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Region Kelheim
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Ortstermin

Gefordert: Der Mobilfunkmast soll weg

150 Gegner tragen sich in Unterschriftenlisten in Kelheim ein. Kritik bei Treffen. Bürgermeister Hartmann sendet den schriftlichen Protest an Telekom.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Beim Ortstermin am Mittwoch sind von Mobilfunkmast-Gegner Michael Köbler (l.) Bürgermeister Horst Hartmann die seit vergangener Woche gesammelten Unterschriften übergeben worden. Foto: Bachmeier-Fausten
  • Heinz Funk (l.) bezieht bei dem Treffen mit dem Bürgermeister Stellung. Foto: Bachmeier-Fausten

Die Gegner des Mobilfunkmastes, der am Mittwoch, 18. Juni, auf dem Dach eines Privatanwesens in der Friedhofstraße in Kelheim montiert wurde, gehen auf die Barrikaden. Am frühen Mittwochabend wurden Bürgermeister Horst Hartmann die Listen mit den circa 150 Unterschriften, die seit vergangener Woche gesammelt worden waren, übergeben. Über 60 Interessenten hatten sich dazu vor dem Gasthof Stockhammer eingefunden, auch die Seniorin, auf deren Haus sich die Anlage befindet, war mit dem Mitarbeiter einer Steuerberatungsunternehmens anwesend. Sie äußerte sich aber nicht.

Viele Bürger kommen

Mit ihren Signaturen unterstützen an die 150 Personen die Protestaktion. Insgesamt sieben Forderungen beinhaltet die Unterschriftenaktion, die von Michael Köbler zusammen mit seiner Frau Silvia Kilger initiiert worden war. Köbler hatte sich auch um das Treffen vor Ort mit Stadtoberhaupt Hartmann bemüht. Dazu waren neben vielen Bürgern auch einige Stadträte gekommen. Bürgermeister Hartmann hatte Geschäftsleiter Georg Sinzenhauser und Stadtbaumeister Andreas Schmid mitgebracht, auch Vize-Bürgermeister Christian Prasch war anwesend.

Stadtoberhaupt Hartmann zitierte die Schlagzeile der MZ „Mobilfunkmast sorgt für Unmut“ (Ausgabe vom 21. Juni) und sagte, das fast unterschreiben zu können. Seit dem Anruf am Mittwoch wegen der Mast-Aufstellung sei man in der Sache unterwegs. Er nannte dann einige Daten aus der Vergangenheit. Im März 2012 habe Telekom mitgeteilt, dass der Standort Emil-Ott-Straße gekündigt worden sei. Im April 2012 habe die Stadt Telekom mitgeteilt, dass sie sich an der Standortsuche beteiligen wolle. Im März 2013 habe das Unternehmen informiert, in welchem Bereich die Standortsuche sei. Es habe sich Richtung Norden verschoben. Auf dem Telekomgebäude sei mittlerweile ein Mast installiert. Im April 2013 seien von der Stadt drei Standorte, zwei auf Privatgebäuden und der Schlauchturm beim städtischen Feuerwehrhaus genannt worden. Alle Mobilfunkmasten bis zu einer Höhe von zehn Metern „sind genehmigungsfrei“. Der Bürgermeister wies auch auf das Bundes- beziehungsweise Landesrecht hin. Wie Hartmann berichtete, habe der Zuständige der Unteren Denkmalschutzbehörde gesagt, dass die Anlage hinsichtlich des Denkmalschutzes „ohne Belang ist“.

Eine bei dem Treffen anwesende Frau war der Ansicht, dass die Kommune eine Regelung treffen könne und nannte die Marktgemeinde Langquaid. Wie der Bürgermeister sagte, seien ihm keine rechtlichen Möglichkeiten bekannt, Standorte zu verhindern. Die Stadt werde bei der Standortsuche eingebunden. Wenn sie von Verhandlungen erfahren sollte, dürfte sie es nicht sagen. Ein anwesender Mann kritisierte, dass der Mobilfunkmast auf dem Anwesen in der Friedhofstraße während der Pfingstferien, eine Zeit, in der die meisten Familien weg seien, montiert worden sei.

Wie der Mitarbeiter des Steuerberatungsunternehmens, Wilhelm Rohn, sagte, sei von Hauseigentümerin Alwine Perzl im September 2013 der Vertrag unterzeichnet und von der DFMG Deutsche Funkturm GmbH im Oktober 2013 gegengezeichnet worden. Heinz Funk brachte beim Ortstermin vor, dass alle Versammelten vermissten, dass die Stadt nicht rechtzeitig informiert habe. Er fragte, ob eine Standortbescheinigung vorliege und diese der Bürgerinitiative übergeben werden könne? Er wies auch darauf hin, dass es sich bei der Gegend nördlich des Main-Donau-Kanals nun um ein „verdichtetes Wohngebiet“ handle. Die Grundstückseigentümer hätten einen erheblichen Verlust durch die Anlage. Die Stadt habe eine Verpflichtung, ob das „da reinpasst“. „Es sagt ein jeder, wie kann man das machen.“ Funk erntete Beifall.

In der Runde wurde auch erwähnt, dass dem neuen Bürgermeister kein Vorwurf gemacht werden könnte. An die Stadt erging die Bitte, „einen Weg zu finden, das Ding wieder wegzubringen“.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass den gekündigten Mobilfunkmast in der Emil-Ott-Straße neben Telekom noch zwei andere Mobilfunkanbieter nutzten. Er gehe davon aus, dass auch diese auf der Suche seien. Der Stadt liege diesbezüglich aber nichts vor. Mit dem Zuständigen bei Telekom sei Kontakt aufgenommen, ob es eine Möglichkeit gebe die neue Anlage im Stadtnorden zu verändern. Hartmann möchte aus der Runde Vorgebrachtes abklären.

Der Geschäftsführer der Europäischen Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene, Josef Spritzendorfer, sagte: „Die Stadt hat offensichtlich etwas versäumt.“ Er sprach die gesundheitliche Gefährdung an. Die zulässigen Werte in der Schweiz seien jetzt schon wesentlich strenger als in Deutschland. Ein Kelheimer sprach von „einem Verlust der Lebensqualität“. Ein Bürger sagte: „Ich fühle mich bedroht durch das Ding.“

Stadträtin Christiane Lettow-Berger bezeichnete es als Problematik, dass „unsere Grenzwerte so gesetzt sind, dass sie relativ gut eingehalten werden“.

Bürgerfreundliche Lösung verlangt

Dass der Mobilfunkmast auch für den Tourismus sehr ungünstig sei, sagte Michael Köbler. Martin Petermichl gestaltete eine Postkarte, mit der er „wachrütteln“ möchte. Bürgermeister Hartmann verlas das Anschreiben, das die Stadt mit den Unterschriftenlisten an Telekom schickt. Darin steht unter anderem, dass die Aufstellung des Mastes für großen Unmut sorge und eine bürgerfreundliche Lösung gefunden werden soll. Köbler verlangte noch ein „Yes we can“ von der Stadt Kelheim. Vize-Bürgermeister Prasch sagte, dass es „ihm auch stinkt“. „Es muss eine Lösung her, so Prasch.

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