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Region Kelheim
Samstag, 18. November 2017 5

Temporär

Wenn Blut fließt, darf gelacht werden

Neustadt präsentiert „Geschichten aus dem Bayerischen Kriminalstadl“ – eine kabarettistische Krimi-Lesung mit Werner Gerl.
Von Jochen Dannenberg

  • Werner Gerl ist Kabarettist und Schriftsteller. Auf der Bühne verschmelzen beide Talente, so auch in der Stadtbücherei Neustadt, wenn Werner Gerl mit „Geschichten aus dem Bayerischen Kriminalstadl“ auftritt. Foto: Michael Krieger
  • Auto Werner Gerl liest aus „Mordsgaudi“. Foto: Archiv MZ
  • Wenn jemand auf einen anderen schießt, ist das normalerweise eine sehr ernste Angelegenheit. Bei Werner Gerl lacht das Opfer dazu. Foto: Archiv Werner Gerl

Neustadt.Auf den ersten Blick ist Werner Gerl nicht das, was sich Schwiegereltern für ihre Tochter erträumen, wenn er sagt, dass er Bücher schreibt und als Kabarettist und mit Lesungen auftritt. Das, weiß Gerl, der in Mainburg aufgewachsen ist, hört sich zumindest in seiner Heimatsehr nach einer eher unsicheren und schwierigen Existenz an. Zumindest der 51-Jährige selbst ist zufrieden. Demnächst will er sich sogar ein Sabbatjahr gönnen, also ein Jahr aus dem Berufsleben ausscheiden und kein Geld verdienen. Quasi nix tun. Wobei das mit dem „nix tun“ und dem Sabbat eher symbolisch gemeint ist. Denn das muss man sich auch leisten können.

Werner Gerl kann es. Er ist nämlich ein ganz fleißiger. Tagsüber unterrichtet er an einem Gymnasium brav Deutsch und Geschichte und vor allem abends, an Wochenenden oder in den Ferien zieht er durch die Lande, tritt als Kabarettist oder mit Lesungen auf oder schreibt an Büchern.

Unterhaltung ist garantiert

Am Samstag, 28. Oktober – Wochenende! der Lehrer hat frei – kommt er deshalb nach Neustadt, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Temporär“ seine „Geschichten aus dem Bayerischen Kriminalstadl“ zu lesen. Wobei „lesen“ untertrieben ist. Es ist schon mehr eine Inszenierung. Dem Gerl liegt das Schauspielern und so dürfen sich die Zuschauer in der Stadtbücherei auf mehr als den Grusel am Schaurigen freuen. Freuen dürfen sie sich auch auf Unterhaltung, denn ihm liegt das kabarettistische. Mord ist deshalb nicht einfach brutal, es darf auch gelacht werden. Denn das Verbrechen hat seine Tücken und Fallen – für Profis wie für Laien.

„In den elf Krimis von ‚Mordsgaudi – Geschichten aus dem bayerischen Kriminalstadl‘ geht es um die Irrungen und Wirrungen, die man beim Diebstahl hochheiliger Reliquien oder beim Kampf mit Perchten, den oberbayerischen Gruselhexen, die zwischen den Jahren ihr Unwesen treiben, erleben kann“, erzählt Werner Gerl. „Die Protagonisten schlittern, oft ohne eigene Schuld, in üble Situationen, in denen ihnen das Wasser bis zum Hals steht. So dem Gammelfleischhändler, der einem mysteriösen Killer den Auftrag erteilt, einen unliebsamen Kleinerpresser ins jenseits zu befördern, ihm aber versehentlich statt Foto mit Adresse des Opfers die Geburtstagseinladung seiner Lieblingstante gibt.“ Diese teils kriminalistischen, teils humorigen oder sarkastisch-gesellschaftskritischen Kurzgeschichten, die stets mit einem Augenzwinkern daherkommen, spielen im Herzen Altbayerns. Allen Geschichten gemeinsam ist, dass sie mit ihrer ganz eigenen, eindrucksvollen Pointe aufwarten. Und dementsprechend witzig und lebendig trägt der Kabarettist Werner Gerl die Geschichten auch mit zahlreichen Stimmen vor.

