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Wirtschaft

Innovation ist ihr tägliches Brot

Die Neustädter Firma IntertecHess gewinnt den Preis bayerischer Familienunternehmer. Dr. Joachim Hess erzählt von den Anfängen in einer Garage.
Von Benjamin Neumaier, MZ

Das Intertec-Firmengelände in Neustadt. Die Fertigungshalle (großes graues Dach) wird gerade um das Doppelte erweitert. Foto: Intertec

Neustadt. Am 17. Mai tagten die bayerischen Familienunternehmer auf ihrem jährlichen Kongress in Regensburg. Mit dabei waren Spitzenpolitiker wie etwa Alexander Dobrindt (Generalsekretär der CSU), Patrick Döring (Generalsekretär der FDP) oder Hubert Aiwanger (Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler) – aber auch Dr. Joachim Hess und dessen Sohn Martin. Die beiden Unternehmer waren aus zweierlei Gründen beim Kongress. Zum einen, um ihr Neustädter Unternehmen IntertecHess zu repräsentieren und zum anderen, weil sie zu den Hauptdarstellern den Abends gehörten.

Bester unter 200 Nominierten

Den Höhepunkt des Abends bildete schließlich die Verleihung des Preises „Bayerischer Familienunternehmer 2013“ – und IntertecHess lag in der Kategorie Innovation ganz vorne – unter 200 Nominierten. „Es ist eine Ehre für uns. Der Preis ist eine Würdigung unserer Kreativität, aber auch die Leistung unserer Mitarbeiter“, sagte Dr. Joachim Hess.

Den Innovationspreis erhielt die Firma nicht für ein spezielles Projekt, sondern für ihre kreativen Ideen über mehrere Jahre. „IntertecHess löst Probleme – Innovation ist unser tägliches Brot“, fasst es Hess sen. kurz zusammen. „Ich bin stolz auf meinen Sohn Martin, der mindestens so kreativ ist wie ich.“

Die in Neustadt ansässige, aber in Belgien, USA, Indien, Kanada, Russland, Kasachstan oder Malaysia arbeitende Firma stellt, vereinfacht gesagt, Schutzgehäuse für Messinstrumente her – die extremen Bedingungen ausgesetzt sind. So ist eine der neuesten Kreationen eine autonom arbeitende Kühlstation für Messgeräte, die den extremen Temperaturen in der Wüste ausgesetzt sind.

Die Idee hatte Dr. Joachim Hess, der die Geschäftsleitung mittlerweile an seinen Sohn Martin übergeben hat, im Jahr 1965. Er war Raffineriedirektor in Ingolstadt und bastelte nebenbei in der Garage seines Wohnhauses am ersten Schutz-Kunststoffkasten. „Zwei Jahre dauerte es, bis ich damit Geld verdiente“, sagt er heute, „der Plan war, mit dem Unternehmen meine Familie zu ernähren. Dass daraus ein Global Player wird, hatte ich nie gedacht.“

Mehr als eine Million Kunststoffschutzbehälter hat Intertec seit 1965 gefertigt – klingt nach Massenware. Vielmehr ist es jedoch das Firmencredo, maßgeschneiderte Lösungen für seine Kunden anzubieten. Die ersten Großkunden hat Hess sen. noch persönlich geworben, fuhr dazu unter anderem auch nach Kanada: „Ich hatte keine Ahnung, wem ich dort etwas verkaufen sollte, aber ich wusste, dass ich etwas Gutes im Gepäck habe“, erinnert er sich. „Nur überzeugte und zufriedene Kunden, sind gute Kunden.“

Zum Weltmarktführer aufgestiegen

Mittlerweile ist Intertec auf seinem Segment zum Weltmarktführer aufgestiegen. Großkunden kommen oftmals, wie auch in den Anfangszeiten des Unternehmens, aus der Ölindustrie. So stattet Intertec gerade das größte Ölbohrschiff der Welt aus, das vor der Küste von Westaustralien in 2000 Meter Tiefe nach dem schwarzen Gold sucht. Auch im Mittleren Osten werden die Messgeräte der Ölpipelines mit Kunststoffgehäusen aus dem Neustädter Betrieb geschützt.

Aus dem einen Mann, der alleine in der Garage werkelte wurden mittlerweile – über den Globus verstreut – 250 Mitarbeiter. „Aber ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass wir immer noch ein Familienunternehmen sind – auch was den Umgang mit unseren Mitarbeitern betrifft.“ Oftmals seien Vater, Mutter und Kinder bei Intertec beschäftigt „und das teilweise seit mehr als 40 Jahren“, sagt Hess sen. „Viele stammen aus unserem direkten Umfeld und neue Mitarbeiter werden schnell in unsere große Familie aufgenommen“.

Dass die Familie Hess ein Herz für ihre Mitarbeiter hat, beweisen die Firmenausflüge – alle fünf Jahre geht es mit der gesamten Belegschaft inklusive Ehepartnern zu exklusiven Zielen. So führten die „Betriebsausflüge“ unter anderem schon nach St. Petersburg, London oder Houston. „Wir wollen unseren Mitarbeitern etwas zurückgeben“, sagt Hess.

Leisten kann sich dies die Firma wegen guter Ideen und der Behauptung ihrer Position auf dem Markt. „Deshalb expandieren wir ständig, aber nicht übertrieben“, sagt Hess. Gerade werde in Neustadt die Fertigungshalle verdoppelt – für zwei Millionen Euro. „Denn Stagnation bedeutet Rückschritt.“ Konkurrenz und Nachahmer gebe es zur Genüge, sagt Hess, „aber eine Kopie ist niemals so gut wie das Original – das spüren die Kunden. Die meisten, die abspringen, kommen nach ein paar Jahren wieder zurück.“

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