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Leidenschaft

„Italienische Wespen“ sind unterwegs

Fast 450 Roller bei Treffen auf der Freizeitinsel Bad Abbach – eine Frau fährt aus Hamburg mit ihrer Vespa nach Niederbayern.
Von Gabi Hueber-Lutz

  • Der Corso ist das Herzstück des Vespa-Treffens auf der Freizeitinsel in Bad Abbach Foto: Hueber-Lutz
  • Lampe unten – faro basso heißt das auf Italienisch und das bedeutet, dass die Vespa die Beleuchtung unten am vorderen Kotflügel hat. Bis in die 50-er Jahre wurde die Vespa in dieser Form gebaut. Bei diesen Modellen finden sich auch noch die alten Rohrlenker. Foto: Hueber-Lutz

Bad Abbach.Da liegt was in der Luft, der Geruch von verbranntem Zweitaktöl. Am Wochenende roch man schon an der Fußgängerbrücke, dass die Freizeitinsel wieder fest in der Hand der „italienischen Wespen“ war. Aus allen Himmelsrichtungen waren sie zum Treffen des Vespa Clubs Regensburg gekommen. Mit den 500 Rollern, die der Club knacken wollte, ist es zwar nichts geworden. Knapp 450 waren da.

Man trifft sich, man kennt sich – Peter (links) kommt aus Ingolstadt, Christian aus Erding, Ulrich (rechts) aus Biberach/Riß. Sie haben ihr Herz an Veteranen verloren. „Da gehts um das Alter der Maschinen, nicht der Besitzer“, stellen sie schmunzelnd klar. Foto: Hueber-Lutz

Aber macht nichts. Der Festplatz auf der Freizeitinsel war auch so schon brechend voll – und die Kolonne der Fahrzeuge, die am Nachmittag zum Corso aufbrachen, war beeindruckend. Roller an Roller, jeder anders. Weil gebastelt wird an den Kultfahrzeugen von Piaggio, ist die Vielfalt groß. „Unterschiedliche Modelle und Farben, restauriert oder vintage, da sehen keine zwei Roller gleich aus“, schwärmt Markus Jakomet, der Vorsitzende des Vespa Clubs Regensburg. Von der hintersten Ecke des Festplatzes tönt Gejaule. Hier hat der Rollerprüfstand aufgebaut, hier können die Fahrer testen lassen, welche Leistung ihre Vespa auf die Straße bringt, wie gut den Schraubern und Tüftlern die Abstimmung der einzelnen Komponenten gelungen ist. Matthias Moder schiebt eine Maschine auf den Prüfstand, schnallt sie fest und startet. Es wird laut, lauter, sehr laut. „Gib Gas“, feuert einer an. Doch der Tester bricht ab, schüttelt den Kopf. Die Vespa hat Zündaussetzer, bringt nicht die volle Leistung. Er jagt sie nicht hoch, um nichts kaputtzumachen.

Markus Jakomet ist der Vorsitzende des Vespa-Clubs Regensburg. Selber hat er einen 55 Jahre alten Roller dabei. „Alt und ungeliftet“. Der hat sich in all den Jahren jede Delle verdient, weiß Jakomet. „Wir lassen sie wie sie sind, solang sie nicht durchgerostet sind.“ Foto: Hueber-Lutz

Andreas und sein sechsjähriger Sohn Tobias sind mit den Vespafreunden Abensberg da. Auch aus seinem Roller war schon jede Schraube heraußen. Das wieder zusammenzusetzen war eine schöne Winterarbeit, die noch ein bisschen länger als nur einen Winter gedauert hat. Jetzt steht der Roller in einem kräftigen Gelbgrün und funkelndem Lack da. Über dem einen Lenkergriff die große Lederjacke vom Papa, über dem andern die kleine vom Junior. Keine Frage, dass Tobias später auch mal eine Vespa will.

