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Region Kelheim
Samstag, 18. November 2017 5

Freizeit

Hier wird mit viel Spaß gestrampelt

Die Radtouren des Bürgervereins Langquaid bringen die Teilnehmer in ganz Bayern herum. Es geht um Fitness, Spaß und Kultur.
Von Edith Vetter

Nach einer deftigen Brotzeit durfte natürlich das obligatorische Gruppenfoto an der Fähre in Eining nicht fehlen. Foto: Vetter

Langquaid.Nieselregen, Wind und kühle Temperaturen – das ist schlechthin Gummistiefelwetter! Kein Wetter zum Radfahren für den Otto-Normal-Verbraucher. Aber nicht für die Seniorenradler des Bürgervereins Langquaid. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

Das Wetter hinderte die kleine Gruppe von zehn Radfahrern am Donnerstag Mittag nicht im mindesten, ihre geplante Radtour nach Eining zum Biergarten „An der Fähre“ anzutreten. Helm auf und Regenjacke zu, und dann traten die Senioren auf ihren Drahteseln in der Rottenburger Straße in die Pedale. Der Magnus und der Michl machten das Schlusslicht und Emmeram Huf, der sich selbst scherzhaft als „Diktokrat“ bezeichnete, führte die Truppe an. „Heute sind wir nur ein kleines Grüppchen – eben der harte Kern“, sagte er lächelnd. „Bei stärkerem Regen stellt man sich halt unter und wartet, bis es besser wird.“

Vorfreude auf ein kühles Bier

Ihre Halbtagestour führte sie an diesem Tag ab Langquaid über Adlhausen, Sallingberg, Offenstetten, Abensberg über Bad Gögging nach Eining. Die Strecke schafften sie in sportlichen eineinhalb Stunden. Die Vorfreude auf ein kühles Bier und eine Brotzeit für die Herren und Kaffee und Kuchen für die Damen beflügelte die Radler enorm. „Der Spaßfaktor darf natürlich bei unseren Radtouren nicht zu kurz kommen“, betonte Hans Bauer. „Heute sind es nur insgesamt 60 Kilometer, die wir absolvieren werden“, erklärte Huf. Sonst hat die Seniorengruppe im Alter von 60 bis 79 Jahren eine Gruppenstärke von 30 bis 40 Personen. Das erfordert schon einiges an logistischer Schwerstarbeit. Denn Radeln in der Gruppe, scherzhaft vom Journalisten Dieter Hurcks in seinem Buch „Wo ist Kurt?“ auch Rudel-Radeln genannt, gehört wie viele andere Tätigkeiten, an denen mehr als ein Mensch beteiligt ist, zu den besonders verzwickten Beziehungskisten.

Denn Menschen sind nun einmal Individualisten und, einem gefühlt oft unangenehmen Gruppenzwang unterworfen, zur Disziplin in den seltensten Fällen fähig. Seine jahrelangen Radtour-Erfahrungen haben den „Spiritus rector“ alias Emmeram Huf in diesen Dingen abgeklärt. Es gebe Regeln, an die sich die Teilnehmer eben halten müssten. Außer einem platten Reifen habe es all die Jahre hindurch keine nennenswerten Probleme gegeben. Auch wenn mal der eine oder andere an Zerstreutheit gelitten und das Naheliegende in seiner Westentasche stundenlang gesucht habe, seien die Rad-Ausflüge immer ein Gewinn gewesen. Denn Fahrrad fahren halte fit und schone dazu noch die Umwelt. Kaum eine andere Sportart sei dermaßen ideal für das Alter geeignet wie Radfahren.

Neben der körperlichen Ertüchtigung seien auch kognitive Aufgaben zu bewältigen. Somit steigere man nicht nur die Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit, sondern bleibe auch geistig fit, finden die Senioren. Die Radtouren, die in alle vier Himmelsrichtungen laufen, werden vom Initiator Huf anhand des Bayernatlas mit Höhenprofil erstellt. Um sich besser auf die unterschiedliche Kondition und das Alter der Teilnehmer einstellen zu können, sei der Atlas unentbehrlich. Denn mit der heimischen Radwanderkarte habe er schon fatale Situationen erlebt.

Ein wenig mit Kultur garnieren

Der idyllische und schön eingezeichnete Radweg habe sich dann als unpassierbare Schotterpiste entpuppt. Das Geheimrezept der beliebten Radtouren des Bürgervereins sei ganz einfach, informierte Huf. Man suche schöne Radwege mit interessanten Pausenstopps und garniere dazu noch ein wenig mit Kultur. Bei den Wanderungen, die der Bürgerverein in den Wintermonaten anbiete, komme dann noch Wissenswertes über die Flora und Fauna hinzu. Für den Natur- und Bergfreund Huf ist das ein Kinderspiel.

Nachdem sich die dunklen Wolken verzogen hatten, sattelten die Senioren wieder ihre Stahlrösser. Schnell noch für das obligatorische Gruppenfoto an der Fähre posiert, und dann machte man sich freudestrahlend an die Heimfahrt, entlang von Hopfengärten und Obststreuwiesen.

Natürlich gab es in Buchhofen noch einen kulturellen Zwischenstopp an der Marienkapelle. Das Kleinod kuschelt sich so eng an den Feldrain, dass die Reporterin mit dem Auto vorbeigefahren ist. „Tja, die sieht man nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß“, wusste der Tourenleiter. Die Marienkapelle wurde vor rund 200 Jahren von der Dorfgemeinde Buchhofen gebaut als Pest- oder Viehseuchenkapelle, erzählte der Kirchenpfleger Andreas Zirngibl. Es gebe leider nur mündliche Überlieferungen. Ein Bittgang zur Kapelle findet jährlich am 2. Juli statt. Nach einer kleinen Pause unter der mächtigen Birke ging es stante pedes weiter Richtung Heimat. Natürlich wurden auf der Rückfahrt schon wieder Pläne für die nächste Radltour geschmiedet, welche Einkehrmöglichkeiten oder Sehenswürdigkeiten noch nicht erradelt wurden.

Mitgliedschaft ist keine Pflicht

Neuzugänge sind bei den Seniorenradlern jederzeit willkommen. Man brauche auch nicht dem Bürgerverein beizutreten und müsse auch kein Spitzensportler sein, betonte Huf. Mitfahren könnten Freizeitradler genauso wie E-Biker. Die Touren sind für Senioren mit guten Fahrradkenntnissen ausgesucht. Wichtig ist dabei der Spaß und das gesellige Beisammensein. Bei Rückfragen steht der Tourenleiter Emmeram Huf jederzeit zur Verfügung unter Telefon (09452) 1571.

„Heute sind wir nur ein kleines Grüppchen – eben der harte Kern“

Emeram Huf, Organisator

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