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Region Kelheim
Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

Protest

Mobilfunkmast sorgt für Unmut in Kelheim

Anwohner der Friedhofstraße beklagen, nicht über die Installation auf einem Hausdach informiert worden zu sein. Es läuft eine Unterschriftenaktion.
Von Heiner Stöcker und Elfi Bachmeier-Fausten, MZ

  • Mit Kran und Hebebühne pflanzen die Arbeiter den Mast aufs Dach. Foto: Stöcker
  • Die Montage des Mastes beunruhigt Michael Köbler und seine Ehefrau. Auf dem Bild ist das Paar mit ihren Sprösslingen zu sehen. Foto: Stöcker

Kelheim.Die Anwohner der Friedhofstraße in Kelheim staunten am Mittwoch nicht schlecht. Ein Bautrupp mit Kran und Hebebühne war am Vortag erschienen. Nun machten sich die Arbeiter daran, im Auftrag der Telekom einen 800 Kilo schweren Mobilfunkmast auf eines der Anwesen zu hieven. Bis zum frühen Nachmittag war alles erledigt.

Ohnmächtig mussten die Bewohner der Friedhofstraße das Schauspiel im Schatten der Kräne beobachten. „Wir finden das unverschämt“, echauffiert sich einer der Anwohner. „Die Stadt hat uns in keinster Weise darüber informiert – wir wussten weder, dass wir so ein Ding vor die Nase gesetzt bekommen, noch wann“, sagt Michael Köbler. Der Ingenieur und seine Frau – eine Architektin – leben mit ihren drei Kindern zwei Anwesen von dem neuen Mast entfernt. „Verstehen sie das nicht falsch: Natürlich will niemand so ein Ding vor der Nase haben. Floriansprinzip. Aber hier? Mitten in einem Wohngebiet? Muss das sein?“ Auch hinter dem Zeitpunkt vermutet der Ingenieur Kalkül: „Dass die das Projekt jetzt, wo die Hälfte der Anlieger im Pfingst-Urlaub ist, in einer Woche mit Brückentag und Fußball-Weltmeisterschaft realisieren... das ist schon eine linke Tour.“

Bürgermeister Horst Hartmann und der Geschäftsleiter der Stadtverwaltung, Georg Sinzenhauser, widersprechen den „Verschwörungstheorien“ der Anwohner und weisen sie ins Land der Legenden. Die Telekom arbeite aufgrund der bestehenden Gesetzgebung im Auftrag der Bundesnetzagentur. Zudem sei der Mast kleiner als zehn Meter in seiner Höhe. Das heiße im Klartext, dass der Aufbau des Mastes seitens der Stadt genehmigungsfrei sei. „Das Vorhaben war also nie im Stadtrat“, sagt Sinzenhauser.

Auch sei das Bauvorhaben im Detail in der Stadtverwaltung nicht bekannt gewesen. Zwar habe man gewusst, dass ein alter Funkmast auf dem Gebäude der Brauerei Schneider zurückgebaut und durch zwei neue ersetzt werde. „Der eine kommt auf das Telekom-Gebäude im Schlossweg und vom anderen war bei uns nur bekannt, dass er irgendwo im Bereich des Möbelhauses Gassner aufgestellt wird.“ Der spätere Antrag der Sperrung der Friedhofstraße beim Ordnungsamt seitens der Baufirma aus Kirchheim bei München lautete lediglich auf „Antennenarbeiten“. „Und das kann alles bedeuten“, sagt Sinzenhauser. Als Zeitraum habe der Telekom-Subunternehmer die Tage von 17. bis 30. Juni angegeben. Also sei auch der Vorwurf der gezielten Verschleierung durch den für die Anwohner ungünstigen Termin nicht haltbar. „Da einen Vorsatz hineinzuinterpretieren, dass der Mast genau jetzt aufgestellt wird, entbehrt für mich jeglicher Grundlage“, sagt Bürgermeister Horst Hartmann. So ein Montagetrupp zieht von Baustelle zu Baustelle.

Köbler will das nicht so hinnehmen. Mit einer Unterschriftenliste wollen sich er und die anderen Anwohner wehren. Das Ziel der Aktion: Der Mast soll wieder wegkommen. Der 42-Jährige: „Die ganze Straße ist geschlossen in Aufregung.“

Hartmann spricht mit Anwohnern

Gleichzeitig signalisieren Stadt und Anwohner gegenseitige Gesprächsbereitschaft. Am nächsten Mittwoch wollen sich Vertreter beider Seiten um 17 Uhr vor dem Gasthof Stockhammer treffen, um ihre Argumente auszutauschen. Michael Köbler ist der Meinung, dass der Mast das Stadtbild „extrem“ beeinträchtigt. Der Bereich Friedhofstraße gehört seiner Ansicht nach „zum Ensemble der Altstadt“. Er führt auch an, dass durch die Anlage „alle Grundstücke entwertet werden“. „Wir haben das Haus meines Großvaters die vergangenen Jahre liebevoll hergerichtet“, sagt Köbler. Einer unter mehreren Aspekten ist für den 42-Jährigen auch eine gesundheitliche Beeinträchtigung. In der Gegend lebten „sehr, sehr viele Familien mit Kindern“. Anwohner haben sich Köbler zufolge am Mittwoch auch an Behörden (Stadt, Landratsamt) gewandt. Der 42-Jährige war am Freitag im Rathaus und hat mit Bürgermeister Hartmann gesprochen.