Teilemarkt: Eine „gute Idee“

Michael Rechenmacher hat einen Tisch vor dem Kofferraum seines Autos aufgebaut und legt allerhand Teile drauf. Zündung, Vergaser, Auspuff, Motor, Ausbauteile – alles, was sich so angesammelt hat. „Ich hab’ seit Jahren schon das Bedürfnis nach einem Teilemarkt“, sagt er. Man baut, man schraubt, man probiert etwas aus, es bleiben Teile übrig und die Sammlung wird immer umfangreicher. „Gute Idee, ich hab’ die halbe Garage voll“, wirft ein anderer ein. Klar kann man im Internet alles einzeln verkaufen, aber das ist dann doch mühsam. Bei so einem Treffen dagegen ist der Interessentenkreis gleich da. Mark Frankenberger hat bei der Herfahrt aus Neumarkt die Schaltrastenabdeckung verloren, nun ist seine Vespa wieder komplett. Die Männer sind sich einig: Auf so einem Teilemarkt könnte man sich problemlos die einzelnen Stücke für eine Vespa zusammenkaufen.

Weiße Vespa, rotes Kleid im Stil der 60-er Jahre, ein freundliches Lächeln und eine Einladung: Sandra Ziegler ließ sich von ihrem Freund Joachim Meister für eine Karte ablichten, die jeder der Teilnehmer an seine Vespa geklammert bekam: „Wir sehen uns 2018.“ Foto: Hueber-Lutz

Alexander Zufelde und Sabine Ruckdeschel stehen in der blauen Feuerwehr-Uniform am Rand des Geschehens und halten einen Plausch mit Vespafahrern. Die Lengfelder Wehr übernimmt immer die Verkehrssicherung für die Vespa-Freunde. Dieser Termin gehöre eindeutig zu den angenehmeren im Jahr, wird versichert. Irgendjemand erzählt im Vorbeigehen, dass jemand bis aus Hamburg gekommen ist. „Ja, das ist die Renate“, weiß Jakomet gleich. Renate Otto ist tatsächlich die ganze Strecke von Hamburg aus mit der Vespa gefahren. Am ersten Tag den Löwenanteil bis Neustadt/Aisch. An die acht Stunden mit Pausen war sie unterwegs.

Renate Otto kam aus Hamburg. Foto: Hueber-Lutz

Die Vespa ist ihr Hobby. Seit 30 Jahren fährt die Frau quer durch Europa mit ihrem Roller. Aufkleber vieler Länder zieren ihn. In den 60-er Jahren hat sie den Führerschein gemacht, später eine kleine Pause wegen ihrer drei Kinder eingelegt. Doch als die Jüngste vier Jahre alt war, hat sich Renate Otto wieder eine Vespa gekauft. Die Kleine kam im Sitz hinten drauf. Auch einen eigenen Club hat die Frau gegründet, den Vespa Club Baltic. Doch jetzt muss die Hamburgerin noch schnell zum Tanken, damit sie dann im Corso mitfahren kann.

Markus Jakomet an der Spitze

Eine Viertelstunde vor Abfahrt macht Tourenwart Joachim Meister eine Durchsage. Die Fahrer gehen zu ihren Rollern, setzen die Helme auf und fangen an, eine lange Schlange zu bilden. Die Inselstraße gehört in der nächsten viertelten Stunde den Vespas, bevor sich Markus Jakomet an der Spitze des Corsos mit seinem Roller in Bewegung setzt und sich alle tuckernd auf den Weg machen.

Seit vielen Jahren ist das Treffen des Vespa Clubs auf die Freizeitinsel Bad Abbach. Die Kennzeichen zeigen, dass die Teilnehmer aus den verschiedensten Ecken Bayerns und darüber hinaus kommen. Renate Otto ist zwei Tage lang von Hamburg angereist. Foto: Hueber-Lutz

Später am Nachmittag zeigt sich dann, wie erfolgreich die erstmals veranstaltete Tombola war. „Alle Lose weg“, freut sich Joachim Meister. Den Hauptpreis von 250 Euro gewinnt mit Wolfgang Cieplik ein Mitglied des Vespa Clubs Regensburg. Cieplik fackelt nicht lang und gibt ihn sofort weiter an Karin Dehner vom Hospizverein. An diese Einrichtung geht der Erlös der gesamten Tombola.

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