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Region Kelheim
Sonntag, 29. Mai 2016 28° 8

Harry G

Polt als Gottheit, den Papa als Vorbild

Markus Stoll spricht im MZ-Interview über seinen Werdegang, den Gillamoos und wie viel Isarpreiß in ihm selbst steckt.
von Benjamin Neumaier

Markus Stoll hat als Harry G mittlerweile den Durchbruch als Comedian geschafft – eigentlich ist er Diplom-Betriebswirt. Foto: Christian Brecheis

Kelheim. Markus Stoll alias Harry G grantelte in Kelheim, was das Zeug hält. In tiefstem Bairisch machte er sich über die Isarpreißn lustig, „die in weißen Chucks den Berg naufbüffeln“, erzählte von affektierten Yoga-Mamas oder erklärte als Alfons mit tiefer Raucherstimme und Figur Günter, wie es in München eigentlich zu laufen habe. Und auch das Publikum im Weißen Bräuhaus war vor dem Grantler nicht sicher – genau so wie Abensberg, das er zugunsten von Kelheim niedergrantelte. Im Interview mit MZ-Grantler Benjamin Neumaier gab er sich gar nicht grantig – und in klarstem Hochdeutsch.

Servus Markus, der Isarpreiß ist die zentrale Figur in deinem Programm –wie viel Isarpreiß steckt auch in Markus Stoll?

Ich habe vor meinem Leben als Harry G bei einem internationalen Investmentfonds in München gearbeitet – da wurde Hochdeutsch oder Englisch gesprochen. Und da sind natürlich auch viele Isarpreißn dabei –ich habe mir das alles also lange anschauen müssen.

Nur Anschauen oder eben auch aneignen?

Anschauen. Aber natürlich konnte ich in einem Meeting die Leute nicht in tiefstem Bairisch anblöken – deshalb das Hochdeutsch. Ich habe aber die Reißleine gezogen, bevor mich der Isarpreißn-Virus richtig infizieren konnte. Aber ich hab damals schon über diese Leute gegrantelt – heimlich.

Dann hat sich Dein Grant also langsam entwickelt – oder ist Dir das Granteln sogar schon in die Wiege gelegt?

Der kleine Harry mit seinem Papa beim Suppelöffeln - der Opa passt auf. Foto: Stoll

Absolut in die Wiege gelegt. Mein Papa ist jemand, dem nix gepasst hat. Er ist aber ein lustiger Grantler, nicht nur bösartig und verbissen, sondern kann auch über sich selbst lachen. Ein Grantler, der lustig ist, aber dabei auch böse bleibt – gewissermaßen ein Vorbild für Harry G.

Nun grantelst Du beruflich – oder machst Du das auch privat? Ich persönlich habe so eine Grundgrantigkeit – unterstellen mir zumindest Freunde und Bekannte.

Ich bin eigentlich ein lieber Mensch, Typ netter Schwiegersohn – der aber wie Du auch dauergrantig ist.

Dann nutzt Du Harry G als Ventil?

Auf jeden Fall. Harry darf über das öffentlich granteln, was mich aufregt und wo ich sonst stimmlos wäre.

Wie bist Du eigentlich auf die Figur gekommen?

Die Figur Harry G ist im Ursprung tatsächlich ein Bekannter meines Papas, der immer gscherd dahergeredet hat. Wobei der sich mittlerweile eigentlich in der Figur Günter meines Programms zeigt. Harry G bin ich.

Wenn Günter einen realen Hintergrund hat, haben den dann alle deiner Figuren im Bühnenprogramm?

Zu einem sehr hohen Prozentsatz. Alfons, der mit der Raucherstimme, stand immer bei uns vor dem Supermarkt und hat mit eben jener Stimme über sämtliche Themen hergezogen. An dem ist nichts gekünstelt.

Holst Du Dir deine Themen wie deine Figuren auch aus dem realen Leben?

Ich wohne in München direkt an der Isar, bin mittendrin unter den Isarpreißn – die Yogastudios oder die zig Porsches auf den Bürgersteigen bekomme ich täglich mit. Alle Geschichten haben einen wahren Hintergrund, sind so passiert. Das ist mein Viertel – und ein Unterschied zu Gerhard Polt. Der erzählt über sein Dorf und projiziert das auf die große Stadt oder die Welt. Ich bin direkt in der großen Stadt.

Apropos Polt – ein Vorbild?

Kabarettist Gerhard Polt ist für Stoll mehr als ein Vorbild. Foto: Archiv

Ich konnte zu Schulzeiten Polt-Stücke frei nachsprechen – und habe das auch zur Genüge getan. Gerhard Polt kann aber keiner das Wasser reichen – weil er der erste war, der etwas in diese Richtung gemacht hat. Polt als Vorbild? Nein. Polt als Gottheit trifft es eher.

Du hast von Deiner Schulzeit gesprochen – Klassenkasper oder braver Schüler?

Ich hab schon immer meine Scherzchen gemacht, aber Klassenkasper würde ich mich nicht nennen. Klar gab es da immer wieder Einlagen während des Unterrichts von mir, aber ich war dann doch eher zurückhaltend.

Nach der Schulzeit in Regensburg ging es zum Studium nach Innsbruck.

Ich habe dort und in Buenos Aires meinen Abschluss als Diplom-Betriebswirt gemacht.

Also hast Du BWL studiert – ist der BWLer Markus Stoll ad acta gelegt?

Der Investmentbanker ist ad acta gelegt – BWL kann ich immer noch brauchen.

Und nun folgst Du Deiner Berufung?

Ich habe den Beruf gegen die Berufung getauscht, ja.

