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Donnerstag, 29. September 2016 24° 2

„Hartz IV greift um sich und erwischt jetzt auch Tiere“

Angelika Mutic teilt sich ihre Wohnung mit zwei Hunden und etlichen Katzen. Waldo (l.), ein Fundhund, sucht ein neues Herrchen.Foto: Koller

Weil immer mehr herrenlose Katzen und Hunde aufgefunden werden, ist das Geld der Tierhilfe Kelheim, Abensberg und Umgebung e.V. Ende Oktober knapp geworden. Von Januar 2007 bis zum Herbst hatte der Verein rund 110000 Euro für tierärztliche Behandlungen und 50000 Euro für Futter ausgegeben (MZ berichtete). „Uns sind die Kosten davongelaufen“, erzählt Monika Pledl. Sie bat die MZ um Mithilfe.

Immerhin 8000 Euro haben die Landkreisbürger gegeben. Privatleute und Firmen zeigten sich spendabel. Diese Summe verschafft dem Verein eine Verschnaufpause. Sie wird für Futter und Tierarzthonorare verwendet.

Denn heuer sind so viele Vierbeiner wie noch nie ausgesetzt worden: Allein an die 300 Hunde. „Unsere Zwinger sind voll“, sagt Monika Pledl. Um 20 Hunde und 250 Katzen kümmert sich der Verein zur Zeit. Das Katzenhaus in Abensberg platzt aus allen Nähten. In ihren Privatwohnungen betreuen die aktiven Mitglieder zum Teil zehn bis 20 Pflegekatzen .

Warum ist die Zahl der Fundtiere heuer drastisch angestiegen? Pledl vermutet, viele Leute hätten kein Geld mehr für ihre Vierbeiner. „Hartz IV greift um sich und erwischt jetzt auch die Tiere.“ Scheidung sei ein häufiger Grund, warum Hunde und Katzen ausgesetzt werden. 30 Fundhunde sind der Tierhilfe 2007 gebracht worden oder aufgefallen. Ihre früheren Besitzer hatten sie einfach an Bäume oder Straßenlaternen angebunden oder in einer Schachtel im Wald stehen lassen. An einem Tag sind etwa Spaziergänger in Saal und Neustadt auf zwei Kartons mit Pekinesen-Mischlingen gestoßen.

„Und wir haben dieses Jahr bestenfalls fünf bis sechs neue Besitzer für die Hunde ermittelt“, berichtet Pledl. „Früher haben wir zu 80 Prozent neue Herrchen gefunden, heute zu 20 Prozent.“

Noch schlimmer ist die Situation bei den Katzen: Vier Mal sind 2007 Würfe im Forst ausgesetzt worden. Monika Pledl geht von einer hohen Dunkelziffer aus. „Die sind halt zufällig gefunden worden.“ Auch Pledl selbst pflegt gegenwärtig drei kranke Miezen. Sie beobachtet, dass die Halter häufig die Ausgaben für die Kastration scheuen und lieber einen Wurf aussetzen. Bei Katzen koste die unbedingt nötige Kastration immerhin 85 Euro, bei Hunden bis zu 250 Euro.

Angelika Mutic, Aktive der Tierhilfe, hat noch nie so viele Hunde wie heuer in ihrer Wohnung in der Riedenburger Straße aufgenommen. „Ich kann das nicht verstehen, es wird ja keiner gezwungen, ein Tier zu nehmen.“ Wenn man sich dafür entscheide, müsse man eben zehn bis 15 Jahre die Verantwortung tragen.

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