mz_logo

Region Kelheim
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Votum

Reißinger wollen kein Gewerbegebiet

Bei der von der SPD organisierten Infoveranstaltung gab es ausschließlich ablehnende Haltungen aus der Bevölkerung.
Von Roland Kugler

Direkt an der B16 liegt die Fläche, die als Gewerbegebiet vorgesehen ist. Dagegen regt sich nun Widerstand. Foto: Kugler

Reissing.Der Saal im Gasthof Meinzer war am Donnerstagabend fast voll. Die SPD-Ortsvereine von Saal und Mitterfecking hatten zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, nachdem ein Thema seit einiger Zeit hohe Wellen schlägt. Es geht darum, dass ein Investor bei der Gemeinde Saal Interesse an einer Ansiedlung auf einer Fläche bekundet hat, die schon seit einiger Zeit als mögliches Gewerbegebiet im Gespräch ist.

Seit 1996 ausgewiesen

Die Firma Autotechnik Aichinger mit Wurzeln in Raubling bei Rosenheim und Sitz in Neukirchen bei Hemau sucht eine große Gewerbefläche für die Aufbereitung und Lagerung von Fahrzeugen. Bereits 1996 ist im Flächennutzungsplan der Gemeinde Saal ein Gewerbegebiet ausgewiesen worden. Es befindet sich an der Kreuzung bei Reißing, gegenüber der Ortschaft, direkt an der Bundesstraße 16 und der Straße Richtung Schambach/Rohr. Der Grund dafür war, dass sich damals die Kelheimer Brauerei Schneider dort mit einem Lager ansiedeln wollte, es aber dann in Kelheim tat. Seitdem lagen die Pläne für eine gewerbliche Nutzung auf Eis. Als das Interesse der Firma Aichinger im Saaler Gemeinderat bekannt wurde, stellte die SPD-Fraktion den Antrag, das Gewerbegebiet aus dem Flächennutzungsplan wieder herauszunehmen, da sie gegen noch mehr Flächenversiegelung und Landschaftszerstörung ist.

Dies wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt, da sich der Gemeinderat eine eventuelle Nutzung für die Zukunft offenhalten wollte. Als jedoch bekannt wurde, was der Interessent plant, nämlich ein Fahrzeugaufbereitungszentrum mit unter anderem einer Tankstelle, Hallen und Stellplätzen für Lastwagen und bis zu 6000 Autos wurde Unmut und Protest in der Bevölkerung laut. Dieser wurde auch bei der Informationsveranstaltung von zahlreichen Besuchern deutlich artikuliert. Einige meinten, dass das gesamte Landschaftsbild zerstört würde. „Man sieht es an den hässlichen Stellflächen in Saal“, meldete sich ein Bürger zu Wort, „die spiegeln bei Tag und werden in der Nacht beleuchtet.“ „Was ist wichtiger“, fragte ein anderer, „Stellplätze für Autos oder die Erhaltung von Natur und unserer Heimat.“ „Das Gebiet ist viel zu groß für ein Gewerbegebiet“, meinte ein Gast. Mehrere Stimmen äußerten sich besorgt um den Wasserablauf, wenn die Fläche versiegelt würde, da das ganze Gelände eine Hanglage aufweist. „Schon jetzt gibt es Probleme in den Feldern mit Ausschwemmungen bei Starkregen“, berichteten betroffene Landwirte aus Reißing und Einmuß.

Mehr Lärm befürchtet

Andere befürchteten eine noch höhere Verkehrs- und Lärmbelästigung durch ankommende und abfahrende Lkw. Nicht nur an der Bundesstraße, sondern auch auf den Durchgangsstraßen in den umliegenden Ortschaften wie ein Bürger aus Schambach sagte. Nach Meinung einer Besucherin würde es sich nicht um ein Gewerbegebiet, sondern um eine weitere Stellfläche für Autos handeln, von denen es in Kelheim und Saal bereits mehr als genug gäbe.

Eine Anwohnerin erinnerte daran, dass die Kreuzung mit der Bundesstraße ohnehin sehr gefährlich und unfallträchtig sei und es mit zusätzlichem Lkw-Verkehr noch schlimmer werden würde. Ein Anwesender fragte, warum die Firma nicht an ihren Sitz in Neukirchen expandiere, wo sie schon Stellflächen betreibt und ob die Gemeinde Saal versucht hat, ihre bereits vorhandenen Gewerbegebiete zu erweitern. Worauf Gemeinderat Mario Kasper antwortete, dass in Saal nicht genügend große Flächen zur Verfügung stünden und manche Besitzer nicht bereit wären, ihre Grundstücke zu verkaufen. Er nahm auch Saals Bürgermeister Nerb in Schutz, der ebenfalls anwesend war, als diesem schlechte bzw. nicht vorhandene Informationspolitik gegenüber der Öffentlichkeit vorgeworfen wurde. Die Bevölkerung habe erst aus der Zeitung erfahren, was geplant sei, beklagten einige verärgerte Besucher. „Der Bürgermeister hatte schon die Absicht die Öffentlichkeit zu informieren“, sagte Kasper, „allerdings wollte er erst die nächste Gemeinderatssitzung am kommenden Dienstag abwarten, in der das genaue Planungskonzept der Firma vorgestellt wird.“

Ein Landwirt erinnerte daran „dass hier bestes Ackerland ist. Die Fläche wird nie mehr wieder zu Ackerboden und ist für immer tot, wenn sie einmal zugebaut ist.“ Es wurden also große Bedenken und Ablehnung der Bevölkerung offensichtlich, bleibt abzuwarten, wie die genauen Pläne der Firma Aichinger aussehen. Die Gemeinderatssitzung im Saaler Rathaus am kommenden Dienstag ist öffentlich.

Mehr Nachrichten aus Saal lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht