mz_logo

Region Kelheim
Samstag, 25. November 2017 13° 3

Heimat

Für die Flüchtlinge werden Paten gesucht

Sie sollen als erste Ansprechpartner die Anliegen der Asylbewerber koordinieren. Auch die Helfer können viel lernen.
Von Dieter Waeber, MZ

Mehrmals wöchentlich gibt Rosi Ammer (links) Deutschunterricht; rechts Jutta Zempelin mit Shikur Ali Danwerk und Balaneila aus Äthiopien und Boyfriend Hassan. Foto: Waeber

Sinzing.Der Arbeitskreis Asyl ruft die Sinzinger Bürger auf, an einer Informationsveranstaltung am Dienstag um 19.30 Uhr im Jugend- und Kulturhaus am Fährenweg 8 in Sinzing teilzunehmen. Die ersten Flüchtlinge sind im Dezember nach Sinzing gekommen, resümiert Jutta Zempelin das bisherige Geschehen in der Gemeinde. Mittlerweile sind 17 Asylbewerber aus sechs Nationen in der Waldstraße untergebracht, zu deren Unterstützung sich ein privater Arbeitskreis mit zehn Helfern gebildet hat.

Weitere 20 Asylbewerber seien in nächster Zeit in der Bahnhofstraße zu erwarten. Da der Arbeitskreis an seine Grenzen stößt, appellieren die Mitglieder an die Gemeindebürger mitzuhelfen. „Um eine bessere Betreuung leisten zu können, wünschen wir uns ein Patenmodell“, so Zempelin. Ziel sei es, für Asylbewerberfamilien und Einzelpersonen einen Paten zu finden, der als erster Ansprechpartner die Anliegen koordiniert,“ appellieren die Arbeitskreismitarbeiter und Helfer. Für die Asylbewerber sei es wichtig, eine Ansprechperson haben, zu der sie Vertrauen aufbauen können. Die Paten können zudem auf ehrenamtliche Helfer und deren Erfahrungen zurückgreifen.

Welche Schule ist zuständig?

Die ersten Ankömmlinge waren eine junge Frau aus Äthiopien und Familie Syla aus dem Kosovo mit vier Kindern, erzählt Zempelin. „Zunächst galt es Kontakt aufzunehmen und zu erfragen, wo wir helfen können“, resümiert Zempelin die ersten Kontaktversuche. Schnell sei klar geworden, dass neben Kleidung und Schuhen die Unterstützung bei organisatorischen Dingen gefragt war. Eines der Probleme waren die vier schulpflichtigen Kinder. Doch wer weiß überhaupt von den Kindern und wer sagt der Familie, wo die Kinder hin müssen? Die Gemeinde bekommt die Meldung über das Einwohnermeldeamt und darüber erfährt die Schule, dass ein neues Kind zugezogen ist. Und dann? „So mussten wir uns erst einmal mit den Anforderungen des Asylrechts vertraut machen.“ Dennoch sei es gelungen, so Zempelin, die Kinder in wenigen Tagen in den für sie zuständigen Schulen unterzubringen.

Die Beschulung der Erwachsenen gestalte sich weitaus schwieriger. Solange das Asyl nicht anerkannt ist, gebe es keine Integrations- und damit auch keine Sprachkurse. Dazu kommen die Flüchtlinge mit unterschiedlichsten Voraussetzungen, wie nie zur Schule gegangen, nicht Lesen und Schreiben können, eventuell Schule ja, aber arabisch oder vietnamesisch, keine Kenntnis der lateinischen Buchstaben und so fort.

Mit Geduld und Zuwendung

Mit Rosi Ammer hat sich eine pensionierte Grundschullehrerin der Asylanten angenommen, die wunderbar auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eingeht und mit Geduld und Zuwendung den Unterricht erteilt. Unterstützt wird sie mittlerweile von zwei weiteren Frauen, die eine fortgeschrittene Familie beschulen.

Neben Schulen und Deutsch-Unterricht sind es vor allem Behördengänge und Arztbesuche, bei denen Neuankömmlinge Unterstützung brauchen. Teilweise helfen sich die Flüchtlinge untereinander trotz Sprachbarrieren, um den Weg zu Einkaufsmöglichkeiten, zum Landratsamt, zu Ärzten zu finden.

Der Arbeitskreis vermittelt Termine bei Ärzten, bei der Integrationsstelle des Landratsamts oder bei der Ausländerbehörde und hilft Zugverbindungen nach Zirndorf, der zentralen Meldestelle, auszudrucken und beim Arbeitsamt die Möglichkeiten für Arbeit zu erkunden. Dazu kommt, soweit möglich, die Kommunikation mit Verwandten oder Freunden in Deutschland sowie die Vermittlung von Dolmetschern, versuchen im Ort erste Kontakte zu vermitteln und Fahrräder, Kinderwägen und Ähnliches zu organisieren oder zu reparieren.

Einladung zu Familienfeiern

„Als Dank werden wir mit offenen Armen empfangen und fast genötigt, uns auf einen Kaffee oder ein Glas Wasser hinzusetzen, werden zu Hochzeitsfeiern und Geburtstagen eingeladen. Außerdem lernen auch wir immer wieder Neues und Interessantes. Wer weiß schon, welche Sprachen in Äthiopien gesprochen werden, Amhaisch, schon mal gehört?“, meint Zempelin und ruft dringend zur Mitarbeit im Team auf.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht