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Region Kelheim
Dienstag, 21. November 2017 7

Kirche

Gemeinde feiert ihren Stifter

Vor 600 Jahren legte Roger Haimel den Grundstein für eine Stiftung in Marching. Am Samstag wird daran erinnert.
Von Jochen Dannenberg

  • Die Kirche in Marching steht auf einem Hügel. Einst gab es hier auch eine Burg. Beides dürfte vor 600 Jahre Teil einer Anlage gewesen sein. Damals wurde auch das Benefizium Marching gegründet, das für die Verbindung von weltlicher und geistlicher Macht steht. Foto: Jochen Dannevberg, Archiv
  • Einst gab es in Marching auch eine Burg, daran erinnert heute nur noch der Rest des Burgturms. Foto: Jochen Dannenberg
  • Grabstein von Roger Haimel an der Außenseite der Kirche Foto: Edi Albrecht
  • In der Marchinger Pfarrkirche: Am Samstag wird hier mit einem Gottesdienst an den Gründer der Stiftung erinnert. Foto: Jochen Dannenberg

Marching. Die großen Zeiten Marchings sind längst vorbei. Einst gab es hier eine Burg, auf der Burgherren an strategisch günstiger Stelle über der Donau residierten und Wegezoll kassierten. Noch früher lebte der Ort von und mit den römischen Legionären, die auf der anderen Seite des Flusses ihr Lager hatten. Die Römer sind längst abgezogen und von der Burgherrenherrlichkeit kündet nur mehr der Stumpf des Burgturms. Immerhin: Eine kleine Steintafel kündet von einer anderen wichtigen Einrichtung des Dorfes, dem Benefizium Marching. An diesem Samstag wird sein 600-jähriges Bestehen gefeiert.

„Das Benefizium ist was ganz Besonderes“, sagt Josef Burghard, Marchings Kirchenpfleger. „Es handelt sich um eine Stiftung, also eine juristische Person. Die Erträge, die es abwirft, haben früher dem Kaplan von Marching gehört.“ Dr. Peter Stier, Priester aus Marching, erläutert: „Die Güter, welche mit dem geistlichen Amt verbunden sind, sollten einen vermögensrechtlichen Unterbau des Amtes bilden und dessen Fortbestand sichern, und darüber hinaus dem Amtsinhaber finanziell-wirtschaftlich absichern, so dass er seinen geistlichen Aufgaben frei von Sorgen um den Lebensunterhalt nachgehen kann.“

Unterhalt aus der Stiftung

Das bedeutet: Seit 600 Jahren – mindestens – gibt es für das kleine Dorf an der Donau einen eigenen Geistlichen. Sein Lebensunterhalt wurde einst über die Stiftung gesichert. Zur Stiftung, erläutert der Kirchenpfleger, gehören auch heute 16 Hektar Grund. Der ist verpachtet, die Erträge fließen an das Benefizium.

Edi Albrecht, Heimatpfleger der Stadt Neustadt, beschreibt die Verbindung zwischen Kirche und Ort: „Ich sehe einen Zusammenhang zwischen der Burg, dem Benefizium und der Kirche. Die ersten Stifter des Benefiziums scheinen die Wimmer gewesen zu sein. Auch die Grafen von Abensberg waren Stifter des Benefiziums, Hauptstifter war jedoch Roger Haimel.

Tafel in der Kirche

An das Benefizium erinnert heute nicht viel. An der südlichen Innenwand der Filialkirche „Unserer lieben Frau“ befindet sich eine Kalksteinplatte mit der Inschrift „Ano dni m cccc xvii domin roger dic haimel capplla hui loci struxit h altare i honore sti ypoliti mr et dotavit suis ppriis et qlib cappellan tent i ppetuu oim quit feria celebrare i eo et quociens neglerit devet dare duos raponen vice ecclie“. Dr. Peter Stier hat den Text übersetzt: „Im Jahre des Herrn 1417 hat der Herr Roger genannt Haimel, Kaplan an diesem Ort, diesen Altar zu Ehren des heiligen Märtyrers Hypolit errichtet und hat aus eigenen Gütern gestiftet und (irgend)ein Kaplan ist verpflichtet auf ewig jeden Donnerstag auf ihm zu zelebrieren. Sooft er es vernachlässigt, muss er 2 Raponen (Regensburger Pfennig) für die Kirche geben.“

Für den Zusammenhang zwischen Kirche, Burg und Benefizium, auf den Heimatpfleger Edi Albrecht, hinweist, gibt es noch weitere Belege. Da ist nicht nur die Nähe der einstigen Burg und der heutigen Kirche und die Tafel, die auf das Benefizium hinweist, in der Kirche.

Es gibt auch einige sehr alte Grabsteine an der Marchinger Kirche. Sie dokumentieren, dass hier einst Marchinger Burgherren beigesetzt wurden. „Vermutlich“, so Edi Albrecht, „war die Sakristei der Kirche früher die Grablege der Burgherren.“ Möglicherweise war die Kirche einstmals auch wesentlich kleiner und Teil der Burganlage. „Eine Burgkapelle könnte es gewesen sein“, vermutet der Heimatpfleger. Dafür spräche auch das Alter von Holzbalken der Kirche. Sie stammen aus der Zeit, als die Burg noch stand.

Roger Haimel als Hauptstifter

An das 600-jährige Bestehen des Benefiziums soll an diesem Samstag erinnert werden. Dabei ist nicht viel über die Geschichte der Stiftung bekannt. Schon der Zeitpunkt der Gründung ist nicht ganz klar. „Leider ist über das Benefizium Marching kein Stiftungsbrief im Original oder in Abschrift vorhanden“, sagt Edi Albrecht. Die Wimmer, besagt eine Quelle, sollen im Jahre 1364 eine Frühmesse gestiftet haben. Im Matrikel Regensburg werden die Grafen von Abensberg als Stifter genannt.

Die Tafel an der südlichen Kirchenmauer nennt den Kaplan Roger Haimel als Stifter. „Diese Stiftung erfolgte im Jahre 1417 und bezieht sich offenbar auf den Seitenaltar mit dem Bild des St. Hyppolit und wird vom Bischof am 26. Mai desselben Jahres bestätigt“, erläutert Edi Albrecht. „Roger Haimel scheint also der Hauptstifter und auch der erste Benefiziat unseres Benefiziums zu sein.“ Mit der Stiftung verband sich für den Stifter das Recht, die Besetzung des Benefiziums zu bestimmen.

An Verpflichtungen hatte der jeweilige Benefiziat laut Matrikel Regensburg von 1860 zu leisten: an Sonn- und Feiertagen Frühmesse, wöchentlich eine Messe profund sowie „1 gest. Jahr- und 12 Quartmessen“ und Aushilfe in kirchlichen Verrichtungen und Seelsorge.

Ursprünglich Naturalien

Ursprünglich bestand das Einkommen des Benefiziaten hauptsächlich aus Naturalien (Gerste, Hafer, Korn u. Weizen) bestand, später vor allem in Geld. Um 1916 war das Einkommen auf 735,11 Mark festgelegt, die Lasten betrugen 127,45 Mark. „Als Wittum, also dem unbeweglichen Vermögen des Benefiziums gehörten 2,767 Hektar Acker, 3,162 Hektar Wiesen, 3,357 Hektar Wald, 0,051 Hektar Garten sowie 1,087 Hektar Acker aus der Kirchenstiftung zur Nutzung überlassen dazu“, erläutert der Neustädter Heimatpfleger.

Das Anwesen, in dem der Benefiziat lebte, besteht nicht mehr. Der erste Hinweis auf eine Behausung findet sich 1559. 1590_ wird berichtet, dass sich das Haus in einem „ruinösen Zustand“ befinde. Auf ein gemauertes Haus, einen derzeitig baufälligen Stadel und ein „viertel Tagwerk weites Gartl“ weist ein Eintrag im Salbuch Pförring 1622/1712_ hin. In einer Beschreibung von 1661 heißt es, dass der Benefiziat eine eigene Behausung hat und der Stadel im Krieg ganz verkommen und zugrunde gegangen ist. Schließlich wurde 1839 das Benefiziatenhaus, so wie es viele Marchinger noch kennen, gebaut, 1912 renoviert und 1953 gründlich restauriert.

„Nach dem Tod des letzten Benefiziaten Josef Fischer wurde das schöne geräumige Haus vermietet, der Garten an die Familie Jakob Paulus verkauft. Der stattliche Bau verfiel zusehends, so dass im Frühjahr 1987 der Abbruch erfolgte.“

Weitere Berichte aus Neustadt finden Sie hier.

Feier des Benefiziums

  • Seit 600 Jahren

    besteht das Benefizium Marching bereits. Das soll an diesem Samstag, 21. Oktober, gefeiert werden. Das Programm, sagt Kirchenpfleger Josef Burghard, beginnt um 17 Uhr mit einer festlichen Eucharistiefeier in der Marchinger Filialkirche Maria Himmelfahrt. Anschließend folgt ein Festzug von der Kirche den Berg hinab zum Gasthaus Paulus, nebenan befand sich das letzte Beneziatenhaus.

  • Im Gasthaus

    wird Stadtheimatpfleger Edi Albrecht einen Vortrag zum 600-jährigen Bestehen des Benefiziums Marching halten. Danach ist ein gemütliches Beisammensein vorgesehen. Wichtig ist Kirchenpfleger Josef Burghard, dass es sich bei der Feier des Jubiläums vor allem um die Erinnerung an die Gründung der Stiftung und den Stifter handelt. „Im Kern der Feier steht der Gottesdienst“, betont Josef Burghard deshalb.

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