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Region Kelheim
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Konzert

Mysterium an Klängen unter der Erde

Wolfgang Saus war im Schulerloch zu Gast. Wenn der Obertonsänger ein Lied anstimmt, klingt es als sänge er mit zwei unterschiedlichen Stimmen.

Wolfgang Saus und Günter Müller konzertierten im Schulerloch. Foto: Gruber-Reinsch

Essing.Die Konzerte im Schulerloch sind einmalige Erlebnisse mit inspirierenden Klängen und meist exotischen (Naturton-)Instrumenten. Am vergangenen Samstag verzauberte Wolfgang Saus – begleitet von Günter Müller, der schon viele Konzerte in Höhlen mit verschiedenen Künstlern inszeniert hat – mit seiner außergewöhnlichen Stimme die Besucher.

Führend in Deutschland

Als einer der führenden Obertonsänger Deutschlands referierte Wolfgang Saus vor kurzem auch in Stockholm auf der International Voice Teachers Conference über eine neue Gesangsphonetik. Nachzulesen in der kommenden Ausgabe der Vox Humana, Fachzeitschrift des Bundesverbandes Deutscher Gesangspädagogen. Obertongesang ist eine spezielle Gesangstechnik, bei der einzelne hohe Töne so zur „normalen“ Stimme gesungen werden, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden. So entsteht der Eindruck, dass die Person mehrstimmig singt. Wolfgang Saus singt in dieser Technik ganze Oberton-Melodien, während er mit seiner „normalen“ Stimme ein anderes Stück singt.

Besonders eindrucksvoll hat er das bei einem Versuch im Schulerloch mit dem Publikum demonstriert: Er sang eine Reihe von Tönen mit willkürlichen Silben und versteckte darin eine jedem bekannte Melodie, die beim ersten Hören aber nur etwa fünf Prozent aller Menschen heraushören können. Leider waren diese fünf Prozent aber nicht Teil des Publikums, daher ließ Wolfgang Saus im nächsten Schritt die Silbenlaute weg und fragte die Gäste erneut, ob jemand die Melodie erkannt habe.

Nachdem sich nur ein paar Zuhörer gemeldet hatten, sang er die Oberton-Melodie lauter. Schließlich konnte das gesamte Publikum erkennen, welches Stück er mit den Obertönen sang. Als der Künstler seine erste Version des Stücks erneut vortrug, war die Oberton-Melodie für das Publikum nun leicht herauszuhören. Wolfgang Saus erklärte, dass nun das Gehirn darauf „programmiert wäre“, Obertöne zu hören. „So ist es uns möglich, eine neue Welt zu entdecken: Zusätzliche Töne vom Rasenmäher, in der U-Bahn oder beim Stimmen einer Gitarre – bei letzterem führt dieses neue Hören zu einer besser gestimmten Gitarre.“ Und wirklich: Die Stücke, die von den Künstlern dargeboten wurden, führten zu Entspannung und Genuss.

Günter Müller begleitete den Obertonsänger gefühlvoll mit Didgeridoo, Hirten- und Indianerflöten, Querflöte und Sansula. Diese Naturton-Instrumente wurden völlig ohne Verstärkung gespielt – ein Markenzeichen für Konzerte im Schulerloch. Denn die natürliche Akustik des besonderen Konzertraumes begeistert immer wieder selbst erfahrene Musiker.

Besondere klimatische Verhältnisse

So hatte auch Günter Müller seine wahre Freude daran. Er wisse aus Erfahrung, dass das Didgeridoo immer besser klingt, je länger es in der Tropfsteinhöhle gespielt wird. Das hängt mit den besonderen klimatischen Verhältnissen in der Höhle zusammen. Bei seinen einzelnen Solostücken war dies zu hören.

Am 3. Oktober spielt Günter Müller in völliger Dunkelheit seine Instrumente im Schulerloch. Dieses Finsterniskonzert ist alljährlich der ruhige Abschluss der Konzertsaison in der Tropfsteinhöhle.

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