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Region Kelheim
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Erinnerung

Riedenburger bezahlten mit dem Leben

Das Kriegerdenkmal in Riedenburg soll neu gestaltet werden. Die Opfer sollen namentlich aufgeführt werden.
Von Petra Kolbinger

  • Das Kriegerdenkmal im St. Anna-Park in Riedenburg soll nach dem Willen der Stadtväter um die Namen der Söhne, die in den Kriegen ihr Leben gelassen haben, erweitert werden. Foto: Petra Kolbinger

Riedenburg.Das Kriegerdenkmal im St. Anna-Park soll nach dem Willen der Stadtväter um die Namen der Söhne, die in den Kriegen ihr Leben gelassen haben, erweitert werden. Um die Namen der Söhne – und einer Tochter. Denn auf den Listen der im Zweiten Weltkrieg gefallenen und in Gefangenschaft geratenen oder auf der Flucht verstorbenen Riedenburger, findet sich auch ein Frauenname. „Anna-Maria Birnthaler, geboren am 2. Juli 1904, gestorben am 22. September 1944 in München“, steht da zu lesen.

Stadtarchivar Maximilian Halbritter, der die Namen in akribischer Kleinarbeit zusammen getragen hat, um das Gedenken an die Kriegsopfer dauerhaft vor dem Vergessen zu bewahren, erinnerte sich im Gespräch mit unserem Medienhaus daran, „dass Frau Birnthaler schon in den 1950er Jahren Erwähnung beim Krieger- und Kameradenverein, der sich heute Kameraden- und Reservistenverein nennt, gefunden hat“. Er legte der Reporterin das Sterbebild „Zum Andenken im Gebete an unsere liebe unvergessliche Schwester und Schwägerin Frl. Anna Birnthaler von Riedenburg, gef. durch Terrorangriff i. München am 22. September 1944 im 40. Lebensjahr“ vor, aus einem Album, in das der Archivar all die Gebetsandenken an die Kriegsopfer fein säuberlich eingeklebt hat, derer er im Lauf der Zeit habhaft werden konnte. Das Album ist ein trauriger Fundus bebilderter Gebetserinnerungen, die Menschen in der Blüte ihrer Jahre zeigen, wie sie hoffnungsvoll in die Kamera blicken, und in eine Zukunft, die sie nie erleben würden.

Fragen bleiben

Wer war Anna-Maria Birnthaler? Der Vorsitzende des Kameraden- und Reservistenvereins, Johann Bachhuber, kann nicht weiter helfen. Er teilte auf Anfrage mit, beim Eintreffen der Amerikaner in Riedenburg, seien viele Aufzeichnungen des Vereins vernichtet worden oder zumindest auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Nahe Angehörige leben nach Auskunft Halbritters nicht mehr in Riedenburg. Das wiederum ist ein Punkt, der Bachhuber in Sachen Namenstafeln ins Grübeln bringt. Es sei sicherlich richtig, das Gedenken an die Opfer der Kriege zu bewahren, schickt er im Gespräch mit der Reporterin voraus. Allerdings gab er zu bedenken, dass in vielen Fällen im Lauf der Zeit jeglicher Bezug zu der einstigen Heimatstadt verloren gegangen sei. Und so wird vermutlich auch die Geschichte von Fräulein Birnthaler aus Riedenburg nicht mehr ans Licht kommen.

Schwarzer Tag

Fest steht, dass die Bayerische Landeshauptstadt an diesem Tag tatsächlich Ziel von Fliegerangriffen war. So berichtet die Chronik der Feuerwehr Waldtrudering, durch die Nähe zum Flughafen Riem und der Bahnstrecke München-Rosenheim sei Waldtrudering während des Zweiten Weltkrieges zahlreichen Luftangriffen ausgesetzt gewesen, obwohl in diesem Gebiet mit Ausnahme einer Flakstellung südlich der Zehntfeldstraße keinerlei militärisch bedeutsame Ziele gelegen hätten. „So wurden etwa am 22. September 1944 nach halbstündigem Angriff über 100 Schadstellen verzeichnet.“

Kam Fräulein Anna Birnthaler bei diesem Bombardement ums Leben? Oder starb sie in der Nähe von Karlsfeld? Die Chronik der Karlsfelder Grundschule spricht vom schwärzesten Tag in der bis 1802 zurückreichenden gemeinsamen Schulgeschichte der Siedlungen Karlsfeld und Ludwigsfeld: Ein Bombenvolltreffer zerstörte die zweiteilige Schule in Ludwigsfeld an der alten Münchener Straße. Wo auch immer in München ihr Schicksal sie ereilt hat: Anna Birnthaler steht stellvertretend für unzählige Frauen und auch Kinder.

