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Region Kelheim
Mittwoch, 13. Dezember 2017 5

Natur

Schutz vor fußballgroßen Steinbrocken

Ein 240 Meter langer Geröllzaun wurde in Riedenburg fertig gestellt. Er ist Teil des Naturschutzgroßprojektes Altmühlleiten.
Von Petra Kolbinger

Froh über den neuen Zaun: von links Carsten Schleuser (Vorarbeiter Bergsicherung Ilfeld), Wolfgang Harbauer (Ingenieurbüro), Klaus Blümlhuber (Geschäftsführer VÖF) sowie Bürgermeister Siegfried Lösch und Bauamtsleiter Walter Schattat. Foto: Kolbinger

Riedenburg. 14 Tage lang haben drei Mitarbeiter der in Thüringen ansässigen Spezialfirma „Bergsicherung Ilfeld“ unter Hochdruck am Hang über dem Schambacher Weg einen insgesamt 240 Meter langen Geröllfangzaun errichtet. Die Zeit drängte, denn mit dem Jahr 2017 endet auch die Dauer des Naturschutzgroßprojektes Altmühlleiten und der Bau eines Schutzzaunes, der nötig war, um eine durchgängige Beweidung zwischen der ausgedehnten Wacholderheide am Lintl-berg und dem Kreuzfelsen zu ermöglichen, war unerlässlich, um die nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erhaltende Magerrasenvegetation zu schützen und zu erhalten.

Material den Hang hinauf

Der Zaun ist so konzipiert, dass er die unterliegende Bebauung vor Steinen schützt, die möglicherweise durch Schaftritte gelockert werden und abgehen könnten. Am Donnerstag kurz vor Mittag fand vor Ort die Abnahme des Geröllfangzaunes – einer der letzten größeren Maßnahmen des Altmühlleitenprojektes – statt. Vorarbeiter Carsten Schleuser nahm den Dank und die Anerkennung für die „professionelle und zügig durchgeführte Arbeit“ entgegen. Bürgermeister Siegfried Lösch und Bauamtsleiter Walter Schattat, der Geschäftsführer des Landschaftspflegevereins VÖF, Klaus Blümlhuber, und Wolfgang Harbauer vom gleichnamigen Ingenieurbüro, dem der VÖF die Bauüberwachung übertragen hatte, zollten den Mitarbeitern der BSI Respekt für die Leistung. „Die drei Arbeiter haben alles Material, Werkzeug und Baustoffe händisch den steilen Hang hinauf geschleppt“, betonte Harbauer. Rund 60 so genannte „Steher“ wurden bis zu einen Meter im gewachsenen Boden einbetoniert.

„Der Waldboden überdeckt die Felsen hier nur mit knapp zehn Zentimetern, informierte er. Dazwischen wurden 240 Meter Metallflechtzaun gespannt, der zudem mit rund 32 Ösen und Abspannseilen verankert ist. Laut Harbauer ist der anderthalb Meter hohe Zaun so konzipiert, dass er von Schafen losgetretene Geröllbrocken bis Fußballgröße zuverlässig von den unterliegenden Gebäuden fernhält.

Man rechnet mit einer Lebensdauer von rund 50 Jahren. Schwachpunkt seien die verzinkten Metallseile, die zudem nicht selten Zielscheibe von Vandalismus würden. Die Wartung des Geröllfangzaunes obliegt jetzt der Kommune als Grundstückseignerin. Sie beschränkt sich allerdings auf gelegentliche Kontrollgänge. Bäume, die auf den Zaun stürzten oder Geröllbrocken, die die Funktion des Zaunes beeinträchtigen könnten, müssten entfernt werden, hieß es.

Schonender Eingriff in die Natur

Alle Beteiligten zeigten sich glücklich darüber, dass die Arbeiten unfallfrei und innerhalb des gesetzten Zeit – und Kostenrahmens umgesetzt werden konnten. Der laufende Meter kostet im übrigen rund 100 Euro. Klaus Blümlhuber dankte auch Bauamtsleiter Walter Schattat, der gemeinsam mit VÖF-Mitarbeiter Andreas Frahsek die Trasse ausgewählt hatte, auf der der Zaunbau am schonendsten erfolgen habe können und vergleichsweise wenige Büsche und Bäume hätten entfernt werden müssen.

Siegfried Lösch war es wichtig, an dieser Stelle noch einmal dem Stadtrat zu danken, der nach eingehender Diskussion dieser Kompromisslösung zugestimmt habe. Die umfasst neben dem fraglichen Geröllfangzaun noch eine Nutzungsänderung von Wald in eine Weide auf rund 1,6 Hektar im Oberhang. Der mittlere und untere Hangbereich bleiben unverändert und von der Beweidung ausgenommen. Eine Baumfällung im Weidebereich ist aktuell nicht vorgesehen.

2,5 Millionen Euro im Landkreis

Mit der Fertigstellung des Geröllfangzaunes ist das Naturschutzgroßprojekt Altmühlleiten jetzt endgültig auf der Zielgeraden. Ende 2017 wird es abgeschlossen sein. Dann werden insgesamt rund sieben Millionen Euro zugunsten von Natur und Kulturlandschaft in das Projektgebiet entlang der Altmühl von Pappenheim bis Kelheim, geflossen sein. 2,5 Millionen Euro davon wurden im Landkreis Kelheim eingesetzt. In Riedenburg ist jetzt der Weg frei für den Hüteschäfer. Blümlhuber rechnete damit, dass der im Frühjahr mit seinen wolligen Landschaftspflegern am Lintlberg die Arbeit aufnehmen wird.

Modellcharakter

  • Das Naturschutzgroßprojekt

    „Altmühlleiten“ hat laut Bundesamt für Naturschutz Modellcharakter. Die erzielten Erfolge, insbesondere in Zusammenarbeit mit den Schäfern, Landwirten und der Region, hätten eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Naturschutz sich sehr gut mit wirtschaftlichen Interessen kombinieren lasse.

  • Die Mager-,

    Trocken- und Felsrasen des Altmühltales gehören zu den wertvollsten Vorkommen in deutschen Mittelgebirgen. Das Naturschutzgroßprojekt „Altmühlleiten“ leistet laut Bundesamt für Naturschutz einen bedeutenden Beitrag zu ihrer dauerhaften Sicherung.

  • In Riedenburg

    ermöglicht der eben fertig gestellte, 240 Meter lange Geröllfangzaun zum Schutz der Unterlieger vor durch Schaftritt gelöste Geröllbrocken die durchgängige Beweidung der weitläufigen Wacholderheiden am Lintlberg in Richtung Kreuzfelsen.

  • Nur durch

    die Beweidung mit Schafen lässt sich die nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erhaltende Magerrasenvegetation dauerhaft schützen und erhalten. (epk)

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