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Region Kelheim
Samstag, 25. November 2017 13° 2

Interview

Sie kennt die Probleme von Schülern

Schulsozialarbeiterin Jessica Metko ist an städtischen Schulen in Kelheim tätig. Sie kümmert sich auch um Schulverweigerer.
Von Elfi BACHMEIER-FAUSTEN

Schulsozialarbeiterin Jessica Metko

Kelheim.Frau Metko, Sie sind nun rund zweieinhalb Jahre Schulsozialarbeiterin an städtischen Schulen in Kelheim. Wie ist die Entwicklung seit April 2015?

Das Schöne daran ist, dass die Stelle sehr flexibel ist und ich mich den Anforderungen der Schulen anpassen kann. Nach und nach sind immer mehr Projektarbeiten dazugekommen. Das Angebot der Schulsozialarbeit hat sich etabliert und wird von den Schülern angenommen.

Welche Anliegen haben die Schüler?

Das ist sehr unterschiedlich. Es geht bei Streitereien im Freundeskreis an, verringertes Selbstbewusstsein, Auffälligkeiten im Sozialverhalten, Schwierigkeiten im Elternhaus.

Was ist das größte Problem der jungen Menschen, die zu Ihnen kommen?

Die Konflikte mit den Gleichaltrigen oder in der Klasse.

Besteht ein Unterschied zwischen Grund- und Mittelschülern?

Dadurch, dass die Schüler in der Mittelschule von sich aus zu mir kommen, sind es mehr die Anliegen, die die Schüler selbst betreffen und die sie selber als Probleme einstufen können. Da sind die Grundschüler noch zu jung und können sich nicht zu Problemen äußern. Ihnen fehlt noch die emotionale Reife. In der Grundschule kommen eher die Lehrer zu mir, weil ihnen Verhaltensauffälligkeiten an Schülern aufgefallen sind.

Nutzen auch Eltern und Lehrer das Beratungsangebot?

Eltern kommen von sich aus zu mir oder auf den Rat eines Lehrers. Wenn Lehrer sich Sorgen um einen Schüler machen, dann wenden sie sich auch an mich. Ich versuche sehr eng, mit den Lehrern zusammenzuarbeiten.

Im Schuljahr 2016/2017 kamen 107 Schüler zur Beratung, wo die meisten?

An der Wittelsbacher Mittelschule insgesamt 74, an der Grundschule Nord waren es 19 Fälle und in Hohenpfahl 14. Die Mittelschule hat doppelt so viele Schüler als eine Grundschule. Die Mittelschule besuchen knapp 400 Jugendliche. Da die Mädchen und Jungen älter sind als Grundschüler, kommen die Mittelschüler vermehrt von sich aus auf die Schulsozialarbeit zu.

Wie viele Probleme konnten Sie im Schuljahr 2016/2017 lösen?

Im Laufe des vergangenen Schuljahres an der Wittelsbacher Mittelschule konnten 40 Fälle gelöst werden, an der Grundschule Nord waren es zehn Fälle, die im Laufe des Schuljahres gelöst werden konnten, und in Hohenpfahl acht Fälle.

Was ist mit den übrigen Schülern?

Die werden entweder weiterbetreut oder sind aufgrund eines Schulwechsels nicht mehr in meiner Zuständigkeit beziehungsweise nicht mehr in meiner Erreichbarkeit.

Worum geht es, bei längerfristigen Fällen?

Das ist unterschiedlich. Da geht es um Verhaltensmuster, die nicht von heute auf morgen abgelegt werden können, sondern die Schüler langfristige Unterstützung benötigen.

Betreuen Sie die Schüler alleine?

Teils sind die Schüler alleine bei mir in Beratung mit Einziehung der Erziehungsberechtigten. Andererseits ist oft ein großes Unterstützernetzwerk im Hintergrund tätig, zum Beispiel die Erziehungsberatung oder die Schulpsychologische Beratungsstelle.

Arbeiten Sie auch mit dem Jugendamt zusammen?

Mit Kenntnis der Eltern ja

Wie wichtig ist Ihnen das Netzwerk, in dem Sie mit verschiedenen Stellen sind?

Sehr wichtig, weil es notwendig ist, mit verschiedenen involvierten Stellen zusammenzuarbeiten und nicht nebeneinander.

Sie werden sicher manchmal mit sehr schwierigen Angelegenheiten konfrontiert?

Ganz klar natürlich, so wie es an jeder Schule Kinder gibt, denen es nicht sehr gut geht. Natürlich gibt es auch Fälle, bei denen ein Hausbesuch notwendig ist, zum Beispiel bei Schulverweigerung. Aber das ist ja in allen Schularten übergreifend.

Holen Sie dann das Kind an die Schule zurück?

Wenn es mit den Eltern abgesprochen ist, dann mache ich das, dass ich zu Hause vorbeikomme und das Kind abhole.

Warum verweigern Kinder einen Schulbesuch?

Das kann an emotionalen, psychischen Schwierigkeiten liegen, manchmal gibt es Probleme mit Gleichaltrigen oder Schulangst und vieles mehr.

Ist Mobbing ein Thema an Schulen, an denen sie tätig sind?

