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Region Kelheim
Freitag, 15. Dezember 2017 7

Großinvestition

Millionen für Sicherheit und Lärmschutz

Kelheim Fibres baut ein neues Feuerwehrhaus, das zugleich ein Lärmschutz für die Nachbarschaft ist. Im März soll es losgehen.
Von Elfi Bachmeier-Fausten

Feuerwehrkräfte der Betriebe am Faserstandort Kelheim üben im Brandcontainer. Foto: Kelheim Fibres

Kelheim.Für das Faserzentrum im Stadtteil Affecking wird ein neues Feuerwehrgerätehaus errichtet. Der Neubau entsteht auf dem sogenannten Pfaffelhuber-Feld von Kelheim Fibres parallel zur Regensburger Straße. Die Kosten: circa vier Millionen Euro. Das Gebäude hat zwei Funktionen zu erfüllen: zum einen dient es der Unterbringung von Fahrzeugen und weiterer Ausrüstung der Werkfeuerwehr und zum anderen dem Lärmschutz für die Wohnbebauung in der Nähe des Faserzentrums. Der Baukörper soll bis Ende 2018 soweit sein, dass der Lärmschutz gewährleistet ist. Ab Anfang Juli 2019 wird die Werkfeuerwehr dort untergebracht sein.

Erstes Feuerwehrhaus besteht noch

Im Bauausschuss des Kelheimer Stadtrats ist dem Bauantrag des Unternehmens zugestimmt worden. Wie bei anderen Bauanträgen ist auch für dieses Vorhaben das Landratsamt Kelheim die Genehmigungsbehörde. Tobias Westner, Personalchef von Kelheim Fibres, und Wolfgang Ott, Leiter des Bereiches Sicherheit, Gesundheit, Umweltschutz, erläutern gegenüber unserem Medienhaus das Großprojekt. Bereits im vergangenen Jahrhundert gab es in den 30er-Jahren bei dem Chemiewerk in Affecking eine Feuerwehr. In einem Eintrag in der Chronik aus den 40er-Jahren ist bei der damaligen Zellwolle laut Wolfgang Ott auch ein Feuerwehrgerätehaus erwähnt, das behördlicherseits überwacht wurde – im Hinblick auf die baulichen Vorgaben.

Wolfgang Ott und Tobias Westner Foto: Bachmeier-Fausten

Das Gebäude im Zentrum des Faserstandortes besteht nach wie vor. Es sei aber im Laufe der Zeit an die jeweiligen Bedürfnisse und Vorgaben angepasst worden, so Tobias Westner. Eine neuerliche Änderung der staatlichen Vorgaben hinsichtlich der erforderlichen Flächen für Fahrzeuge, der Unterbringung der Feuerwehrkräfte und technischer Details in Werkstätten wird als Grund für den Neubau genannt. Die Regierung von Niederbayern habe 2016 als Genehmigungsbehörde entschieden, dass das bestehende Gerätehaus umgebaut oder ein Neubau erstellt werde. Wie Wolfgang Ott sagt, wäre der finanzielle Aufwand für einen Umbau etwa so groß gewesen wie der für einen Neubau. U. a. sei auch deshalb für den zukunftsweisenden Neubau entschieden worden. Nach Angaben von Tobias Westner wären an der Südseite des Pfaffelhuber-Feldes ursprünglich drei Hallen für Lärmschutz vorgesehen gewesen so wie die Hallen an der Westseite, die seit 2015 fertig sind und zur Lagerung von Fasern genutzt werden. Ihm zufolge wurde im Vorjahr die Umplanung beschlossen und in diesem Bereich das Feuerwehrgerätehaus zu erstellen. Westner betont, dass dieses Gebäude „den Lärmschutzzweck erfüllt“.

Weitere Werkfeuerwehren im Kreis Kelheim

  • Bayernoil

    Das Bayernoil hat an seinen Standorten Neustadt und Vohburg nach Auskunft des Unternehmens insgesamt 48 hauptberufliche und 105 nebenberufliche Feuerwehrkräfte – davon sind 32 Hauptberufliche und 25 Nebenberufliche (aus dem Versand) in Neustadt und 16 hauptberufliche sowie 80 nebenberufliche Feuerwehrkräfte (aus der Produktion) in Vohburg. Anlässlich der großen Flut in Deggendorf ist laut Unternehmen auch ein Teil der Werkfeuerwehr über mehrere Tage dort mit im Einsatz gewesen.

  • SMP

    Im Werk Neustadt von SMP ist laut Presseinfo „eine Mannschaft von 18 hauptamtlichen Feuerwehrmännern im 24 Stundendienst“ aufgebaut worden. Die neue Feuerwache habe von den Feuerwehrleuten ab September 2016 in Betrieb genommen werden können; die Einweihung fand Ende Oktober 2017 statt. Die Feuerwache mit Fahrzeughalle und Werkstätten bietet Platz für die Geräteausstattung. Auch die Erstausrüstung für die 60 nebenberuflichen Mitarbeiter aus der Belegschaft „wird dort bereitgehalten“.

