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Freitag, 22. September 2017 21° 2

Austausch

Philosophie – sag’s durch die Blume

Die Berliner Autorin Dr. Nathalie Knapp ging mit dem Herrnsaaler Biobauer Aunkofer auf eine gedankliche Landpartie. Dabei ging es um Verantwortung.
Von Joseph Amberger

Blumenfeld statt Philosphierstube: Auch für Dr. Nathalie Knapp war die Veranstaltung von Franz Aunkofer ungewohnt. Foto: Amberger

Herrnsaal.33 Jahre biologischer Landbau auf dem Hof der Familie Aunkofer in Herrnsaal – zu diesem Jubiläum hat Biobauer Franz Aunkofer eine ungewöhnliche Veranstaltung im Rahmen der bayerischen Öko-Erlebnistage organisiert: ein Gespräch mit der Berliner Autorin und Philosophin Dr. Natalie Knapp, inmitten eines Blütenfelds.

Orientierung in chaotischer Welt

Dazu trafen sich kürzlich ein Kreis von Freunden, Kunden, Kollegen und Geschäftspartnern der Aunkofers in der Herrnsaaler Flur, direkt an der Donau gegenüber der Teufelsfelsen. Nathalie Knapp gestand, dass sie keinerlei Ahnung vom ökologischen Landbau habe – dessen ungeachtet wurde es ein aufschlussreiches und tiefgründiges Gespräch. Im Mittelpunkt standen Thesen aus Knapps Buch „Kompass neues Denken – Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können“ (Rowohlt Verlag). Es ist ein Leitfaden, wie wir uns in einer immer komplexer werdenden Welt orientieren, eine Haltung finden und daraus die Zukunft gestalten können. Es zeigt, wie schwierig es ist, sich vom Massenverhalten abzukoppeln, anders zu denken und anders zu handeln.

Vor dieser Herausforderung stand vor mehr als 33 Jahren auch Franz Aunkofer, wie er rückblickend schilderte: Überzeugt von gesellschaftlichen und politischen Fehlentwicklungen und ihren Auswirkungen auf die Landwirtschaft, wählte er nach einer Phase der Unsicherheit einen anderen Weg. Der sei oft und stark von Anfeindungen und Widerständen gesäumt, aber lohnend gewesen, bilanzierte Aunkofer.

Philosophin Knapp bekräftigte die Bedeutung von Unsicherheit bei der Suche nach neuen Lösungen. Unsicherheit schaffe Sicherheit; sie leite dazu an, regelmäßig inne zu halten, um die Auswirkungen einer Entscheidung zu überprüfen. Die Autorin hob auch die Bedeutung unserer Werteorientierung hervor. Sie nahm als Beispiel Aunkofers Einstellung zum „Lebewesen Boden“. Der Unterschied zwischen werte- und interessengesteuertem Verhalten zeige sich hier: Werte drückten die Haltung eines Menschen gegenüber dem Leben aus, hingegen seien Interessen darauf aus, etwas zu bekommen.

Den Boden wertschätzend nutzen

Wer biologischen Landbau betreibe, wisse, dass er den Boden in den Mittelpunkt seiner Bemühungen stellen müsse und ihn keinesfalls ausnutzen dürfe. Knapp gestand gerne ein: Die Erkenntnis, dass es sich beim Boden um das wahrscheinlich weltweit größte Lebewesen handle, sei ihr – wie wohl vielen Menschen – unbekannt gewesen. Sie sehe jedoch in diesem komplexen Organismus viele Gemeinsamkeiten zur menschlichen Gesellschaft, ihrem eigenen großen Thema.

Knapp betonte: „Keiner von uns kann als Einzelner überhaupt existieren. Wir wirken auf Menschen, Pflanzen, Lebewesen ein, die wirken wiederum auf uns ein. Und je nachdem, was für Haltungen und Werte wir einbringen, wird sich unser Leben so oder so entwickeln.“ Franz Aunkofer formulierte es so: „ So wie wir auf die Dinge zugehen, so werden sie sich entwickeln“.

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