Dass das geklappt hat, hast Du auch dem Internet zu verdanken – gäbe es Harry G ohne das Internet?

Er hätte sich entwickeln können – aber nicht in dieser Geschwindigkeit und dieser Form, in der es ihn jetzt gibt. Aber dafür ist das Internet, der Daten-Highway, doch da. Das etwas so schnell wie möglich andere Leute erreicht.

Das Internet als Segen – ist es auch ein Fluch? Die Erwartungshaltung deiner Fans, etwa auch Facebook täglich etwas von Dir zu sehen, ist groß?

Dort mache ich was ich will – einen Redaktionsplan gibt es nicht. Den habe ich nur bei Antenne Bayern.

Und ,wie ich hörte, auch bald bei Günter Grünwalds Freitagscomedy im Bayerischen Fernsehen.

Das ist fix, ja.

Ein großer Karrieresprung.

Ich habe mich tierisch gefreut. Natürlich will jeder Comedian nur eines – seine eigene Show und Stefan Raab vom Thron stoßen. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Die Auftritte bei Günter Grünwald sind eine ideale Weiterentwicklung.

Was war eigentlich schöner – deine Anfänge bei Youtube oder so wie es jetzt läuft mit allen Vor- und Nachteilen des Promi-Seins?

Es war alles gleich schön.

Das war ja jetzt wohl eine diplomatische Politiker-Antwort.

Es stimmt aber. Es ist ein stetiger Wandel – und alles daran war und ist zum entsprechenden Zeitpunkt schön.

Dein Leben hat sich gewandelt. Welchem Wandel muss sich die Figur Harry G in Zukunft unterziehen.

Die Figur bleibt gleich, aber die Themen werden sich weiterentwickeln. Harry wird den Isarpreiß langsam abschütteln und sich auf das Leben in München und Bayern fokussieren – allgemeiner denken.

Apropos Weiterentwicklung – Du hast sämtliche Facetten des Oktoberfests begrantelt – wann sehen wir ein Video von Dir über den Gillamoos?

Das Volksfest in Abensberg?

Es ist ein Jahrmarkt!

Ach ja, das hast Du in deinen Videos immer betont. Sorry, ich war da noch nie.

Stimmt, Du hast ja was gegen Abensberg.

Weil ich beim Auftritt im Weißen Brauhaus Kelheim hochleben hab lassen und Abensberg rasiert hab? Das musste ich in Kelheim doch machen. Aber wieso sollte ich Videos über den Gillamoos machen? Da bist Du doch fürs granteln zuständig. Ich fand die Videos übrigens gut – und solltet ihr wieder Gillamoos-Videos drehen, könnten wir ja zusammen granteln.

Die Person Markus Stoll

  • Der bayerische Grant des Harry G trifft den Nerv:

    Mit mehr als sechs Millionen YouTube Clicks auf seine Videoclips und über 110 000 Fans auf Facebook ist er als zeitgemäßer Botschafter bayerischer Lebensart bereits bestens bekannt. Mit seinem Programm „Leben mit dem Isarpreiß“ ist Markus Stoll alias Harry G seit Mitte Mai 2013 auf Tour.

  • In seinem Bühnenprogramm und seinen Clips beschäftigt sich Markus Stoll mit Alltagsthemen und -begegnungen, die sich sein Alter Ego Harry G zwingend von der Seele granteln muss. Bissig und manchmal politisch unkorrekt hält er seinen Mitmenschen den Spiegel vor und bringt dabei so manche Absurdität seines Umfeldes zu Tage.

  • Auf der Bühne:

    In 90 Minuten erzählt Harry G skurrile Geschichten aus dem Leben in der Landeshauptstadt und schlüpft dabei in die Rolle der unterschiedlichsten Figuren. Bewusst überzogen skizziert er den Isarpreiß und veranschaulicht die Auswirkung von dessen Lebensstil auf die bayerische Gesellschaft. Seine grantigen Schimpftiraden glänzen durch intelligenten Witz und eine ordentliche Portion bitterböser Satire, bleiben aber immer menschlich. Denn am Ende möchte er nur eins: „Die Wahrheit sagen“.

  • Lebenslauf:

    Markus Stoll, der sich selbst als verwöhntes Einzelkind bezeichnet, ist gebürtiger Regensburger und verbrachte einen Großteil seiner Kindheit mit seiner Familie am Schliersee. Nach dem Abitur, studierte er Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck und Buenos Aires. Seit 2006 lebt er in München. Wenn er nicht gerade über neue Themen brütet, die er in Clips oder auf der Bühne zur Sprache bringt, frönt der sportliche 35-jährige seinen Hobbies Eisbach-Surfen, FreeSki und Mountainbiken. Er bewundert Gerhard Polt und Fredl Fesl und ist Fan von Helge Schneider und Harald Schmidt. Sich selbst sieht Markus Stoll als zeitgemäßen Bayern, für den Tradition und Moderne keine Gegensätze sind.

  • Kommende Auftritte:

    „Harry G“ mit dem Programm „Leben mit dem Isarpreiß“ kommt am Freitag, 6. November, 20 Uhr, nach Abensberg in den Weißbierstadel; Infos und Karten: www.kabarett-konzerte.de. Mit dem neuen Programm, an dem gerade gearbeitet wird, kommt er 2016 nach Kelheim. Das sagte Markus Laußer von der Kulturbühne Kelheim, der Harry G auch ins Weiße Brauhaus geholt hatte. Kontakt zur Kulturbühne: Tel. 01 79/ 5 98 30 98; E-Mail: info@kelheim-online.de

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