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Region Kelheim
Sonntag, 19. November 2017 7

Erhöhung

Maß am Gillamoos wird 50 Cent teurer

9,40 Euro muss man am Abensberger Jahrmarkt für den Liter Bier hinblättern. Sicherheit koste Geld, sagen die Festwirte.
von Benjamin Neumaier

Der Preis der Maß Bier am Gillamoos stieg in den vergangenen zehn Jahren alle zwei Jahre um 50 Cent. Fotos: Archiv-Pieknik/dpa

Abensberg.Die Maß Gillamoosbier kostet heuer 9,40 Euro – inklusive Bedienungsgeld. Das bestätigten sowohl Festwirte, als auch Brauer auf Nachfrage unseres Medienhauses übereinstimmend. 9,40 Euro, das sind 50 Cent mehr als in den beiden vorangegangen Jahren. Damit liegt der Abensberger Jahrmarkt in der Bierpreisskala weiterhin relativ weit vorne, betrachtet man die Volksfest-Klassiker in Bayern: Am Gäubodenfest zahlt man zwischen 9,10 und 9,15 Euro für den Liter Gerstensaft, auf der Erlanger Bergkirchweih glatte neun Euro. Auf dem Rosenheimer Herbstfest kostet die Maß, ebenso wie am Barthelmarkt in Oberstimm, 8,80 Euro.

Programm und Sicherheit kosten

Die Begründungen der Brauereien respektive Festwirte für die Preiserhöhung in Abensberg sind unterschiedlich, aber im Tenor gleich: Mehrbelastungen was das Personal, Programm, Strom oder auch die Rohstoffe betrifft. Vor allem aber gestiegene Ausgaben in puncto Sicherheit treibe den Preis, wie Peter Schöniger vom Kuchlbauer-Festzelt betont: „Seit dem vergangenen Jahr haben wir sowohl durch das Sicherheitskonzept der Stadt Abensberg als auch durch ein gemeinsames Konzept der Festwirte beim Thema Sicherheit stark nachgebessert. Das schlägt sich vor allem auch in mehr Personal nieder, was die Kosten für jeden Festwirt intensiv steigen lässt.“ Außerdem steige die Erwartung der Besucher, was das Programm anbelange: „Die Leute wollen unterhalten werden – im Bierzelt aber natürlich ohne Eintritt zu zahlen. Teilweise haben wir drei verschiedene Bands an einem Tag und auch ein Mickie Krause beispielsweise spielt nicht umsonst bei uns“, sagt Schöniger.

Dr. Uwe Brandl zum Sicherheitskonzept am Gillamoos 2016 Video: Neumaier/Froschhammer

Peter Engel vom Ottenbräu-Festzelt führt vor allem steigende Personalkosten als Kostentreiber an: „Es wird seit Jahren immer schwieriger, gutes Personal zu bekommen – das erwarten die Leute aber. Die Maß und das Hendl soll schnell kommen und freundlich und gekonnt serviert werden. Dazu braucht es gelernte Leute und die wollen dementsprechend bezahlt werden.“ Indes sieht Engel den Anstieg um 50 Cent nicht als dramatisch an: „Wenn man das prozentual runterbricht, ist es gar nicht so viel.“ Außerdem sei es nur „marktgerecht. Denn wenn ich am Ende des Gillamoos meine Ergebnisrechnung anschaue, dann steht da seit Jahren in etwa das Gleiche drauf. Die Kosten steigen ständig, irgendwas wird immer teurer.“

Wirtschaftliche Notwendigkeit

In dieselbe Kerbe schlägt „Hofbräu“ Josef Neumeyer: „Es geht nicht nur um gestiegene Kosten bei Festwirten, das beginnt auch schon bei uns Brauern – viele äußere Einflüsse ergeben dann die rein wirtschaftliche Notwendigkeit einer Preiserhöhung. Angefangen bei Hygieneauflagen oder Rohstoffpreisen für Hopfen, Gerste und Malz über Investitionen in die Infrastruktur oder steigendes Platzgeld am Gillamoos – das alles muss bezahlt werden.“

Letzteres war 2015 um knapp 40 Prozent gestiegen und damit laut Festwirten und Brauern ausschlaggebend für die damalige Erhöhung des Bierpreises von 8,40 auf 8,90 Euro gewesen. Das Platzgeld ist aber bis 2018 fest ausverhandelt, wird laut Aussagen der Stadt Abensberg erst Anfang 2019 neu berechnet – was nicht bedeuten müsse, dass es dann unbedingt steige.

Manch einer der Gillamoos-Beteiligten orakelte vor zwei Jahren sogar – es hatte im Vorfeld bereits Diskussionen gegeben, ob die Erhöhung um 50 Cent reiche –, dass er schon 2016 eine weitere Erhöhung vermute. Nun blieb es aber doch beim seit zehn Jahren „eingespielten Rhythmus“, den Preis der Gillamoos-Mass alle zwei Jahre um 50 Cent zu erhöhen. Seit 2010 stieg der Preis somit sukzessive von 6,90 auf 9,40 Euro. Letztlich sei es aber „Sache jedes einzelnen Festwirtes, was er für die Maß Bier verlangt“, sagt Peter Schöniger. Eine Absprache gebe es „definitiv nicht“. Vielmehr sei es so, dass man sich bei der Gillamoos-Vorbesprechung von Brauern, Festwirten und Stadt über „gestiegene Mehrbelastungen“ austausche und diskutiere. „Man geht auseinander, ohne über den Bierpreis gesprochen zu haben“, sagt auch Ottenbräu Robert Neumaier. Dass am Ende bei der Maß Gillamoosbier überall der exakt selbe Preis auf den Speisekarten steht, ist somit wohl dem Zwei-Jahres-Rhythmus geschuldet. „Wenn es nach mir geht, dann würde ich sogar zehn oder 20 Cent mehr pro Mass verlangen“, sagt Peter Engel. „Aber es hat sich eben in den vergangenen Jahren so ergeben und deckt oftmals noch nicht einmal die Mehrkosten.“

Lesen Sie auch: Während die Oktoberfestwirte wegen der möglichen Bierpreisbremse vor Wut schäumen, bleibt man im Landkreis gelassen.

So sei es auch vermessen zu glauben, dass der Bierpreis am Abensberger Jahrmarkt – auch bei stagnierenden Personalkosten, Platzgebühren oder fallenden Rohstoffkosten – einmal den umgekehrten Weg gehen könnte. „Das ist unrealistisch“, sagt Jakob Horsch von der Brauerei Kuchlbauer. „Wenn, dann könnte ich mir vorstellen, dass der Bierpreis in den kommenden Jahren stagniert und nicht alle zwei Jahre steigt. Gerade die Zehn Euro-Grenze ist schon eine schwierige Schwelle.“ Das sieht auch Josef Neumeyer so: „Klar kann der Bierpreis am Gillamoos auch mal drei oder vier Jahre gleichbleiben, aber das vorauszusagen, wäre Kaffeesatzleserei.“ Einen fallenden Bierpreis kann sich Peter Engel nur bei einem Szenario vorstellen: „Wenn wir keine Bedienungen mehr haben und sich jeder seine Maß selbst an der Theke holen muss.“

Und so bleibt zu vermuten, dass 2019 – Gesetz des Zwei-Jahres-Rhythmus – die Maß Bier im Kuchlbauer-, Ottenbräu-, Jungbräu-, Hofbräu-, Weinzelt und Weißbierstadel dann für 9,90 Euro zu haben ist.

Sehen Sie in der Grafik die Entwicklung der Bierpreise:

Der Gillamoos 2016 zum Nachlesen

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