In Stein gemeißelt

Auch wenn ihre Namen selten bis nie Erwähnung auf einem Kriegerdenkmal gefunden haben dürften – für Bürgermeister Siegfried Lösch ist es eine Selbstverständlichkeit, dass auch Anna-Maria Birnthalers Name jetzt buchstäblich in Stein gemeißelt vor dem Vergessen bewahrt werden soll. „Sie steht auf der Liste – sie wird, wenn es dazu kommt, auch auf dem Stein stehen. Gott sei Dank erleben wir heute keinen Krieg. Die Namen der Kriegsopfer am Kriegerdenkmal anzubringen, ist meiner Meinung nach wichtig – als Erinnerung und zur Mahnung! Dieses Denkmal ist kein allgemeiner Erinnerungsort an all die Opfer der letzten Kriege, sondern den Riedenburgern gewidmet, die in den vergangenen Kriegen den höchsten Preis bezahlt haben – mit ihrem Leben“, betonte Bürgermeister Lösch.

Die Pietà im Zentrum, umrahmt von den Worten „Den Opfern der Kriege zum Gedenken. Den Lebenden zur Mahnung“: Das Kriegerdenkmal am St. Anna-Park erinnert bis dato nicht namentlich an die 227 gefallenen, in Gefangenschaft umgekommenen oder vermissten Bürger Riedenburgs. Das könnte sich jetzt ändern. Der Ausschuss für Generationen, Sport und Soziales beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung vor Ort mit dem Entwurf von Steinbildhauer Günter Schinn.

Dem Plan nach würde das bestehende Denkmal zu beiden Seiten flankiert von jeweils einer Stele in Juramarmor. Die weitaus meisten Söhne und die Tochter der Stadt, haben ihr Leben im Zweiten Weltkrieg verloren, wie den Listen zu entnehmen ist, die Stadtarchivar Maximilian Halbritter im Vorfeld zusammen gestellt hatte. Ihren Namen soll eine der beiden Steintafeln gewidmet werden; die zweite soll an die Riedenburger erinnern, die in den Kriegen gefallen sind. Der Blick wird im Entwurf zentral auf die Darstellung Mariens mit dem Leichnam Jesu gelenkt; die Namensstelen sollen schlicht gehalten werden; auf poliertem Grund sieht Schinns Entwurf als gliedernde Elemente Jahreszahlen und ein Kreuz andeutende Linien in roter Farbe vor. Die Buchstaben würden in schwarz gehalten.

Knapp 30000 Euro

Die Kosten würden sich auf knapp 30000 Euro belaufen. Bauhofleiter Karl Schlagbauer bat um eine möglichst wenig pflegeintensive Ausführung. Auf Anregung von Ausschussmitglied Dr. Martin Schwarzmeier, werden noch die Kosten für eine Teilüberdachung zum Schutz des Steins vor Witterungseinflüssen nachgereicht.

Die Entscheidung wird der Stadtrat im kommenden Frühjahr treffen. Bürgermeister Siegfried Lösch (CSU) betonte, ihm sei es seit langem ein Anliegen, die Namen der Riedenburger Kriegsopfer am Kriegerdenkmal anzubringen. Auf die Angebotssumme bezogen, stellte er fest: „Das sollte es uns wert sein!“.

Infos: https://www.feuerwehr-waldtrudering.de/ueber-uns/unsere-geschichte/,

http://www.vgs-muenchen-karlsfeld.de/index.php/ueber-unsere-schule/geschichte

Weitere Berichte aus Riedenburg

Vorstellung

  • Steinbildhauer

    Günter Schinn stellte dem Ausschuss seinen Entwurf für die Erweiterung des Kriegerdenkmals um zwei Namensstelen vor.

  • Die Steintafeln

    würden die Pietà im Zentrum zu beiden Seiten einrahmen und sich an die bestehende Ausführung anpassen.

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