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Region Kelheim
Montag, 18. Dezember 2017 3

Meinungsbild

Vieles ist noch im Fluss bei „np3“

Jäger und Fischer, Sportler und Unternehmer, Naturschützer und Waldnutzer fragen: Was bringt ein Nationalpark in Kelheim?
Von Martina Hutzler

  • Touristiker, Sportler am und im Wasser, Jäger und Forstleute: Sie alle und viele weitere Interessensgruppen formulieren derzeit ihre Positionen in Sachen „Nationalpark Donau-Auen“. Luftbild: Dr. Satzl
  • Nachdem sich Umweltministerin Ulrike Scharf ins Goldene Buch des Landkreises eingetragen hatte, nahm sie mit Landrat Martin Neumeyer am Podium Platz. Foto: Hutzler

Kelheim.Fragen rund um einen dritten bayerischen Nationalpark in den Donau-Auen zu beantworten: Das war Hauptziel der Infoveranstaltung mit Umweltministerin Ulrike Scharf am Freitag im Landratsamt Kelheim. Aber verschiedene Interessensvertreter ließen in ihren Statements auch schon durchklingen, was sie sich von einem Nationalpark erhoffen oder befürchten.

Die Politiker

Breit ist das Meinungsbild bei den Politikern zum Nationalpark (NP). Kategorisch „Nein“ sagte z.B. Kreisrat Josef Hofmeister, der die Idee der unbeeinflussten Natur als „Modeerscheinung“ abtat, und MdL Hubert Aiwanger, der gleich ein Ende der Debatte forderte. Das lehnte Landrat Martin Neumeyer ab. „Ich nähere mich“ der NP-Idee, sagte er und dachte laut über das alte Landratsamt als NP-Infozentrum nach. Umweltbildung ist auch für Kreisrat Richard Zieglmeier wichtig.

John Mihopulos und Kathrin Hueber übergaben Ministerin Scharf (li.) einen Bildband zur Natur an der Donau. Foto: Hutzler

Fritz Zirngibl und Peter-Michael Schmalz sehen im NP einen Gegenpol zu Artenschwund und Intensiv-Landwirtschaft. Für Willi Dürr und Jörg Nowy müsste ein NP der Region Mehrwert bringen – für Konrad Pöppel wäre er ethische Verpflichtung. Er regte die Ausweitung Richtung Dürnbucher Forst an, während Petra Högl vor einer Ausweitung warnte. Für Matthäus Faltermeier und Thomas Reimer müssten Trinkwassergewinnung bzw. Stechmücken-Bekämpfung im NP möglich bleiben. Horst Hartmann mahnte, Kelheims Planungshoheit müsse bestehen bleiben.

Wie es weiter geht in Sachen „np3“

  • Präsentation:

    Die Informationen aus der Veranstaltung im Landratsamt will das Umweltministerium ab Montag auch auf der Homepage des Projekts „3. Nationalpark in Bayern“ veröffentlichen.

  • Fragenkatalog:

    Etliche Fragen stellten sich schon in den anderen Bereichen, die mit Kelheim zusammen einen Auwald-Nationalpark bilden könnten: Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen und Ingolstadt sowie jüngst Freising. Ergänzend dazu hat der Kreis Kelheim nun eine umfangreiche Liste mit 36 weiteren Fragen beim bayerischen Umweltministerium eingereicht.

  • Gebiet:

    Mehrere Fragen zielen auf die Gebietskulisse ab, etwa: „Welche Bereiche der Donauaue kommen im Landkreis Kelheim für eine Ausweisung in Frage?“

  • Sinn:

    Weitere Fragen wollen die wald- und naturschutzfachlichen Ziele einer NP-Ausweisung abklären sowie etwaige Konkurrenz etwa mit dem „Europadiplom“ der Weltenburger Enge oder Beweidungsprojekten.

  • Auswirkungen:

    Viele Fragen loten etwaige Einschränkungen aus: für Floße, Kanus, Ausflugsschiffe, für Kletterer, für bestehende und geplante Hochwasserschutz-Vorrichtungen , für Holzrechtler, für die Jagd, für die Trinkwasser-Gewinnung. Auskunft will man auch zu Auswirkungen auf den Denkmalschutz, auf Arbeitsplätze, auf Besucherzahlen. (hu)

Die Fischer

„Dass wir unser Fischereirecht uneingeschränkt ausüben können“, ist für Manfred Beck, Chef des Kreisfischereivereins Kelheim (KFV), unverhandelbare Bedingung für einen NP: Der KFV habe dieses Recht an der Donau einst für 3,6 Mio. D-Mark erworben und brauche die Einnahmen aus Lizenzvergaben für den Schuldendienst. Neben dem KFV wären auch andere Fischereivereine und damit großes ehrenamtliches Engagement existenziell bedroht von einem Donau-NP, warnte Johannes Schnell (Landesfischereiverband).

Laut Umweltministerin Scharf genießt das Ausüben solcher Nutzungsrechte denselben Bestandsschutz wie Eigentumsrechte. Ihre Fachreferentin Ursula Schuster sprach von einem Nutzungs- und Zonierungskonzept, das man mit den Fischern gemeinsam erarbeiten könne. Das weckt bei Manfred Beck zwar wiederum Sorge vor Einschränkungen; er lehnt es aber nicht rundweg ab. Direkt in der Weltenburger Enge etwa könne man darüber reden. „Ich bin kompromissbereit – aber nicht um jeden Preis“, so Beck.

