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Seelsorge

„Heiler“ bekommt digitale Verstärkung

Die Kurkirche in Bad Gögging hat endlich eine eigene Orgel, doch deren Finanzierung ist noch nicht abgeschlossen
Von Roswitha Priller

Organistin Ursula Moser ist ganz begeistert von der neuen digitalisierten Sakral-Orgel der evangelischen Kurkirche Bad Gögging. Foto: Priller

Neustadt.Die evangelische Kurkirche hat eine neue Orgel. Die Freude ist darüber bei den evangelischen Christen groß. „Zuvor hatten wir vom Dekanat in Regensburg nämlich ein sogenanntes Orgelpositiv als Leihgabe“, erklärt Kurseelsorger Pfarrer Dr. Michael Murrmann-Kahl. 8500 Euro kostet das neue Instrument. Die Hälfte des Betrags wird vom Dekanat Regensburg finanziert, zehn Prozent übernimmt die Stadt Neustadt. Der Rest muss von der Gemeinde über Spenden erwirtschaftet werden. Vor wenigen Tagen erklang die Orgel erstmals zum Gottesdienst.

Die evangelische Kurkirche „Heilig-Geist-Kirche“ gibt es seit 18 Jahren. Sie ist Teil der Kurseelsorge in Bad Gögging. Urlauber und Patienten finden hier Ruhe, Trost und Ermutigung. Neben Gottesdiensten gibt es in der evangelischen Kurkirche immer wieder auch Konzerte und Ausstellungen künstlerischer Arbeiten. Foto: Dannenberg

Die Kurkirche wurde 1999 in Bad Gögging gebaut. Sie untersteht verwaltungstechnisch direkt dem evangelischen Donau-Dekanat in Regensburg. Jetzt freut sich die Gemeinde über eine wohlklingende digitalisierte Sakral-Orgel. „Unsere evangelische Kurkirche ist nicht so groß und hat durch ihre Raumgestaltung eine sehr gute Akustik“, erläutert Dr. Murrmann-Kahl weiter.

Deutliche Preisunterschiede

Aus diesem Grund nahm man Abstand von einer mehr als das Zehnfache kostenden Kirchenorgel mit Pfeifen. Ein Laie wird im Kirchenraum den Unterschied zwischen beiden Orgeltypen kaum feststellen können. „Bei der Sakral-Orgel, für die wir uns jetzt entschieden haben, wird der Klang einer echten Pfeifenorgel aufgenommen, digitalisiert und eingespeichert“, erklärt Organistin Ursula Moser. Das kommt dem Klang einer echten Pfeifenorgel zum Verwechseln ähnlich. „Die bisherige Situation war für unsere Organisten ein großer zusätzlicher Aufwand“, so Dr. Murrmann-Kahl.

Das Orgelpositiv bietet nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten. Es verfügt zum Beispiel nicht über die vielen Pedale einer richtigen Orgel. Für die Kurkirche in Bad Gögging brauchten die Organisten deswegen bisher immer ein eigenes Programm, was auch auf dem Orgelpositiv spielbar war.

Jetzt können sie beim Sonntagsdienst sowohl in der Christuskirche in Neustadt als auch in der Kurkirche die gleichen Stücke spielen. „Diesen Zustand wollten wir erreichen.“, so der Kurseelsorger. Eine Orgel gehöre einfach zu der notwendigen Kirchenausstattung dazu.

Deswegen war auch die evangelische Gesamtkirchenverwaltung in Regensburg schnell von dem Bedarf überzeugt. „Sie haben sich vor Ort ein Bild gemacht und unseren Wunsch als naheliegend empfunden.“ Ungefähr 10 000 Euro sollte die Orgel insgesamt kosten dürfen.

Ein Schwerpunkt in der „Heilig-Geist-Kirche“ ist die Kunst. Sie zeigt sich unter anderem im Gründler-Kreuz im Altarraum. Dr. Michael Murrmann-Kahl mag es gerne – auch weil es nicht das klassische Kreuz mit dem leidenden Christus ist. Die Regensburger Künstlerin Evita Gründler hat es als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Foto: Dannenberg

Der Vorteil des digitalisierten Instruments ist natürlich auch, dass es quasi keinen Wartungsbedarf hat. „Eine Pfeifenorgel muss regelmäßig gestimmt werden“, erklärt Moser. Die engagierte Organistin machte sich auf die Suche nach einer geeigneten Orgel. „Ich habe schon längere Zeit einen guten Kontakt zum ,Orgelhaus im Stiftland‘ in Leonberg im Landkreis Tirschenreuth. Da wir keinen Zeitdruck hatten, habe ich immer wieder vorbeigeschaut, ob ein passendes Instrument für uns da ist“, so Moser. Ein Gebrauchtmarkt sei in dem Bereich quasi nicht vorhanden.

Absperrbar und höhenverstellbar

Zwei Extrawünsche der Organistin sollten erfüllt werden. „Ich wollte gerne eine höhenverstellbare Sitzbank haben. Für meine beiden Orgelschülerinnen, und auch wir Organisten sind unterschiedlich groß.“ So ist es für alle komfortabler. Und da die Kurkirche Tag und Nacht geöffnet ist, war es ihr wichtig, dass das Instrument einen absperrbaren Rolldeckel hat. Für 8500 Euro fand sie schließlich eine geeignete Orgel. „Wir haben ein Ausstellungsstück bekommen. Deswegen waren letztendlich die Kosten nicht ganz so hoch.“ Jetzt gilt es nur noch die Spendensumme zusammenzubekommen. Hier hofft die Gemeinde auf spendierfreudige Geber. Und auch neue Orgelschüler sind bei Ursula Moser stets willkommen.

Seit 18 Jahren

Die evangelische Kurkirche gibt es seit 18 Jahren, heißt eigentlich „Heilig-Geist-Kirche“, was aber kaum jemand weiß. Der Name ist im Alltag ungebräuchlich. „Dieser Name unserer kleinen evangelischen Kurkirche passt nach Bad Gögging, wo Urlauber und Patienten Ruhe, Trost und Ermutigung suchen“, sagt Dr. Michael Murrmann-Kahl. Als „Tröster“ sei der Heilige Geist von Martin Luther übersetzt worden, erinnert er.

Ein kleines, unscheinbares Buch in der Kirche liefert Zeugnis von den Tröstungen. Zugleich ist das Buch der Schlüssel zur Antwort auf die Frage, warum es denn eine Kurkirche braucht. „Wenn man das Buch durchsieht, kann man viele Beispiele finden, dass Besucher diesem heilenden Geist, von dem Luther spricht, begegnet sind“, sagt der evangelische Pfarrer.

Bitten und Danksagungen

Danksagungen, Bitten um Hilfe, Glaubenszeugnisse und Schilderungen tragischer Ereignisse finden sich in dem Buch. Oft stammen die Aufzeichnungen von Menschen, die nicht aus der Region stammen, sondern Bad Gögging als Kurort kennengelernt haben. Sie sind die Klientel der Kurseelsorge. Menschen, die ihren gewöhnlichen Alltag verlassen haben, um sich in Bad Gögging von einer Operation oder einem Leiden zu erholen und mit einem Mal die Zeit haben, über ihr Leben nachzudenken.

Wer etwas zu der Orgel beitragen möchte, kann auf das Konto der Evangelischen Kurseelsorge Bad Gögging IBAN DE 46 75069015 0000 022888 unter dem Stichwort „Orgel“ spenden.

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