Der Feuerwehrhaus-Neubau der Standortfirmen wird 46 Meter lang, acht Meter hoch und 25 Meter breit. Voraussichtlich im März 2018 wird mit dem Bau begonnen. Die „Außenhülle“, wie Wolfgang Ott sagt, ist bis Ende des kommenden Jahres wegen der Lärmschutzvorschrift fertigzustellen. Ein halbes Jahr später wird dann auch der Innenausbau in dem großen Gebäude abgeschlossen sein, denn die Inbetriebnahme ist „im Anerkennungsbescheid zum Betrieb der Werkfeuerwehr“ ab Juli 2019 festgelegt. Bis dahin dürfe das bestehende Feuerwehrgerätehaus noch genutzt werden.

Für das Faserzentrum ist keine Berufsfeuerwehr vorgeschrieben, sondern eine Werkfeuerwehr. Während die Kräfte einer Berufsfeuerwehr hauptberuflich für den Feuerwehrdienst angestellt sind, gibt es in Kelheim am Faserzentrum drei freigestellte Feuerwehrkräfte (der Kommandant, ein Stellvertreter und der Gerätewart), die übrigen etwa 95 Feuerwehrleute am Standort sind aus der übrigen Belegschaft. Den insgesamt knapp 100 Kräften der Feuerwehrtruppe des Faserzentrums gehören Verwaltungs- aber auch Produktionsmitarbeiter an, die teilweise auch bei Freiwilligen Feuerwehren engagiert sind. Die Feuerwehrzentrale am Faserstandort ist Tobias Westner zufolge rund um die Uhr besetzt. „Von den insgesamt 700 Mitarbeitern ist jeder siebte Feuerwehrmann.“ Alle verfügten über eine entsprechende Ausbildung. Jeweils mittwochs um 11 Uhr und samstags um 9 Uhr, wenn der Probealarm ausgelöst wird, heult die Sirene auf dem Betriebsareal.

Parallel zur Regensburger Straße entsteht auf dem sogenannten Pfaffelhuber-Feld in Affecking das neue Feuerwehrgerätehaus des Faserzentrums. Foto: Bachmeier-Fausten

Mit circa 1100 Quadratmetern wird das neue Feuerwehrgerätehaus um einiges größer als das jetzige, das nur eine Fläche von rund 400 Quadratmetern hat. Nach Auskunft von Wolfgang Ott wird künftig „eine moderne, automatisierte Alarmleitzentrale“ vorhanden sein, die elektronisch mit der Pforte verbunden sein wird, von der auch weiterhin der Alarm ausgelöst wird. Die Alarmzentrale (50 Quadratmeter) wird nur im Einsatzfall besetzt sein. Dort wird auch ein Krisenkommunikations- und Schulungszentrum integriert.

Wolfgang Ott erläutert das Bauvorhaben Feuerwehrgerätehaus.

Wenn ein Großeinsatz erforderlich sein sollte, werden laut Ott Feuerwehren über die Integrierte Leitstelle in Landshut alarmiert, die mit der örtlichen Einsatzleitung entscheidet, welche Feuerwehren notwendig sind.

In den sechs Stellplatzsegmenten (auch ein Waschplatz ist darunter) des Neubaues könnten jeweils zwei Feuerwehrfahrzeuge auch hintereinander untergebracht werden. Unter den vorhandenen acht Einsatzfahrzeugen ist ein Hubrettungsfahrzeug. Über die an der Nordseite geplante Ausfahrt können werksweit alle Einsatzziele angefahren werden.

Vor Jahren zwei Großbrände

Ein bis zwei kleinere Einsätze seien jährlich auf dem Betriebsgelände, der letzte im Oktober, so Ott. Westner: „Es war ein kleiner Kabelbrand in der Verpackung.“ 1999 und 2004 war jeweils ein Großfeuer auf dem Werksgelände – ’99 brannte die Lagerhalle und 2004 die Polymerisation.

Drei Firmen sind am Standort: Kelheim Fibres, die Dolan GmbH und European Carbon Fiber (ECF). Als „wichtigste Einsatzstoffe“ für die Faserproduktion zählt Wolfgang Ott Acrylnitril (bei Dolan) und Zellstoff (bei Kelheim Fibres) auf.

Die Produktionsmengen sind laut Personalchef Tobias Westner bei Kelheim Fibres circa 90 000 Jahrestonnen, bei Dolan rund 15 000 Jahrestonnen und die ECF hat eine Produktionskapazität von 5000 Jahrestonnen für Precursorfasern.

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