Die Naturschützer

Was Umweltministerin Ulrike Scharf eigentlich erst plant, bekam sie zu Beginn ihres Besuchs bereits bildlich überreicht: Kathrin Hueber und John Mihopulos überreichten ihr den Hochglanz-Bildband „Nationalpark Donau-Auen“, in dem sie und weitere Naturfotografen aus der Region die Artenvielfalt an der Donau eingefangen haben. „Wir wollen damit die Wertigkeit dieses Gebiets vorstellen“, begründet Kathrin Hueber im Gespräch mit unserem Medienhaus die aufwendige „Werbeaktion“, über die sich Scharf sichtlich freute. Für John Mihopulos wäre der Nationalpark eine einmalige Chance, um Naturschätze für künftige Generationen zu erhalten.

Das sieht Peter Forstner, Kreisvorsitzender beim Bund Naturschutz, ähnlich. Daher müssten für die Donauauen anderweitige Schutzmöglichkeiten gefunden werden, falls der NP doch in die Rhön kommt, fordert er. Die Info- und Diskussionsrunde im Landratsamt sei „ein guter Einstieg“ gewesen. Wichtig sei, dass das Ministerium alle vorgebrachten Bedenken ernst nehme.

Die Jäger

Naturschutz, Naturerlebnis und Umweltbildung: All das gebe es doch schon, sei es in der Weltenburger Enge, sei es durch Aktionen von Jägern und anderen: Andreas Wasner, Chef des Kreisjagdverbands, vermochte einem NP keine Vorteile abzugewinnen – wohl aber Nachteile: etwa bei der Bestandsregulierung der Wildschweine. Er befürchtet zudem eine „scheibchenweise Ausweitung“ des NP-Gebiets, etwa in Richtung Hienheimer Forst. „Da spiele ich nicht mit“, erwiderte Landrat Neumeyer.

Ministerin Scharf („ich bin selbst Jägerin“) verwies darauf, dass die NP-Grenzen per rechtsverbindlicher Verordnung festgelegt seien. Für die Jagd gebe es in einem NP zwar Einschränkungen. Aber ein „Wildtier-Management“ sei auch dort nötig – etwa, um die „Afrikanische Schweinepest“ abzuwehren – und an diesem „Management“ könnten sich private Jäger beteiligen.

Andreas Wasner warnte auch davor, dass auswärtige NP-Gäste mehr Verkehrsbelastung für Einheimische bedeute.

Die Touristiker und Freizeitsportler

Freizeit-Paddler Peter Böhnisch ist „noch nicht so weit, dass ich ja sagen könnte“ zum NP. Wie er fürchtet der Kanuclub Kelheim Restriktionen beim Wassersport; das neue Clubheims würde zur Fehlinvestition. Fachreferentin Schuster versicherte, auch für Freizeitsportler gelte Bestandsschutz, wie auch für Ausflugsschiffe, Zillen etc. Sie schlug den Wassersportlern vor, gemeinsam ein Nutzungskonzept zu erarbeiten, ähnlich wie fürs Klettern im Donaudurchbruch.

Touristiker, Sportler am und im Wasser, Jäger und Forstleute: Sie alle und viele weitere Interessensgruppen formulieren derzeit ihre Positionen in Sachen „Nationalpark Donau-Auen“. Luftbild: Dr. Satzl

Touristiker sehen zwar, dass das „Prädikat Nationalpark“ werbewirksam wäre, wie Florian Best (Tourismusverband Kelheim) sagt. Aber den Effekt habe bereits die Weltenburger Enge, urteilt Personenschifffahrts-Kapitan Erwin Wagner – und dieses Naturschutzgebiet sei eh schon stark frequentiert, ergänzt Florian Best. K.o-Kriterien wären für ihn Einschränkungen bei der Schifffahrt und bei der Bekämpfung von Mückenplagen, die für Bad Gögging wichtig sei.

Die Forst- und Landwirte

Bauernverbands-Obmann Thomas Obster warnte vor „Eigentumseingriffen für Landwirte“ in einem Auen-NP. Den hält BBV-Geschäftsführer Alois Schweiger gar für eine Mogelpackung: „Von Vohburg bis Irnsing ist das Flussufer seit 150 Jahren versteint“, es gebe im Kreis Kelheim kaum mehr Auwälder. Ursula Schuster antwortete, immerhin hätte der NP einen „langen Abschnitt ohne Staustufen“ und böte Gelegenheit, den Fluss wieder zu dynamisieren.

Reinhardt Neft (Bay. Staatsforsten) und Prof. Hubert Röder (Wissenschaftszentrum Straubing) warnten, ein NP entziehe viel Rohstoff Holz der Nutzung; das koste auch Arbeitsplätze. Forstmitarbeiter seien im NP ebenso nötig, erwiderte Ministerin Scharf. Und auf 1,3 Prozent Staatswaldfläche die Nutzung aufzugeben, sei vertretbar – „zumal Totholz ein Hotspot der Biodiversität ist“. Sie dankte zuletzt für die „tolle, ausgesprochen konstruktive Diskussion“.

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