münchner Ruheständler Reiner Zimmermann, der grad in Riedenburg Urlaub macht, und sein Bekannter, Udo Dietrich aus Gundlfing, nutzen den Mittwoch zu einem ausgiebigen Ausstellungsbesuch und sind begeistert. Zimmermann erzählt, dass ihn sowieso alles rund ums Wasser interessiert, weil er zehn Jahre lang als Vorschoter auf einem Segelschiff gefahren sei und noch heute leidenschaftlicher Kapitän – mittlerweile eines kleinen, „kanaltauglichen“ Bootes. Die beiden studieren die Exponate ganz genau. „Eine spannende Sache und wirklich gut gemacht“, lautet ihr Urteil über die Ausstellung.Neben ganzen Schulklassen, nutzen viele Familien die Gelegenheit zu einem Besuch der MS Wissenschaft. Eltern mit Kindern und Großeltern mit Enkeln gehen auf Expedition und haben offenkundig ihren Spaß daran.

Lösungen gesucht

Auch der Schulleiter der Mädchenrealschule St. Anna, Christian Fackler, stattete der „MS Wissenschaft“ am Mittwochnachmittag einen Besuch mit der Familie ab. „Unsere Schülerinnen kommen morgen“, sagt er und verschafft sich schon mal selbst einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Meere und Ozeane. Die Schüler von Carola Müller machten sich derweil im Unterricht an die Nachbereitung ihres „Logbuches“. „Ich habe die richtigen Lösungen“, verriet Müller. Die haben ihre Schüler aber sicher auch heraus gefunden, an Bord der „MS Wissenschaft“. Die „MS Wissenschaft“ tourt 2017 durch 39 Städte in Deutschland und drei in Österreich. Wissenschaft im Dialog hat an Bord des 100 Meter langen Frachtschiffes die Ausstellung „Meere und Ozeane“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung konzipiert.

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