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Region Kelheim
Dienstag, 21. November 2017 7

Gillamoos

Schulz und KTG in den Hauptrollen

Am Politischen Gillamoos-Montag geht es immer rund. Heuer feiern zwei Männer ein Comeback der ganz unterschiedlichen Art.
von Benjamin Neumaier

Martin Schulz war 2013 als Ersatz-Kandidat für Peer Steinbrück und quasi als „Steigbügelhalter“ für Christian Ude im Kampf um das Amt des Ministerpräsidenten am Gillamoos. Fotos: dpa/Archiv-Pieknik/König/ÖDP

Abensberg.Vor knapp vier Jahren, am 2. September 2013, war Martin Schulz schon einmal in Abensberg. Aushilfsweise. Und quasi als Anhängsel. Ursprünglich hätte der damalige Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten, Peer Steinbrück, auf dem Gillamoos sprechen sollen, doch er musste den Termin kurzfristig absagen. Für ihn in die Bütt sprang im Jungbräu-Zelt eben Martin Schulz, damals noch Präsident des Europaparlaments, der in Abensberg sämtliche rhetorischen Register zog.

Eine Stimme wie ein Orkan

Er hielt ein flammendes Plädoyer für Europa – und für einen Politikwechsel auf dem Kontinent. Das machte er in einer Lautstärke, dass er auch ohne Verstärker und Lautsprecher mühelos am anderen Ende des Zelts zu verstehen gewesen wäre. Seine Pointe: „Am 15. September hat meine Frau Geburtstag. Sie hat mich gefragt, was ich ihr schenke. Ude als Ministerpräsident, habe ich gesagt. Also Genossen, lasst mich nicht im Stich. Ich liebe meine Frau.“ Dafür war der Martin damals da – Ude auf den Thron zu heben. Nun feiert Schulz sein Gillamoos-Comeback. Als Kanzlerkandidat – um sich selbst auf den Thron zu heben.

Ein Gillamoos-Comeback der anderen Art feiert dagegen einer, dem man es damals wohl weit eher zugetraut hätte, als Kanzlerkandidat auf den Abensberger Jahrmarkt zurückzukehren – Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg. Kurz: KTG. Der politische Frührentner war bereits 2009, übrigens zeitgleich mit Peer Steinbrück, auf dem Gillamoos zu Gast. Als Bundeswirtschaftsminister – mit AC/DC-T-Shirt und damals noch mit Doktortitel – in einem rappelvollen Hofbräu-Zelt. Auch er grub, vielleicht tief in der Rhetorikkiste und einen Hammer-Vergleich aus: Er traue „der Absage der SPD an Rot-Rot-Grün nur so weit, wie ich einen Konzertflügel schmeißen kann.“

Karl Theodor zu Guttenberg ging im AC/DC-T-Shirt „zum Gesang von Coverband „Vive Volts-Sänger“ Hans Ertl“ am Gillamoos ab. Foto: Archiv-Schönberger

Guttenberg, der 2011 über eine Plagiatsaffäre gestürzt war, arbeitet und lebt inzwischen in den USA. Bei einer Begegnung im März dieses Jahres mit CSU-Chef Horst Seehofer hatte er signalisiert, seine politische Familie auf Wunsch auch im Bundestagswahlkampf zu unterstützen – Comeback-Pläne hege er allerdings keine. Er ist, nimmt man einen Terminus aus dem Bobsport, Anschieber für Angela Merkel, respektive Horst Seehofer. Warum Merkel sich am Politischen Gillamoos nicht selbst ans Pult schwingt – wohl terminliche Probleme. Denn auch die „Perle aus der Uckermark“ (Switch reloaded) hätte Erfahrung: 2002 war sie als CDU-Vorsitzende am Rednerpult – Gerhard Schröder gewann gegen Edmund Stoiber die Bundestagswahl – und 2012 war sie höchstselbst als Kanzlerin auf der Bühne. Im fliederfarbenen Blazer. Mehr oder weniger erfolgreich.

Irgendwie dann doch deplatziert

Damals schrieb der Spiegel: „Es gibt wenige Orte, an denen Angela Merkel so deplatziert wirkt: Auf dem Gillamoos im niederbayrischen Abensberg treten Spitzenpolitiker Zelt an Zelt im Fernduell gegeneinander an – da sind laute, launige Sprüche gefragt. Die Kanzlerin versucht es trotzdem mit Argumenten.“

Oder es verprellte sie der von einem Abensberger gar nicht mal schlecht geschmetterte Song „Angie“ von den Rolling Stones? Das Lied begleitet Merkel seit ihrem Wahlkampf 2005 – richtig warm geworden ist sie damit wohl nie. Am Gillamoos wahrte sie aber die Fassung, wippte sogar etwas mit. Wenn die Union „Angie“ spielen lässt, ist Wahlkampf – oder aber wenn AC/DC läuft. Damit wurde Guttenberg nämlich 2009 überrascht. Und KTG ging richtig ab. Welche Mucke im Jungbräu-Zelt für Martin Schulz lief – außer der von den Sozialdemokraten selbst intonierten Bayernhymne – das ist heute nicht mehr zu eruieren. „Ich bin der Maddin, ne“ läge nahe.

Die Redner am Politischen Gilamoos 2017

Musik hin oder her: Ohne die anderen politischen Auftritte am Gillamoos schmälern zu wollen, sind KTG und „der Martin“ wohl die größten Publikumsmagneten am Gillamoos. Schließlich steht im Jungbräu-Zelt nicht nur der Kanzlerkandidat am Mikrofon, sondern auch der GQ-Mann des Jahres 2012. Und beim Hofbräu schräg gegenüber ist es nicht nur der „Comebacker des Jahres“, sondern der bestangezogenste Mann des Jahres 2011. Reichlich Flair also...

Es geht um Rot gegen Schwarz, Schulz gegen Guttenberg, den Battle der Großen Koalition. Da könnten – bei allem Respekt – Cem Özdemir, Christian Lindner, Alexander Hold, Prof. Dr. Klaus Buchner und Hubert Dorn aufmerksamkeitstechnisch das Nachsehen haben.

Alles rund um den Gillamoos finden Sie hier

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