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Region Kelheim
Donnerstag, 19. Oktober 2017 19° 3

Hilfsprojekt

Weihnachten, Proteste, Stromausfall

Florian Gabelsberger arbeitet in Nicaragua und gerät in eine Polizeikontrolle, einen Streik und arbeitet bei Kerzenlicht.
von Benjamin Neumaier

  • Stromausfall in der Backstube in San Carlos: Das bedeutet für den Abensberger Florian Gabelsberger Handarbeit im Dunkeln nur unter Kerzenlicht. Fotos: dpa (3)/Gabelsberger (3)/Neumaier
  • Zu den Highlights Nicaraguas gehört Granada, die prächtige Kolonialstadt direkt am See mit ihrer Kathedrale – mit Weihnachtsbaum.
  • An den Stränden Costa Ricas lässt es sich aushalten.
  • Aus dem Vulkan Masaya bei Granada steigt Schwefeldampf auf.
  • Die Bevölkerung protestiert gegen den Bau des Nicaragua-Kanals –dabei kam es zu Gewalt und Toten. Gabelsberger erlebte die Proteste hautnah mit.

San Carlos.Der Abensberger Bäcker Florian Gabelsberger ist seit Mitte Dezember für ein dreimonatiges Hilfsprojekt in der nicaraguanischen Kleinstadt San Carlos. Er bringt dort ein Projekt der Stiftung Brot gegen Not zum Abschluss – eine Bäckerei wurde vor zwei Jahren aus dem Boden gestampft und die soll sich nach Gabelsbergers Abschied selbst tragen.

Doch für den 31-Jährigen steht nicht immer nur Arbeit an – zwischen Weihnachten und Silvester nahm sich der Bäckermeister frei und nutzte die Zeit, um Land und Leute besser kennenzulernen. Dazu stattete er der Kolonialstadt Granada einen Besuch ab. „Ich bin mit dem Bus knappe sieben Stunden gefahren – einfache Fahrt. In Granada hat man das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen – die vielen Kolonialbauten, viele große alte Autos und ein herrliches Ambiente.“ Auch der kilometerbreite Vulkan Masaya, die Einheimischen nennen ihn Popogatepe, was übersetzt „brennender Berg“ heißt, beeindruckte den Abensberger nachhaltig.

Polizei zieht Bäcker aus dem Bus

War die Hinfahrt noch ohne Hindernisse verlaufen, stoppte der Bus von Gabelsberger auf der Rückreise nach San Carlos zweimal. „Erst bin ich in eine Polizeikontrolle gekommen – und natürlich haben sie mich aus dem Bus geholt, weil ich der einzige Gringo zwischen all den Nicas war. Zum Glück habe ich immer meinen Reisepass dabei – den wollten sie nämlich sehen.“ Doch damit war die Kontrolle nicht abgehakt. „Nach zehn Minuten ungläubigem Durchblättern wurde ich gefragt ob ich aus Hollandia komme, weil sie im Pass kein Land finden können. Ich habe Ihnen erklärt ich sei Deutscher.“ Daraufhin wollten die Polizisten wissen, was Gabelsberger denn hier mache –sie gingen von Urlaub aus. „Natürlich habe ich sofort gesagt, ich sei der Panadero von San Carlos und auf einmal haben sie gelacht, der Chef der drei hat sich sehr höflich entschuldigt und mich zurück in den Bus begleitet. Die Bäckerei ist schon sehr bekannt.“

Doch damit nicht genug: Denn auf den Abensberger wartete noch eine weitere Straßensperre.

Die Anwohner eines Dorfes protestierten gegen den geplanten Nicaragua-Kanal durch ihr Land, ähnlich dem Panamakanal. Das Projekt steht in der Kritik. Es heißt, dass es von chinesischen Investoren finanziert werde, wobei das Land der Bauern zu Spottpreisen verschleudert werde. „Es war ein heftiger Streik, bei dem ich ein komisches Gefühl hatte. Eine Woche später habe ich erfahren, dass es vier Tote bei den Protesten gab: zwei Polizisten und zwei Bauern.“

Um sich von dem Schock zu erholen, ging es für Gabelsberger von San Carlos aus mit dem Boot nach Costa Rica – ein paar Tage am herrlichen Sandstrand mit Palmen entspannen.

Anfang Januar zurück in San Carlos, passierte dann das, was in Nicaragua laut Gabelsbergers Aussage öfter vorkomme: ein Stromausfall. „Meine Kollegen meinten es sei kein Problem, in drei Stunden hätte man meistens wieder Strom.“ Da es erst Nachmittag und die Produktion schon beendet war, machte sich der Abensberger keine Sorgen – doch das dicke Ende sollte noch kommen: „Als wir um ein Uhr nachts mit der Produktion beginnen wollten, war immer noch kein Strom da und ich habe mir schon die ganze Nacht den Kopf zerbrochen wie wir damit umgehen sollten. Den Arbeitern beizubringen, dass sie statt mit einer Knetmaschine den Teig in einer großen Wanne von Hand kneten müssen – zur Zeit meines Urgroßvaters ganz normal, aber ein Knochenjob – war nicht so einfach.“

Per Holzofen die Produktion retten

Zum Glück gebe es in der Bäckerei neben dem Backofen noch einen gemauerten Holzofen, mit dem zwar keiner wirklich arbeiten könne, aber zumindest dachte Gabelsberger daran, so den Tag zu retten. „Als ich meinen Kollegen meinen Plan mit dem Holzofen in meinem mäßigen Spanisch erklärt habe, haben sie gelacht –denn da die Bäckerei früher ein Krankenhaus war gibt es ein Notstromaggregat“.

Da das aber nur Power für drei Stunden hat, wurde eine Stunde nur die Teigmaschine benutzt und alle Teige hergestellt, „dann haben wir den Kompressor abgestellt um zu sparen und mit einer Taschenlampe im Dunkeln die Teige aufgearbeitet. Da wir nur eine Taschenlampe haben, habe ich den Vorschlag gemacht ich kaufe uns Kerzen und beim nächsten Mal können wir romantisch backen – das fanden sie sehr lustig. Ich hab die Kerzen trotzdem gekauft und wir haben bei Kerzenschein gewerkelt.“ Nach der Teigverarbeitung legten sich Gabelsbergers Kollegen im Frühstücksraum schlafen, „da wir warten mussten, bis die Teige die richtige Gare hatten um den Strom wieder für den Ofen anzuschalten. Ich bin fast eine Stunde in der Bäckerei gesessen, während die anderen geschlafen haben – das nenne ich Gelassenheit. Da hat dann wirklich nur die Hefe gearbeitet.“

Dann wurde das Aggregat angeworfen „und nach dem Backen haben wir den kurzen Arbeitstag beendet. Der Strom kam übrigens erst um acht Uhr morgens wieder.“

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