Dem Stadtoberhaupt zufolge hat Köbler um einen Termin mit den Anwohner gebeten. Wie erwähnt, findet der Ortstermin in der kommenden Woche statt. Bei so einem Standort für einen Mast müsse zum Beispiel von der Telekom sensibler vorgegangen werden, sagt Hartmann am Freitag zur MZ. Er schiebt nach: „Die Anlage ist greislich da.“ Teilweise werde im Bauausschuss diskutiert, ob aus denkmalpflegerischen Gründen Photovoltaikanlagen in der Altstadt montiert werden dürften, erwähnt der Bürgermeister. Am Montag bekomme er im Amt weitere Informationen zur Vorgeschichte in der Friedhofstraße. Denn wegen des Brückentages sei das am Freitag nicht möglich gewesen, „aber das ist kein Nachteil“, so Hartmann. Er kündigt an, sich mit Telekom in Verbindung zu setzen. Die Stadt werde auch Messungen vornehmen, „um den Status quo festzustellen“, um auch Zahlen für die Zukunft zu haben.

2013 Pachtvertrag abgeschlossen

Alwine Perzl, auf deren Gebäude der Mast montiert wurde, weist auf MZ-Anfrage darauf hin, dass in der Altstadt „schon zwei solche Anlagen und eine in der Bauersiedlung sind“. Sie habe auch bereits Anrufe erhalten. Die Seniorin verweist auf einen Mitarbeiter einer Steuerberatungsgesellschaft. Wilhelm Rohn, Mitarbeiter der WR Treuhand GmbH Steuerberatungsgesellschaft in Kelheim, sagt auf MZ-Anfrage: „Frau Perzl wird von uns in steuerlichen Angelegenheiten beraten. Es wurde ein Pachtvertrag über eine Gebäudefläche geschlossen“ im September/Oktober.

Nach MZ-Informationen ist der Vertrag mit der DFMG Deutsche Funkturm GmbH mit Sitz in Münster, vertreten durch die Regionalvertretung in Nürnberg, abgeschlossen worden.

Es sei eine Verlegung einer Anlage aus der Innenstadt, so Rohn. Und er sagt: „Ich war bei den Verhandlungen dabei. Da ist ja eine steuerliche Beurteilung zu treffen.“ Wie der Mitarbeiter der Steuerberatungsgesellschaft erwähnt, müsse die Gebäudeeigentümerin nicht informieren, wenn sie „eine Vermietung vornimmt“.

Antennenträger „genehmigungsfrei“

Nach Auskunft von Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Deutschen Telekom AG in Bonn, „handelt es sich hier um einen Dachstandort“. Seinen Angaben nach ist der Antennenaufbau insgesamt 9,18 Meter hoch. Kischkewitz: „Der Antennenträger ist baugenehmigungsfrei.“ Auf die Frage, warum die Anwohner im Vorfeld nicht informiert wurden, antwortete der Telekom-Pressesprecher: „Es ist nicht üblich und organisatorisch auch nicht möglich, dass die Anwohner über solche Vorhaben von der Telekom informiert werden.“ War die Stadt über die Installation des Mastes unterrichtet worden? „Die Stadt wurde bereits im März 2013 über die Standortsuche informiert. Im Mai 2014 wurde die Stadt dann über den Standort und den Baubeginn informiert“, so Hubertus Kischkewitz. Das sei durch die Telekom erfolgt. „Die Inbetriebnahme ist zum Ende des Jahres vorgesehen.“ Kischkewitz bestätigt am Freitag, dass in der Altstadt Kelheim bei einem Standort eine Anlage abmontiert werde. „Dieser wird nach Inbetriebnahme der Ersatzstandorte abgeschaltet“, so der Pressesprecher. Ihm zufolge handelt es sich in der Friedhofstraße um „einen Mobilfunkstandort zur Versorgung für mobile Sprach- und Datendienste (GSM, UMTS und LTE). Ist die Anlage nur für das Telekom-Netz oder kommt diese auch anderen Mobilfunkanbietern zugute? Kischkewitz: „Dachstandorte werden in der Regel nicht an andere Mobilfunkanbieter weitervermietet. Wir können aber nicht für den Vermieter sprechen.“

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