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Region Kelheim
Dienstag, 16. Januar 2018 3

Glaube

Kirche ist für manche nur noch Kulisse

An Weihnachten sind die Kirchen auch im Landkreis Kelheim voll – entweder aus Überzeugung oder aus der Tradition heraus.
von Benjamin Neumaier

  • An Weihnachten sind die Kirchen meist gut gefüllt – auch im Landkreis Kelheim. Foto: Peter Steffen/dpa
  • Altabt Gregor Zippel, Benediktinerkloster Rohr Foto: Archiv-Kandziora

Kelheim.An Weihnachten sind die Kirchen auch im Landkreis Kelheim voll – entweder aus Überzeugung oder aus der Tradition heraus. MZ-Redakteur Benjamin Neumaier sprach darüber mit Regionaldekan Monsignore Johannes Hofmann und mit dem Altabt des Benediktinerklosters Rohr, Gregor Zippel.

Altabt Gregor, Monsignore Hofmann, an Weihnachten sind die Kirchen im Landkreis...

Altabt Gregor: ...wieder voller als sonst.

Das wollte ich sagen. Was überwiegt bei Ihnen – die Freude, dass mehr Leute den Weg in die Kirche finden oder das Bedauern, dass dem nicht immer so ist?

Monsignore Hofmann: Egal ob Glaubende, Suchende oder die, die es an Weihnachten das einzige Mal in die Kirche schaffen, jeder ist willkommen. Ich freue mich über jedes Pflänzchen.

Regionaldekan Monsignore Johannes Hofmann Foto: Mayer

Altabt Gregor: Es ist schön, wenn mehr Menschen die Botschaft Gottes hören wollen. Aber es wäre noch schöner, wenn viele unser Angebot nicht nur an Weihnachten annehmen würden. Natürlich bedauere ich diese Entwicklung.

Woran liegt diese Hinwendung der Menschen zur Kirche an Weihnachten?

Altabt Gregor: Da spielen wohl bei Vielen auch Nostalgie und Tradition eine große Rolle. Viele kennen es noch so aus ihrer Kindheit. Sie machen es, weil es eben irgendwie dazugehört. Andere holen sich vielleicht ihren frommen Touch ab.

Monsignore Hofmann: Tradition spielt sicher eine Rolle. Ich glaube aber auch, es ist eine Art Grundsehnsucht. Eine Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit.

Verkommt da die Kirche nicht zu einer Art Kulisse mit Folklore?

Altabt Gregor: So weit würde ich nicht gehen. Aber klar, Weihnachten ist insgesamt überfrachtet, wirtschaftlich wird es ausgepresst und gesellschaftlich profanisiert. So traurig es auch ist: Für Manchen ist es daher wohl eine Kulisse.

Monsignore Hofmann: Ob die Kirche zur Folklore wird, das liegt an uns Priestern. Wenn wir die Gottesdienste mit guten Inhalten füllen, dann ist es mit Sicherheit keine Folklore.

Apropos Inhalte – welches Thema hat Ihre Predigt an Weihnachten.

Altabt Gregor: Grundlage ist immer das Evangelium, die Botschaft Gottes.

Monsignore Hofmann: An der Tagesaktualität, der allgemeinen Großwetterlage, kann man aber auch nicht vorbeigehen.

Altabt Gregor: Natürlich gehen auch wir mit offenen Augen durchs Leben, zeitnahe Ereignisse – sei es nun ein Terroranschlag wie vergangenes Jahr in Berlin oder politische Ansichten, die man in Deutschland schon lange überholt glaubte – spielen da immer mit hinein. Das zu thematisieren, dazu Stellung zu beziehen, ist sehr wichtig. Gerade weil die Kirche in ihren offiziellen Stellungnahmen oft hinterherhinkt, erst verspätet auf manche Dinge eingeht.

Die Predigt ist also auch ein Stück Politik?

Monsignore Hofmann: Nein, das nicht. Aber Politik kann, wie auch andere Themen, der Aufhänger sein, um die Worte Gottes für die heutige Zeit zu übersetzen und Werte zu vermitteln.

Sind in unserer heutigen Gesellschaft diese „moralischen Leitplanken“ noch wichtiger geworden?

Monsignore Hofmann: Wir wollen keine Moralpredigten halten, wir wollen eine Richtschnur vorgeben. Wie etwa gehe ich mit anderen Menschen um? Egal wer sie sind und was sie auch denken oder glauben.

Altabt Gregor: Es geht dabei auch darum, den Menschen Hoffnung zu geben und Vertrauen in Gott.

Monsignore Hofmann: Man hofft natürlich, dass es die Richtigen sind, die nicht nur zuhören, sondern auch die Botschaft verstehen. Man muss die Herzen der Menschen berühren.

Ist das in Zeiten von Multikulti oder aufkeimendem Rechtspopulismus schwieriger geworden?

Altabt Gregor: Nein, grundsätzlich ist es egal, wer da vor einem sitzt. Der Inhalt muss stimmen und der Inhalt ist immer der Glaube.

Was nehmen Sie für Sich an Weihnachten mit?

Altabt Gregor: Ruhe und Besinnung.

Monsignore Hofmann: Mir wird deutlich, wie sehr ich mich freuen darf, Christ zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten!

Altabt Gregor: Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten – denn darum geht es: den Segen Gottes.

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Das predigte Bischof Voderholzer 2016

  • Terror und Krieg:

    Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer predigte vergangenes Jahr an Weihnachten, dass „angesichts der Nachrichten von Krieg und Anschlägen sowie Terror in der Welt Weihnachten nicht unnötig, sondern umso nötiger“ sei.

  • Bibel:

    Wer Hass und Zwietracht aus der Bibel kenne, der werde auch von den Ereignissen wie denen am Berliner Breitscheidplatz nicht überrascht sein. Derlei Taten sei in der Heiligen Schrift die Demut und Wehrlosigkeit des Kindes in der Krippe entgegengesetzt.

  • Hintergrund:

    Am Berliner Breitscheidplatz raste ein islamistischer Attentäter im Dezember 2016 mit einem Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt und tötete zwölf Menschen. Darauf bezog sich Bischof Voderholzer in seiner Predigt im Regensburger Dom. (nb)

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