Darin hat er Erfahrung. „Seit 15 Jahren trete ich als Kabarettist auf“, sagt Werner Gerl. Dazu kommen die Jahre als Autor, u.a. hat er für die Satirezeitschrift „Titanic“ gearbeitet. Seit acht, neun Jahren wagt sich Gerl auch an „größere Sachen“, wie er es nennt. Gemeint sind seine Bücher.

Das Schreiben ist seine Leidenschaft. Einst hatte er als freier Mitarbeiter für eine Tageszeitung gearbeitet. Doch da merkte er, was die Zwänge dieses Berufes sind. Für Spaß und Übertreibungen ist für gewöhnlich kein Platz. Dennoch, weiß der gebürtige Mainburger, der heute in München lebt, dass auch beim Kabarett nicht alles möglich ist. „Man hat als freier Autor sicher viele Freiheiten, aber auch bei uns geht nicht alles. Wenn ich z.B. einen Krimi schreibe, möchte ich unterhalten. Das schränkt ein. Man kann einen Kindesmörder nicht entkommen lassen.“ Daneben gibt es auch sprachliche Zwänge. „Krimis sollten flüssig geschrieben sein, nicht zu komplizierte Sätze haben.“

Einst hatte Werner Gerl selbst Zweifel gehabt. Inzwischen hat er seinen Weg gefunden. Es gibt den „Brotjob“ und daneben die Schreiberei und die Auftritte. „Das hat sich entwickelt“, sagt er. „Ich habe eine Zeit lang als Freiberufler gelebt und u.a. für Schulbuchverlage gearbeitet und Sachtexte zu historischen Themen verfasst. Als ich 40 geworden bin, wollte ich wieder einen festen Beruf haben – mit 14 Wochen Urlaub.“ Er gesteht: „Es ist schön, dass ich nicht vom Schreiben leben muss.“ Vom Schreiben selbst könnten die meisten Autoren nämlich eher schlecht als recht leben, sagt er. Die Auftritte seien dagegen lukrativer.

Zusammenarbeit mit Irene Rodrian

Das hielt ihn jedoch nicht vom Schreiben ab. Auf eine Arbeit ist Werner Gerl besonders stolz – eine Zusammenarbeit mit der großen deutschen Krimiautorin Irene Rodrian. Sie steuerte in den sechziger Jahren insgesamt zehn Hefte der legendären Jerry-Cotton-Reihe bei, 1967 gewann sie Edgar-Wallace-Krimipreis des Goldmann-Verlags. Bis 1992 brachte sie über 20 Krimis  heraus und machte sich als Autorin von Drehbüchern für Film und Fernsehen einen Namen. Daneben schrieb sie Kinderbücher.

Eines ihrer Werke ist der Krimi „Blöd, wenn der Typ draufgeht“, von dem es inzwischen mehr als zwei Dutzend Auflagen gibt. „Irene Rodrian hat mich engagiert, damit ich daraus ein Theaterstück mache“, erzählt Werner Gerl und bekennt: „Für mich ist das eine Ehre von einer so renommierten Autorin engagiert zu werden.“

Demnächst steht das Sabbatjahr an. Da will sich Werner Gerl ganz aufs Schreiben konzentrieren. „Ich habe ein, zwei größere Projekte geplant“, sagt er, verrät aber sonst nix, nur: „Dafür muss man Zeit haben.“ Man darf gespannt sein.

Weitere Berichte aus Neustadt finden Sie hier.

Krimi-Lesung

  • Am 28. Oktober

    ist Werner Gerl um 19 Uhr im Bürgersaal Neustadt mit einer kabarettistischen Krimi-Lesung zu Gast. Der Eintritt ist frei. In den elf Krimis von „Mordsgaudi – Geschichten aus dem bayerischen Kriminalstadl“ geht es um die Irrungen und Wirrungen, die man beim Diebstahl hochheiliger Reliquien oder beim Kampf mit Perchten, den oberbayerischen Gruselhexen, die zwischen den Jahren ihr Unwesen treiben, erleben kann.

  • Die Protagonisten

    schlittern, oft ohne eigene Schuld, in üble Situationen, in denen ihnen das Wasser bis zum Hals steht. So dem Gammelfleischhändler, der einemmysteriösen Killer den Auftrag erteilt, einen unliebsamen Kleinerpresser ins jenseits zu befördern, ihm aber statt Foto mit Adresse des Opfers die Geburtstagseinladung seiner Lieblingstante gibt.

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