mz_logo

Region Kelheim
Dienstag, 23. Januar 2018 10

Zivilcourage

So sind Konflikte zu vermeiden

Grundschule Hausen engagiert die Theatergruppe „Die Trampelmuse“ – von Aufführung lernen die Schüler.
VON EDITH VETTER

Tomi wird absichtlich von seinen Freunden mit dem Fahrrad abgehängt und im Stich gelassen. Foto: Vetter

HAUSEN.Kinder lassen beim Streiten ihren Gefühlen freien Lauf und reißen oft immer wieder Grenzen ein. Doch streiten muss sein! Mit dem Verhalten trainieren Kinder ihren Umgang mit Konflikten. Wer als Kind die Auseinandersetzung mit Konfliktsituationen übt, dem wird später auch ein harmonisches Miteinander gelingen, sagen Experten.

„Wehr Dich doch“

Damit Kinderstreit nicht aus dem Ruder läuft, hat die Grundschule Hausen die Theatergruppe „Die Trampelmuse“ engagiert, die das Stück „Wehr Dich doch“ mit der dritten und vierten Klasse in Szene setzte. „Wehr Dich doch!“, lautet häufig die Aufforderung, wenn Unrecht passiert. Aber wie? Um Schimpfwörter, Ausgrenzung oder Gewalt zwischen Kindern geht es in dem Stück. Aber auch darum, wie Gewalt entsteht, wie sie eskaliert und was man dagegen tun kann. In dem sehr facettenreichen und einfühlsamen Stück zeigte die Theatergruppe mit den Schauspielern Christel Feiler, Gabriele Graf und Stefan Stefinsky das kindgerechte Verhalten und forderte zum Einmischen auf.

„Lucki, wart halt auf mich! Ich hab’ doch ein altes Radl“, ruft Tomi völlig außer Atem hinter seinem Freund her. „Gscheidhaferl Tomi!“, schreit Lucki, tritt noch fester in die Pedale und fährt davon. Tomi bleibt zurück – zusammengekauert und allein sitzt er auf der Bühne. Ein fast ganz normaler Tag im Leben der Geschwister Anja und Tomi. Sie sind die Hauptfiguren in „Wehr Dich doch“. Beide sind Opfer von Beleidigungen und Demütigungen durch Mitschüler und Freunde, werden aber in Folge dessen auch selbst zu Tätern und tragen ihre Frustration und Aggression weiter. Die Schüler werden aufgefordert, selbst Lösungen zu finden und einzubringen.

„Es geht um die inneren Bilder. Wir wollten die feinen Fäden von Gewalt herausarbeiten“, so Christel Feiler, die das Stück entwickelt hat. Nach der ersten gespielten Szene wird das Stück angehalten und die Schüler aufgefordert, Lösungsvorschläge zu finden und mitzuspielen. Die Szene wird noch einmal gespielt, aber dieses Mal unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Verhaltensweisen, um Konflikte zu vermeiden. Mit kleinen, effektvollen Einfällen gelingt es den Schauspielern, Emotionen wie Schmerz, Traurigkeit, Wut und Angst zu vermitteln. So hatten die Hauptdarsteller Anja und Tomi ein weißes Blatt Papier an die Brust geheftet, das sich im Laufe des Stückes mehr und mehr zusammenknüllte, vor Schmerz und Kummer. Zivilcourage beginnt damit, Konfliktsituationen zu erkennen und den Mut aufzubringen, sich angesprochen zu fühlen. Der erste Schritt ist gemacht, wenn man sich an seinen Nächsten wendet und sagt: „Siehst Du was ich sehe? Das finde ich echt nicht gut!“ So soll dazu ermuntert werden, bei einem Konflikt nicht wegzusehen.

Ein wichtiger Baustein

Am Ende lernten die Schüler das Versöhnungsritual: „Winne, wanne, wu – gewonnen hast Du!“ Es bietet die Möglichkeit, Streit endgültig zu beenden. „Wehr Dich doch“ biete keine Patentlösung – sei jedoch ein wichtiger Baustein zur Gewaltprävention, so Feiler. Die Kinder vertieften in den jeweiligen Klasse noch unterschiedliche Schwerpunkte aus der Aufführung.

Weitere Berichte aus Hausen lesen Sie hier

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht