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Region Kelheim
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Haushaltsplanung

Kreis investiert mehr in die Jugendhilfe

Kelheims ungedeckte Kosten, vor allem für Schulbegleiter, steigen 2018 weiter. Bei der stationären Hilfe gibt es eine Idee.
Von Martina Hutzler

Der Landkreis muss für die Jugendhilfe nächstes Jahr mehr Geld investieren. Foto: dpa

Kelheim.Der Etat für die Jugendhilfe im Landkreis Kelheim schrumpft nächstes Jahr – aber den Kreiskämmerer freut das kaum. Denn ausgerechnet in Bereichen, die der Landkreis aus eigenen Mitteln finanzieren muss, steigt der Bedarf stark an.

Mehr Geld aus der Kreiskasse

Und so klettern die ungedeckten Kosten der Jugendhilfe 2018 auf ein neues Rekord-Hoch von voraussichtlich 7,44 Millionen Euro (heuer: 7,30 Mio.). Aus Sicht von Verwaltung, Kreisräten und Experten aber eine unvermeidbare Steigerung: Der Jugendhilfe-Ausschuss des Kreistags billigte diesen Teil-Entwurf zum Kreishaushalt 2018 einstimmig. Das letzte Wort hat zwar der Kreistag. Aber an Leistungen der Jugendhilfe, auf die Betroffene einen Rechtsanspruch haben, komme man kaum vorbei, sagte Jugendamtsleiter Norbert Birnthaler. Handlungsbedarf gäbe es stattdessen beim Staat, wurde bei der Diskussion im Ausschuss deutlich.

Der Landkreis muss für die Jugendhilfe nächstes Jahr mehr Geld investieren. Foto: dpa

Denn der größte Kostenanstieg ist bei den Schulbegleitern zu verzeichnen. Sie unterstützen Kinder mit Behinderung beim Schulbesuch. Bei körperlicher oder geistiger Behinderung ist der Bezirk zuständig; wo eine seelische Behinderung droht oder schon vorliegt, fungiert das Kreisjugendamt als Kostenträger. Und verzeichnet hierfür einen rapiden Anstieg, der den Etatposten „Ambulante Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche“ von 180 000 Euro im Jahr 2015 auf mittlerweile 610 000 Euro (für 2018) anwachsen lässt. Bei so vielen Fällen von Schulbegleitern – teils gibt es in einer Klasse bereits mehrere – wäre es an der Zeit, dass der Freistaat das Schulsystem grundlegend überdenkt und behinderten-gerechter macht, forderten mehrere Ausschussmitglieder in der Sitzung.

Flucht-Rückgang wirkt sich aus

Deutliche „Ausschläge“ in der Haushaltskurve gibt es zwar auch bezüglich junger Flüchtlinge. Sie beeinflussen den Kreis-Etat aber nur indirekt, weil die Kosten hier vom Bund übernommen werden respektive vom Bezirk. Letzterer freilich finanziert sich aus der Bezirksumlage – und die müssen die Landkreise zahlen.

Das ist für Kelheim insofern bedeutsam, als die vielen minderjährigen Flüchtlinge, die im Jahr 2015 ohne Familie kamen, allmählich volljährig werden. Unter 18 zahlt der Bund die Kosten ihrer Betreuung. Als „Heranwachsende“ (18 bis 21) können sie, wie einheimische Jugendliche auch, auf Antrag weiterhin Jugendhilfe erhalten, also beispielsweise in einem Wohnheim bleiben, bis die Ausbildung abgeschlossen ist. In dieser Phase muss der Bezirk die Kosten mitfinanzieren, erklärte Jugendamtsleiter Birnthaler. Aktuell leben im Kreis Kelheim noch 15 „unbegleitete minderjährige Ausländer“ und 45 Über-18-Jährige, die Zug um Zug aus der Jugendhilfe herausfallen werden.

Die Jugendhilfe und ihr Etat

  • Gesamtansatz:

    Der Teilplan „Jugendhilfe“ im Landkreis-Haushalt 2018 sieht Ausgaben von insgesamt rund 12,1 Millionen Euro vor (2017: 14,1 Mio.). Die ungedeckten Kosten steigen laut Entwurf um fast sechs Prozent auf 7,4 Mio. Euro.

  • Zuschüsse:

    Im Jugendhilfe-Etat enthalten sind Landkreis-Zuschüsse an 13 Verbände, Einrichtungen und Schulen: für Verbands-Jugendarbeit, für Beratungsstellen, für Jugend-Sozialarbeit an Schulen.

  • Beschlüsse:

    Alle Anträge wurden genehmigt. Drei Gegenstimmen gab es nur beim Kreisjugendring-Zuschuss: Beantragt waren 119 000, genehmigt wurden 115 000 Euro. Künftig soll der Zuschuss aber dynamisch erhöht werden. (hu)

In dem Zusammenhang ging Birnthaler auf ein Problem ein, vor dem aktuell Jugendhilfeträger im Landkreis stehen: 2015, auf dem Höhepunkt der Zuwanderung, „haben Institutionen wie Caritas, Berufsbildungswerk oder Arbeiterwohlfahrt Strukturen aus dem Boden gestampft, um die Jugendlichen unterzubringen“ – worüber Staat und Landkreis heilfroh gewesen seien. Nun, bei stark gesunkenen Flüchtlingszahlen, stehen die Einrichtungen vor der Frage: Was tun mit diesen Strukturen? Birnthalers Lösungsvorschlag: ein seit Jahren bestehendes Defizit beheben.

Im Landkreis gebe es nämlich fast keine stationären Jugendhilfe-Einrichtungen für junge Landkreisbürger, erklärte er. Von aktuell 76 jungen Menschen, die so eine erzieherische Hilfe benötigen, seien fast 90 Prozent in auswärtigen Heimen untergebracht, bis nach Oberbayern. Das erschwere den Kontakt zu und die Arbeit mit den Eltern. In den nächsten Monaten soll nun näher geklärt werden, ob bisherige Flüchtlings- zu regulären Jugendhilfe-Einrichtungen „umgewidmet“ werden können, kündigte Birnthaler an.

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