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Region Kelheim
Samstag, 18. November 2017 5

Natur

Seinem Kennerblick entgeht nichts

Für den Ihrlersteiner Manfred Rappl ist der Herbst eine spannende Zeit. Dann ist der Pilzesammler draußen im Wald unterwegs.
Von Renate Beck

Schwammerlsucher wie Manfred Rappl gehen mit Späheraugen durch Waldlichtungen und Dickicht. Am frühen Morgen kommt die Sonne erst langsam durch die Bäume. Foto: Beck

Ihrlerstein.Sonntagmorgen, 6 Uhr. An Seitenwegen sieht man ungewöhnlich viele Autos parken. Bepackt mit Körben und Taschen steigen die Insassen aus ihren Fahrzeugen. Warum? Sie gehen „in die Schwammerl“ – zum „Pilze sammeln“. Bei kühlen 11 Grad begleitete auch unsere Mitarbeiterin den erfahrenen Pilzsammler Manfred Rappl zu seiner Schwammerlrunde im Paintner Forst.

Der Parasol ist auch auf unseren heimischen Wiesen zu finden. Seine aufgespannten Hüte kann man wie ein Schnitzel zubereiten, seine Stiele zu Pilzpulver verarbeiten. Foto: Beck

Wo genau, das soll wie bei Pilzsammlern so üblich, ein Geheimnis bleiben. Bereits als Kind war der gebürtige Paintner zum Schwammerlsuchen unterwegs. Er kennt nicht nur gute Plätze, sondern auch sehr viele Pilze. Rappl erzählt, dass er am Anfang seiner Sammelzeit seine Funde mit Bilder und Beschreibungen aus Büchern verglichen hatte. Nein – zu Vergiftungen sei es bei ihm noch nie gekommen. Er verzehre nur die Pilze, die er auch sicher bestimmen kann. Im Laufe der vergangenen fast 50 Jahre seien das sehr, sehr viele geworden. Auch Trüffel habe er schon gefunden: „Vor zehn Jahren mit meinem Sohn.“

Auch die Wildschweine waren da

Während er auf feuchtem Moos durch die Lichtung spaziert, bleibt er immer wieder stehen. Sein Blick schweift über den umliegenden Waldboden. „Da steht einer !“ Schnellen Schrittes bewegt er sich auf einen Pilz zu. „Ein Samtfußkrempling – ungenießbar.“ Weiter geht es über einen kleinen Hang. Der aufgerissene Waldboden zeigt Wildschweinspuren. Ob er davor Angst hat? „Vor Jahren ging ich mal an einer Wassersule vorbei. Da stand plötzlich ein Wildschwein. Wir sahen uns an und haben dann alle zwei geschrien.“ Er sei trotzdem immer gerne im Wald unterwegs. Es sei ein Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit.

Der Speisetäubling ist ein Speisepilz mit fleischfarbenem, bräunlichen Hut und weißlichem Stiel. Er wächst im Laub- und Nadelwald. Geschmack: mild – nussartig. Foto: Beck

Immer wieder bleibt Rappl stehen, atmet kräftig durch und lauscht den Geräuschen des Waldes. Von weither hört man einen Hahn krähen. Ein Eichelhäher warnt seine Artgenossen vor uns Eindringlingen und der Specht klopft deutlich hörbar an einen Baum. „Mir gefällt es hier im Wald auch dann, wenn ich keine Schwammerl finde“, sagt Rappl und bückt sich zeitgleich Richtung Erde. „So sieht man sie auf dem Waldboden besser.“

Gummiartig und zäh

Unter dem weichen Moos schimmert ein feuerroter Spei-Täubling hervor. Nebenan leuchtet ihm die goldgelbe Koralle entgegen. Beide läßt Manfred Rappl stehen. Der eine ist schwach giftig und der andere gummiartig zäh. Manfred Rappl bückt sich erneut. Unter einer Gruppe Birken sucht er nach Birkenpilzen und Rotkappen. Vergeblich. „Die Feuchtigkeit wäre da. Es hat viel geregnet. Aber nein…“ Weiter geht es bergauf. Äste knacken unter den Füßen.

„Dort – ein Hexenröhrling“, ruft der Pilzliebhaber und zückt sein Messer. Rappl schneidet dessen zitronengelbes Fruchtfleisch an. Sofort verfärbt es sich blau. Für ihn sei es normal, die Pilze noch an Ort und Stelle grob zu säubern, sagt der Experte, und – ganz wichtig –die Entnahmestelle wieder zu verschließen. Somit würde kein nachkommender Pilzesucher diesen Fundort sehen.

Der Hexenröhrling sieht zwar gefährlich aus (gelb-rotfleckig. Wird beim Anschneiden sofort blau) und ist roh giftig – gekocht ist er aber ein guter Speisepilz. Foto: Beck

Den mitgeführten Pinsel benutzt er nicht nur zum Säubern, sondern auch zum Freilegen der Hutkappen, die der Waldboden noch nicht vollständig freigegeben hat. Ein alter Luftballon mit Schnur liegt auf dem Weg. „Von denen habe ich schon viele gefunden. Immer, wenn eine Karte dranhing, habe ich sie zurückgeschickt.“ Der Waldboden ist übersäht von Fichtenzapfen. „Eine Gruppe Rotfussröhrlige! Da geht mein Schwammerlherz auf“ sagt Rappl in die Stille und bewegt sich auf eine Baumgruppe zu.

Mit dem Fingern auf Tuchfühlung

Bei den älteren Exemplaren erfühlt er mit den Fingern zunächst an der Hutunterseite deren Reifezustand. Manch altes Objekt ist bereits weiß gefärbt. Die jungen aber, die wandern in seine Tasche. Mit „Jetzt gehen wir noch da runter. Da gibt es normalerweise Pfifferlinge“ gibt Rappl die weitere Richtung vor. „Jetzt geh langsam – Vorsicht!“

Ockergelbe Punkte – manche winzig klein und fürs ungeübte Auge kaum erkennbar – verteilen sich auf den mit Fichtennadeln und Moos belegten Waldteppich: „Pfifferlinge! Die gibt es an dieser Stelle schon seit ich weiß. Ursprünglich wuchsen hier aber viel mehr. Da war schnell ein ganzer Suppenteller davon voll.“

Den Samtfußkrempling findet man oft an toten Stümpfen von Nadelbäumen. Er ist ungenießbar. Sein brauner Hut ist unregelmäßig geformt, sein Hutrand eingerollt. Foto: Beck

Die kleinen Exemplare läßt er auch diesmal stehen, „damit sich der Bestand wieder erholen kann.“ Auch wenn er an diesem Sonntagmorgen nur wenige Pilze und auch keinen Steinpilz gefunden hat – für Manfred Rappl waren die frische Luft und die Ruhe im „Doktor Wald“ trotzdem ein Genuss.

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