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Region Kelheim
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Arbeitsleben

Mia Trickl serviert seit fast 50 Jahren

Die Weltenburgerin ist wohl die dienstälteste Servicekraft Deutschlands. In der Klosterschenke hat sie auch Promis bedient.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

  • Mia Trickl serviert in der Klosterschenke Weltenburg Gästen aus Tansania das bestellte Essen. Fotos: Bachmeier-Fausten
  • Mia Trickl bedient seit fast 50 Jahren in der Klosterschenke Weltenburg. Foto: Bachmeier-Fausten

Weltenburg.Mia Trickl ist ganz in ihrem Element. „Was darf i bringa?“, fragt die 73-Jährige Ausflügler aus der Oberpfalz in der Klosterschenke Weltenburg. Unter anderem wird Dunkles der ältesten Klosterbrauerei der Welt unweit der Weltenburger Enge bestellt. Aber nicht nur aus der Region Deutschland kommen Gäste in die Klosterschenke. International sind die Besucher – an diesem Nachmittag haben in einem Gastraum auch Frauen und Männer aus Tansania, die in der evangelischen Gemeinde in Gaimersheim zu Besuch sind, Platz genommen.

Als Küchenmadl angefangen

Mia Trickl nimmt die Bestellung auf. Holt Getränke an der Getränketheke. Wenn das bestellte Essen fertig ist, holt sie dieses in der Küche ab und serviert es den Gästen. 1970 hat sie als Bedienung in der Klosterschenke angefangen. Als 15-Jährige begann sie dort als „Küchenmadl“. „Anton Röhrl sen. hat mich abgeworben bei Scheibal.“ In der Wäscherei in Kelheim habe die Klosterschenke die Tischwäsche mangeln lassen. Die meisten der Mädchen hätten nach der Volksschule keinen Beruf erlernt. Denn es habe zu wenig Möglichkeiten gegeben – „nur Friseuse oder Verkäuferin. Wenn man keine Connection hatte, hat man nichts kriegt.“ Alles, was in der Gastronomie angefallen sei, „hab’ i gmacht“. In einem Personalzimmer über dem Torbogen habe sie mit noch zwei Frauen geschlafen. Einmal wöchentlich ist die Mia zum Unterricht an der Berufsschule Kelheim geradelt.

Anton Röhrls Sohn Anton, der ab 1988 bis 2010 Pächter der Klosterschenke und ab 2011 bis 2016 Geschäftsführer der Klosterbetriebe GmbH war, sagt, die Klosterschenke eigentlich nicht „ohne Mia“ zu kennen. Die ganze Familie Trickl, in die Mia einheiratete, sei immer der Familie Röhrl sehr verbunden gewesen. Anton Röhrl war viele Jahre der Chef von Mia Trickl. Seiner Ansicht nach sei das „eine sehr funktionalistische Beschreibung, die nicht das Innenverhältnis widerspiegelt“. Anton Röhrl spricht die persönliche Verbundenheit und das „absolute Vertrauensverhältnis“ an. Er stellt der Weltenburgerin ein Top-Zeugnis aus, die „eine äußerst engagierte Mitarbeiterin gewesen ist, die darauf geachtet hat, dass alles passt“. Man habe ihr nichts anschaffen müssen, sondern sie habe es selbst in die Hand genommen. Sie sei immer eingesprungen, „wenn unerwartet Gäste kamen und sie einen freien Tag hatte“. Man habe nur anrufen müssen und dann „ist sie dagestanden“. Der langjährige Chef bescheinigt der Servicekraft extreme Leistungsfähigkeit – „wenn Not am Mann war, hat sie zwei Servicestationen gleichzeitig gemacht“. Anton Röhrl erwähnt auch die „Riesenportion Humor“, über die die Servicekraft verfüge. Wenn sich die Gelegenheit geboten habe, „konnte sie eine Stimmungskanone sein“. Er schätzte sie als Mitarbeiterin, ebenso auch als Mensch und sagt: „Wir haben immer noch Kontakt.“

Laut dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband ist Mia Trickl wohl die dienstälteste Servicekraft im Angestelltenverhältnis in Deutschland“, war auf Nachfrage zu erfahren. Am Freitag wird nach Mitteilung von Rolf Holthausen, Geschäftsführer der Weltenburger Klosterbetriebe GmbH, Mia Trickl anlässlich einer Betriebsfeier verabschiedet.

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Mia Trickl ist mit Leib und Seele Servicekraft

Auch als Mia mit 17 von der Gastronomie zur Triumph in Kelheim wechselte, habe sie Samstag und Sonntag in der Klosterschenke als „Saladerin“ gearbeitet, so seien die Kräfte bezeichnet worden, die für den Salat zuständig gewesen seien. „Hauptsächlich gab’s Kartoffelsalat“, wovon eine große Menge benötigt worden sei, sagt sie.

„De Manna vom Dorf sind zum Frühschoppen gekommen.“ So hatte sie ihren späteren Ehemann Adolf kennengelernt. Im Alter von 18 Jahren heiratete sie. Beide waren von 1964 bis 1969 selbst Wirtsleute – in Kelheim im B13. Die Trickls hörten dann auf, da sie zwei Sprösslinge hatten. Der Grund: „Kloane Kinder und ein Wirtshaus passen nicht zusammen.“ Den Kontakt zur Familie Röhrl hielt Mia Trickl auch in der Zeit, als sie selbst Wirtin war. „Wenn ich mal etwas nicht hatte, ist mir immer ausgeholfen worden“, sagt sie. Sie habe dann auch angefragt, ob sie als Bedienung in der Klosterschenke „anfangen kann“.

Sie erinnert sich, wo wer saß

Und seit Karfreitag 1970 „bin ich da als Bedienung“. Die Worte „gell Sie sind gerne da“, hört Mia Trickl von Gästen. Die „Vollblutbedienung“, wie sie von Besuchern der Klosterschenke auch bezeichnet wird, hat in ihrem langen Berufsleben auch Persönlichkeiten und Stars bedient. Etwa Bundespräsident Roman Herzog – sie zeigt auf einen Tisch im Biergarten, an dem er saß. Sie erwähnt Ministerpräsident Alfons Goppel mit Gattin, Schauspielerin Luise Ullrich, die „Emmentaler bestellte und sich für den schönen Aufenthalt bedankte“. Auch Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, die „mit einem Kardinal aus Rom kam“, nahm Mia Trickl in Empfang: „Ich habe gleich gesagt, grüß Gott Ihre Durchlaucht“ und den Chef informiert. Auf die Frage nach Stress antwortet Mia Trickl: „Stress ist ein Fremdwort. Man lässt sich das zumindest vom Gast nicht ankennen.“ Die 73-Jährige sagt auch, „mit Leib und Seele“ in der Gastronomie tätig zu sein. „Es ist für mich Lebenselixier.“ Und schon holt sie wieder mit Dunklem gefüllte Glaskrüge an der Theke und bedient weiter.

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