mz_logo

Region Kelheim
Montag, 20. November 2017 5

Finale

Ganz schön viel „Massl“

Kelheims Kulturtage gehen mit einem „Stück vom Glück“ zu Ende. Anna Funks Projekt bezauberte. Für einen Gast regnete es Rosen
Von Emily Buchner

Einhorn, Kaminkehrer, Schweinchen und Glückskäfer: Als Glückssymbole verkleidet verabschiedet sich die Truppe vom Kelheimer Publikum. Fotos: Buchner

Kelheim.„Massl“ prangt in Leuchtbuchstaben über der Bühne, auf der zwei Luftpolstermöbel und zwei Klappstühle stehen. Daneben ein Klavier, das die Abschluss-Veranstaltung der Kelheimer Kulturtage mit teils sanften, teils lauten Tönen die nächsten zwei Stunden begleitet.

Auf die Bühne des Begegnungszentrums in Kelheim tritt Anna Funk, in der Rolle von Fanny, einer Frau, die über das Glück in ihrer Vergangenheit und Zukunft philosophiert. Dass Charakter und wahres Ich dabei verschmelzen, zeigt sich, als Fanny von ihrer Heimat Kleinwalddorf, einem Ortsteil von Ihrlerstein, erzählt.

Annas sehr persönliches Stück

Während sie von ihrem Heimatdorf erzählt, wird ihr klar, dass sie im Paradies gelebt haben muss. Inspiriert wurde sie dabei von der Autobiografie des deutschen Schriftstellers Carl Zuckmayer „Als wär’s ein Stück von mir“. Anna Funk erzählt nach dem Auftritt: „Das war sehr persönlich“.

Ein weiterer Charakter, der auf die Bühne tritt, ist „Mariandl“. Sie hat ihren Mann verloren und philosophiert dabei unter anderem über das Alleine-Sein. Sie scheint in einer Parallelwelt zu leben und in ihrer eigenen verdrehten Welt ihr Glück gefunden zu haben.

Einhorn, Kaminkehrer, Schweinchen und Glückskäfer: Als Glückssymbole verkleidet verabschiedet sich die Truppe vom Kelheimer Publikum. Fotos: Buchner

Dann betritt Alex Bauer die Bühne. „Alle sagen immer: ‚Überwachungsstaaten sind eine Erfindung vom digitalen Zeitalter‘. Ich sag’: ‚Der hat no net auf’m Land g’wohnt‘“ leitet sie in der Rolle der „Regina“ ihre Einlage ein. Jeder, der auf dem Land lebt, wisse, dass nahezu alles von den Nachbarn beobachtet wird. Gesellschaftskritisch teilt sie uns auch ihre Gedanken zum Thema Kindererziehung mit. Regina erzählt, wie sich Unbekannte in Erziehungsfragen einmischen und am Ende die Frage nicht mehr lautet, wie man seine Kinder erzieht, sondern wer das tut.

Einen Schnaps auf der Bühne

„Glück“ bedeutet also nicht für jeden dasselbe und viele fühlen sich vom Glück verlassen. „Glück hat nicht jeder“ geben auch die Schauspieler zu, aber um bei manchen Gästen das Glück herauszufordern, verteilen sie Lose und binden damit das Publikum in ihre bunt gemixte Show ein.

Drei Preise vergeben die Akteure des Abends, um den Besuchern – mehr oder weniger – ein Stück vom Glück mitzugeben. Vom Schnapstrinken auf der Bühne über einen Kuss unterm Mistelzweig bis zum Hauptpreis: Für eine Besucherin singen die Schauspieler „Für dich soll’s rote Rosen regnen“ und setzen diese Liedzeile mit Rosenblättern in die Tat um.

Das Ensemble zog das Publikum in seinen Bann. Rechts im Bild Anna Funk

Mit Sätzen wie „viele haben das Glück noch nicht gefunden, viele suchen es noch, viele haben es schon gefunden“ bringt die Besetzung trotz viel Humor die Zuschauer auch immer wieder zum Nachdenken.

„Deine Unzufriedenheit nervt!“

So erzählt Fanny davon, dass sie eines Tages von einem Mann die Erfüllung dreier Wünsche geschenkt bekommen hat: „Willst du Geld, einen Mann, schönes Haar? Werde endlich glücklich! Deine Unzufriedenheit geht uns auf die Nerven.“

Nachdem sie zwei Wünsche leichtsinnig vergeben hat, bewahrt sie sich den dritten Wunsch auf, denn: „Wünsche sind nur gut, solange man sie noch vor sich hat“.

Am Ende kommen sogar die typischen Glückssymbole, ein Kaminkehrer, ein Marienkäfer, ein Einhorn und ein Glücksschwein, auf die Bühne.

Musikalisch wird das Stück durch Tom Haslbeck am Klavier und Marie Kitzmüller mit teils sehr impulsiven Gesangseinlagen als Sängerin untermalt.

Die Schauspielerin und Regisseurin Anna Funk ist zufrieden mit der Kelheimer Premiere und erklärt: „Das hier war kein konventionelles Theaterstück, sondern eher experimentell. Das Glück ist ein schönes Thema. Ich habe viele Texte rausgesucht, aber die Schauspieler haben sich auch viel selbst eingebracht.“

„Ein Stück vom Glück“ wird noch einige Male in München im Einstein aufgeführt werden. „Wir würden aber auch gerne noch einmal in Kelheim auftreten, die Zusammenarbeit mit der Stadt und das Publikum waren hier echt super.“

Guter Mix aus Kritik und Humor

Mit einem gekonnt vorgetragenen Mix aus Gesellschaftskritik, Philosophie und Humor schaffte es die bunte Truppe an Schauspielern, das Kelheimer Publikum am letzten Abend der Kulturtage in den Bann zu ziehen und den einen oder anderen Denkanstoß mitzugeben.

Das sagen die Zuschauer über den Abend:

Diana Müller

Diana Müller: „Hier hergekommen bin ich, weil ich Anna persönlich kenne und sie unterstützen will. Ich finde es gut gemacht, wie die Thematik rund ums Glück hinterfragt wird. Das Ganze ist sehr unterhaltsam und kurzweilig.“

Marion Kürzl

Marion Kürzl: „In diesem Stück bekommt man in gewisser Weise den Spiegel vorgehalten. Man merkt mal wieder, dass ein Stück vom Glück so wenig sein kann – dessen muss man sich mehr bewusst sein.“

Inge Plapperer

Inge Plapperer: „Das Stück ist ganz klasse und mal was anderes. Im Programm der Kulturtage bin ich darauf gestoßen und es wirkte sehr vielversprechend. Und ich bin wirklich nicht enttäuscht worden, es ist super gemacht.“

Karin Aschenbrenner

Karin Aschenbrenner: „Meine beste Freundin und Trauzeugin spielt mit und dafür bin ich natürlich aus Ingolstadt hergekommen. Das Theaterstück hat eine super Thematik und man kann einiges für sich rausfiltern.“

Mehr Artikel aus der Kreisstadt Kelheim lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht