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Region Kelheim
Samstag, 18. November 2017 5

Hopfen

Tröpfchenweise zu stabilen Erträgen

Unregelmäßige Ernteerträge machen den Hopfenbauern in Neustadt zu schaffen. Ihre Hoffnungen ruhen auf einer Tropfbewässerung.
Von Jochen Dannenberg

Hopfendolden auf einem Feld bei Neustadt Foto: Armin Weigel, dpa

Neustadt. Bauanträge, Änderungen von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen sind das „tägliche Brot“ für die Mitglieder des Bauausschusses des Neustädter Stadtrats. Ein völlig unbekanntes Terrain betrat das Gremium unlängst. Da musste es sich mit einem Bewässerungsprojekt im Hopfenanbau von Ulrain beschäftigen. Der Grund: In den Hopfengärten gibt es nicht mehr genug Wasser, um ertragreiche Ernten und vor allem gleichmäßige Ernteerträge sicherzustellen. So stellte es jedenfalls Johann Portner, Landwirtschaftsdirektor an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Wolnzach, dar.

Geplant ist von mehreren Hopfenbauern und der Landesanstalt, die Hopfengärten künstlich zu bewässern. Der Grund für diese Maßnahme, so Landwirtschaftsdirektor Portner, sei der Klimawandel. So würden immer mehr trockene Frühjahre und Sommer auftreten, was zu erheblichen Ertragsschwankungen beim Hopfenanbau und Ertrag führe. Wie unterschiedlich die Erträge ausfallen, hätte sich deutlich in jüngster Zeit gezeigt. So war 2013 ein sehr trockenes Jahr, 2014 war ein Jahr mit guten Erträgen, 2015 wieder ein trockenes Jahr und im vorigen Jahr habe man eine Rekordernte einfahren können. Wobei anzumerken ist, dass trockene Jahre mit geringen Erträgen gleichzusetzen sind. Die Erträge der Hopfenbauern glichen deshalb einer Zickzackkurve. Anders in den USA, betonte Portner. Dort würden Dank künstlicher Bewässerung gleichmäßig hohe Erträge erzielt.

Verkauf zwei Jahre vor der Ernte

Portner sagte es nicht direkt, seine Aussagen verdeutlichten jedoch: Die Stellung der deutschen Hopfenbauern auf dem Weltmarkt könnte ins Wanken geraten, wenn die Erträge weiter so unterschiedlich wie in den letzten Jahren ausfallen. Dazu trägt auch ein kaufmännischer Umstand bei: Die Ware wird lange vor der Ernte verkauft. Zwei Jahre vor der Ernte sollen in der Branche üblich sein. Umso mehr ist es für die Hopfenbauern wichtig, ihre Ware in gleichbleibender Qualität und Menge anbieten zu können.

Mehr Bilder zur Tropfbewässerung sehen Sie in unserer Bildergalerie:

Was die Situation in der Hallertau und speziell im Bereich Neustadt verschärft, ist der Umstand, dass die Hopfengärten nicht in ausreichendem Maße über Grundwasser versorgt werden können. Inzwischen sei es sogar unsinnig, Brunnen zu bohren, da „da unten alles trocken“ sei, versicherte ein Hopfenbauer in der Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses. Portner erläuterte: „Wir brauchen Zusatzwasser, um stabile Erträge zu bekommen.“

„Wesentlicher Wirtschaftsfaktor“

Im Gemeindegebiet Neustadt, so der Landwirtschaftsdirektor weiter, gebe es 43 Hopfenpflanzerbetriebe, die eine Gesamtfläche von 911 Hektar bewirtschaften. Der Hopfenanbau stelle mit seinen Aktivitäten einen „wesentlichen Wirtschaftsfaktor“ der Stadt Neustadt dar, versicherte der Landwirtschaftsdirektor. 13 000 Euro würden pro Hektar erwirtschaftet – ein Zehnfaches dessen, was im normalen Ackerbau erzielt wird.

Deshalb, sagte Portner, habe das bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz ein Förderprogramm zur Durchführung von landwirtschaftlichen Bewässerungsprojekten aufgelegt. Dabei geht es vorerst um die „Beauftragung und Erarbeitung eines Konzeptes für die Durchführung einer landwirtschaftlichen Bewässerung“. Dazu sollen u.a. die Größe des Hopfenanbaugebiets, der Bewässerungsbedarf, die Wasserversorgung und die Verteilungsstruktur ermittelt werden. Das Ministerium stellt für die Förderung des Pilotprogramms 75 Prozent der Kosten für das Gutachten in Aussicht.

Nahe der Donau soll Wasser für Hopfen gewonnen werden. Foto: Ricarda Blank

Ein Vorteil für die Hopfenbauern, der sich mit der künstlichen Bewässerung – gedacht ist an eine Tropfbewässerung – verbindet, ist die Möglichkeit, über das Bewässerungssystem die Pflanzen zu düngen. Die Düngung würde exakter erfolgen. „Darum können wir auch die Nitratauswaschung im Grundwasser verringern“, sagte Portner. Außerdem würde die Tropfbewässerung andere Gewässer schützen. Vor allem bei der dritten Gabe von Nährstoffen, die zu einer meist niederschlagarmen Zeit erfolge, könnten mit der künstlichen Bewässerung auch die Nährstoffe zielgerichtet zugeführt werden.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand ist kein nutzbares Grundwasser im Neustädter Bereich, zu dem die Orteile Mühlhausen, Niederulrain, Oberulrain und Lina sowie Altdürnbuch von der Gemeinde Biburg gehören, vorhanden. Darum geht man seitens des LfL im Moment davon aus, die Hopfengärten mit Wasser aus dem Uferfiltrat der Donau zu bewässern. Das bedeutet, dass das Wasser nicht direkt der Donau entnommen wird, sondern aus dem Bereich zwischen den Dämmen an der Donau. Das Verfahren wäre nicht neu. In den vergangenen Jahren konnte in mehreren Versuchen gezeigt werden, dass speziell in niederschlagsarmen Jahren eine Zusatzbewässerung im Hopfenbau ertragsstabilisierend wirkt. Hierfür kamen im Hopfenbau zum größten Teil Tropfschläuche zum Einsatz („Tropfbewässerung“). Im Hopfenanbaugebiet Spalt wollen sich knapp 70 Landwirte aus der Hopfenverwertungsgesellschaft Spalt zusammentun, um auf knapp 150 Hektar einen Bewässerungsverband zu gründen. Aus einem Uferfiltrat-Brunnen am Brombachsee soll Wasser zur Tröpfchenbewässerung verwendet werden.

Wichtige Fragen ungeklärt

Es gibt bei dem Projekt, das die Hopfenbauern so gerne realisieren würden, noch viel offene Fragen. Nicht geklärt ist, wie das Wasser von der Donau zu den Hopfengärten kommt. Unklar ist auch, welche Kosten durch die Realisierung entstehen. Sicher scheint nur, dass der Bau des Bewässerungssystems von den Hopfenbauern selbst geschultert werden muss. Welche Landwirte sich an dem Projekt beteiligen, ist ebenfalls unklar, denn die Kosten stehen noch nicht fest.

Derzeit, wurde mehrfach in der Ausschusssitzung betont, gehe es nur um einen Antrag für die Machbarkeitsstudie, für die die Stadt 25 Prozent der Kosten übernehmen müsste. Zugleich müsste die Stadt den Antrag für die Studie stellen. Das Problem ist, dass die Zeit für die Antragstellung drängt. Bis 31. Dezember muss der Antrag im Ministerium vorliegen.

Konkurrenz zu anderen Förderungen

Die dafür erforderliche Zustimmung hätten die bei der Sitzung anwesenden Hopfenbauern sicher gerne noch in der Sitzung gesehen. Doch so schnell läuft das Verfahren nicht. Das machte die Diskussion im Gremium deutlich. So wollte Stadtrat Erhard Garbe wissen, wann denn die Hopfengärten bewässert werden sollen. Stadtrat Adam Eberl warnte vor möglicher Kritik anderer bauern, die um ihre Früchte fürchteten. Erwin Huber wollte sicherstellen, dass auf die Stadt Neustadt keine Kosten zukommen und der 25-prozentige Anteil bei den Kosten für die Machbarkeitsstudie von den Hopfenbauern übernommen werden müsse.

Bürgermeister Thomas Reimer ging es weniger um diese Kosten als um eine mögliche Konkurrenz dieses Förderantrages mit anderen Projekten der Kommune. Was wäre, meinte der Bürgermeister, wenn der Stadt bei Bewilligung des Förderbescheids für die Machbarkeitsstudie andere Förderungen gestrichen würden.

Auswirkungen auf die Donau?

Fragen nach dem möglichen Wasserverbrauch für die Bewässerung waren nicht zu beantworten. Genau das solle ja durch das Gutachten ermittelt werden, betonte Landwirtschaftsdirektor Portner. Erhard Garbe befürchtet, dass die Entnahme zu einer massiven Senkung des Wasserspiegels in der Donau führen könne, was insbesondere in trockenen Sommern ein Problem wäre. Werner Reichel wies darauf hin, dass mit dem Gutachten diese und andere Bedenken geprüft werden könnten. Reimer betonte, wichtig sei es, „die Diskussion auf eine sachliche Ebene zu stellen“.

Voraussichtlich in der nächsten Stadtratssitzung im September wird das Thema wieder diskutiert werden.

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