Mobbing ist an jeder Schule eine Problem. Früher nannte man es hänseln und die Kinder mussten alleine zurechtkommen. Heute gibt es die Möglichkeiten, mit Lehrern oder Sozialpädagogen darüber zu sprechen.

Wie macht sich Mobbing bei Schülern bemerkbar?

Das kann sich in Niedergeschlagenheit, Rückzug oder Aggression zeigen. Wobei da natürlich individuell auf jeden Fall extra eingegangen werden muss. Man kann ja nicht verallgemeinern.

Hatten Sie auch schon einmal einen absoluten Notfall?

Nein

Sind auch Drogen in Ihrem Arbeitsbereich ein Thema?

Ja, in geringem Ausmaß. Wobei man da klar differenzieren muss, dass von diesen wenigen Fällen das legale Drogen wie Rauchen oder Alkohol sind.

Ist die Situation an den städtischen Schulen in Kelheim mit der in Großstädten vergleichbar?

Die Problemlagen sind ähnlich, aber über die Häufigkeit habe ich keine Kenntnis. Beim Austausch in den Arbeitskreisen, in denen ich tätig bin, zeigt sich, dass die Probleme an anderen Schulen im Landkreis sehr ähnlich sind.

Zur Person

  • Studium

    Jessica Metko ist studierte Sozialpädagogin. Sie hat nach dem Studium in Ingolstadt in verschiedenen Maßnahmen der Arbeitsagentur und des Sozialfonds gearbeitet, wozu z. B. ausbildungsbegleitende Hilfen gehörten.

  • Träger

    Die 27-Jährige, die im Kreis Kelheim aufwuchs und in Sinzing lebt, ist in Kelheim in der Schulsozialarbeit tätig, die unter der Trägerschaft des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt ist. Die Stadt finanziert dieses Angebot.

  • Berufsfeld

    Was bedeutet Ihnen die Schulsozialarbeit? „Das ist ein sehr wichtiges Berufsfeld, weil viele Problemlagen bearbeitet werden können, die sich in Zukunft zu größeren Schwierigkeiten entwickeln könnten.

  • Ansprechpartnerin

    Gerade das Lebensumfeld Schule ist ein Bereich, in dem die Kinder mehrere Stunden täglich bis einen Dreivierteltag verbringen. Schön ist, dass man da auch Ansprechpartner für diese Kinder sein kann. (eb)

Welche Projekte haben Sie durchgeführt?

Im vergangenen Schuljahr „Umgang mit Prüfungsstress“, „Soziales Kompetenztraining“, ein Verhaltenscoaching und im Zusammenarbeit mit verschiedenen Lehrkräften das Gewaltpräventionsprogramm „Pack’ ma’s“. An der städtischen Aktion „Wunschzettelbaum“ war ich beteiligt.

Wie war die Resonanz bei den Schülern auf die Projekte?

Die Schüler haben das sehr gut angenommen und sehr gut mitgearbeitet.

Nachdem Sie an der Aktion „Wunschzettelbaum“ beteiligt waren, ist Ihnen sicherlich bekannt, wie die wirtschaftliche Situation von so manchen Familien in der Kreisstadt Kelheim ist?

Ja, es ist Bedarf da. Es gibt nicht nur Familien, denen es finanziell gut geht.

Kommen auch Kinder von Flüchtlingen zur Schulsozialarbeit?

Ja, das ist verhältnismäßig wenig, da im vergangenen Schuljahr viele Flüchtlingskinder in den drei Übergangsklassen in Saal waren.

Was tun Sie zur Integration von jungen Flüchtlingen an Schulen?

Da sind Gespräche mit der Klasse, die sie besuchen, und mit den betroffenen Schülern möglich und die Wittelsbacher Mittelschule hat zum Beispiel von sich aus das Programm „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“ angefangen. Das ist von den Schülern ausgegangen, das fand ich sehr schön.

Sie sind ab diesem Schuljahr erstmals
auch an der Grundschule Kelheimwinzer. Warum war das früher nicht der Fall?

Die Schule hat mich von sich aus dieses Jahr angesprochen, dass sie sich Unterstützung wünschen würden.

Wie oft sind Sie an den einzelnen Schulen?

Ich bin an vier Tagen in der Woche je drei Unterrichtseinheiten an den Grundschulen verteilt und den Rest der Zeit bis ca. 16 Uhr oder nach Terminvereinbarung in meinem Büro an der Wittelsbacher Mittelschule.

Was haben Sie sich für dieses Schuljahr für die einzelnen Schulen vorgenommen?

Dass die Projektarbeit ausgebaut wird und die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften weiterhin so kooperativ ist und ich den Kontakt zu den Erziehungsberechtigten weiter ausbauen kann.

Wie wollen Sie mit Eltern noch mehr in Kontakt treten?

Ich bin zum Beispiel bei Elternabenden involviert und versuche auch, über Aushänge und Internetpräsenz auf die Schulsozialarbeit aufmerksam zu machen.

Schaffen Sie das alles alleine?

Ja, es ist für mich machbar mit Unterstützung meiner wirklich sehr engagierten Lehrkräfte und Rektoren.

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