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Region Kelheim
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Versorgung

Stromausfall war nicht einziges Problem

Zwei Stunden lang war Kelheim am Dienstag vom Stromnetz abgeschnitten. Ursache für den Ausfall war ein Erdschluss.

Das Umspannwerk Saal bei Kelheim lieferte keinen Strom mehr. Foto: Beate Weigert

Kelheim.Erst am Mittwochvormittag lief in Kelheim wieder alles normal. Der umfangreiche Stromausfall am Dienstagnachmittag hatte weitreichende Folgen. Davon berichteten die Stadtwerke Kelheim in einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag. Unter anderem blieben Wohnungen und Häuser kalt, die von einem ebenfalls stromlosen Heizkraftwerk versorgt werden und im Kelheimer Ortsteil Weltenburg wurde das Trinkwasser knapp.

Pressetermin bei den Stadtwerken am Mittwochvormittag Foto: Weigert

Laut der Mitteilung der Stadtwerke hatte sich gegen 13:30 Uhr auf der 20kV-Kabelleitung zwischen der Trafostation Stadtwerke und der Trafostation Sandfeldstraße ein Erdschluss ereigne. Von diesem Kabel fiel eine von drei Phasen aus. Der Strom wird in so einem Fall über die verbleibenden zwei Phasen geleitet. Zu diesem Zeitpunkt war die Stromversorgung nicht unterbrochen. Dieser einpolige Fehler, sprich Erdschluss, hatte einen Dominoeffekt ausgelöst. Durch die Überbeanspruchung der verbleibenden zwei Phasen kam es um 14:56 Uhr zu einem Doppelerdschluss, sprich Kurzschluss, im Bereich der Kabelstrecke zwischen den Trafostationen Regensburger Straße und Hohenpfahlweg. Nach derzeitigem Kenntnisstand ist im Umspannwerk Saal/Donau, das vom vorgelagerten Netzbetreiber galvanisch getrennt ist, der Leistungsschalter gefallen. Das hatte zur Folge, das weite Teile der Kreisstadt Kelheim (Affecking, Bauersiedlung, Gronsdorf, Innenstadt) sowie die Ortsteile Weltenburg, Staubing und Stausacker ab diesem Zeitpunkt spannungslos waren.

Die Uhr am Mittertor zeigte es genau an: Um 14.56 Uhr blieben die Zeiger des Zeitmessers am historischen Kelheimer Stadttor stehen und auch im Rest der Kreisstadt ging erst einmal gar nichts mehr. Der Strom war weg. Großflächig. Erst nach gut zwei Stunden konnte Christian Kutschker, Leiter der Stadtwerke Kelheim, nach fieberhafter Arbeit von zahlreichen Angestellten und Helfern mitteilen: „Kelheim ist wieder am Netz.“

Das war der Moment, der um 17.09 Uhr für Überraschung auf dem Ludwigsplatz sorgte. Als unvermittelt alle Lichter der Weihnachtsbeleuchtung wieder angingen und einer Passantin einen „magischen Moment“ bescherten. Weniger magisch war die große Ungewissheit zuvor. Was den Stromausfall ausgelöst hatte und wie lange er wohl dauern würde.

Ursache war ein Erdschluss

Die Ursache für den „Blackout“ lag wohl beim Umspannungswerk in Saal. Das Werk konnte keinen Strom mehr liefern. Grund für den Ausfall war ein sogenannter Erdschluss in einer 20kV-Leitung, wie der Leiter der Stadtwerke Kelheim, Christian Kutschker, auf Nachfrage mitteilte. Dabei handelt es sich um einen Kurzschluss in der Hauptleitung in großem Ausmaß. Der Erdschluss führte zu einer „extremen Spannungslosigkeit im Netz“, wie die Stadtwerke weiter erklärten.

Von der Störung war der gesamte Stadtbereich und der Umkreis der Kreisstadt betroffen. Foto: Weigert

Dabei war besonders der Stadtnorden von Kelheim betroffen. Daraufhin gab es ein weiteres technisches Problem im Stromnetz bei Affecking/Hohenpfahl, das einen Dominoeffekt auslöste. Während aber im Mitterfeld oder der Bauersiedlung die Häuser noch beleuchtet waren, gab es Ausfälle in vielen Ortsteilen bis nach Weltenburg und besonders in der Altstadt. Auch Polizei und Feuerwehr arbeiteten nur noch mit Notstrom.

Die Stromlosigkeit – und damit das Erlahmen der modernen Gesellschaft – trieb die Menschen auf die Straße. So tröpfelten die Angestellten der Kelheimer Stadtverwaltung nach und nach aus dem Rathaus, vor den Geschäften bildeten sich Menschentrauben – und die Gerüchteküche brodelte. Nur: Kurz nach 15 Uhr wusste noch niemand etwas Genaues.

Fast ein wenig verstört rannten zwei Mitarbeiterinnen des Bekleidungsgeschäfts Götz über den Stadtplatz: „Nichts geht mehr! Wir haben den Laden jetzt dicht gemacht.“ Verzweifelt versuchten sie, ihre Geschäftszentrale in Dietfurt zu verständigen – aber auch die Handys waren tot. „Da sieht man erst, wie abhängig man vom Strom ist.“ Aus einer Bäckerei Ebner/Metzgerei Kraus in der Donaustraße winkten Angestellte nach draußen – die Schiebetür ließ sich nicht mehr öffnen. Die Kunden konnten das Geschäft zumindest durch den Hinterausgang verlassen.

Auch bei Bauer & Sohn in der Donaustraße ließ man sich im Halbdunkel über die möglichen Ursachen aus, verkaufte aber zumindest noch kurz noch weiter – und zwar in romantischem Ambiente. Ohne elektronische Kasse und bei Kerzenschein wechselten Zeitungen oder Glückwunschkarten den Besitzer.

Im Café Markl gings romantisch zu - dank Gasofen und Kerzenlicht. Foto: Weigert

Im Café Markl ging’s ebenfalls romantisch zu. Bei Kerzenschein saßen die Gäste gemütlich bei heißem Kaffee oder Tee beisammen. Manch Uninformierter mutmaßte, dass dies Absicht sei. Nö, sagte die Chefin und grinste. Denn dank Gasofen konnte der Betrieb weiterlaufen.

Die Goldbergklinik hatte Strom und lief gar nicht auf Notstromaggregat wie zunächst vermutet. Dennoch fielen teilweise Telefone und PCs aus. Foto: Weigert

Große Hektik hatten hingegen die Verantwortlichen in der Goldberg-Klinik. Zunächst war Geschäftsführerin Dagmar Reich davon ausgegangen, dass das Notstromaggregat im ganzen Haus angesprungen war. Wie sich kurz nach 17 Uhr herausstellte, sei dies aber nicht der Fall gewesen. Dennoch hatten sie, die Dame vom Empfang oder Dr. Michael Reng von der Notaufnahme und viele andere alle Hände voll zu tun. Von außen kamen Anfragen, ob Menschen, die beatmet werden müssen, ins Krankenhaus verlegt werden können. Innen galt es die Kommunikation zu koordinieren. Denn tragbare und Festnetztelefone sowie PCs hatten ausgesetzt.

Krankenhaus war abgemeldet

Auch Absprachen mit der Integrierten Leitstelle gab es. Kurzzeitig war das Kelheimer Krankenhaus laut Reich dort abgemeldet worden. Denn es kam darauf an, „ob wir erreichbar sind“, so die Geschäftsführerin.

Generell spränge bei einem Stromausfall im Krankenhaus noch wenigen Sekunden ein Notstromaggregat an, erklärte Reich am Nachmittag. OP und Intensivbereich seien zusätzlich gegen Stromausfälle abgesichert, quasi über eine zusätzliche „übergroße Batterie“,auch relevante Computersysteme sind über eine sogenannte unterbrechungssichere Versorgung „doppelt“ geschützt, so Reich.

„Kommunikation ist in einer Klinik alles.“ Geschäftsführerin Dagmar Reich (2.v.li.) mit der Kollegin von Empfang und Prokurist Franz Kellner (re.) bei der Absprache. Foto: Weigert

Am Abend lief die Stromversorgung im Krankenhaus vollkommen normal, so Reich. Dennoch waren zuvor bestimmte Systeme wie Telefone oder PCs durch den Stromausfall in der Stadt in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Nachwehen waren gegen 18.30 Uhr noch spürbar. „Deshalb geht hier so schnell keiner heim.“

Einige Menschen steckten in Aufzügen fest

Die Helfer der Kelheimer Feuerwehr rückten zu einigen Hilfseinsätzen aus. Sie mussten einige Personen aus Aufzügen befreien, unter anderem im Ärztehaus im Donaupark.

Apotheker Helmut Hentschel, der im Gesundheitshaus eine Apotheke betreibt, war dank eines Notstromaggregats nicht völlig stromlos. „PC und Kasse laufen weiter, aber natürlich wird’s immer dunkler.“ Seine Mitarbeiterin Irene Perzl orientierte sich mit Handy- und Computerlicht bei der Medikamentenausgabe.

Die Kelheimer Feuerwehr hatte auch einige Notstromaggregate in der Stadt verteilt. Unter anderem in einem Seniorenheim. Denn ohne laufen auch keine Beatmungsgeräte, so Kreisbrandmeister Wolfgang Weiß.

Um 17.09 Uhr konnten dann Handys und Kerzen wieder eingepackt werden. Große Teile Kelheims waren wieder am Netz. Kurz zuvor war man im Kelheimer Feuerwehrhaus dabei, eine Kreis-Einsatzzentrale zu installieren. „Denn die Feuerwehr wäre stark gefragt gewesen, wenn am Abend viele nicht gewusst hätten, was los ist“, hieß es. Es wären zahllose Anrufe auch im Kelheimer Feuerwehrhaus eingegangen. Heizungen hätten nicht funktioniert und, und, und...

Am Abend zwischen 18 und 18.30 Uhr war von der Feuerwehr keine Stellungnahme zu erhalten. Landrat Martin Neumeyer war im Kelheimer Feuerwehrhaus eingetroffen. Zu einer Besprechung mit Kreis- und Stadtfeuerwehr-Führung.

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