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Region Kelheim
Montag, 18. Dezember 2017 3

Erfolgreich

Zehentstadl mausert sich zu Kulturtempel

Vor einem Jahrzehnt war das Projekt in Train noch umstritten. Mittlerweile stecken die Mauern voller Leben.
Von Wolfgang Abeltshauser

Gemeinsam mit dem Wasserschloss ist der Zehentstadl ein beeindruckendes Bauensemble. Fotos: Satzl, Neumaier, Einsle (4)

Train.Kurz vor Baubeginn hatte sich in Train Widerstand gebildet. Widerstand gegen den Plan, den Zehenstadl wieder zu errichten. Es gab sogar einen Bürgerentscheid. 56 Prozent der Trainer, die sich beteiligten, waren aber dagegen, das Projekt zu stoppen. Heute können sich die Trainer das wohl kaum mehr vorstellen. Denn der Zehentstadl hat sich binnen weniger Jahre zu einem wahren Kulturzentrum der Region entwickelt. Insgesamt gibt es pro Jahr rund 20 Veranstaltungen dort. Immerhin also fast zwei im Monat.

Bürgermeister Gerhard Zeitler blickt auf alle Fälle mit Genugtuung auf den Bau. „Es läuft sehr gut“, stellt er fest. Und hat das Leben im Blick, das dort längst eingezogen ist. Für ihn ist der Bau „Lebensqualität vor Ort“. Es gebe nur positive Reaktionen. „Die Leute nehmen das Angebot an.“

Die Einweihung des Zehentstadls war ein großes Fest in Train. Die Sonne strahlte vom Himmel. Die Schar der Gäste zählte nicht weniger als 500 Köpfe. Nach Reden und der Segnung gab es gleich einen Tag der offenen Tür.

Hier ist vor allem das Kreativforum zu Gange. Das sich laut Zeitler und Tanja Dirscherl – die beiden Vorsitzenden – schon vor der Eröffnung des Zehentstadls gegründet hatte. Aus dieser losen Gruppe kulturinteressierter Trainer Bürgerinnen und Bürger ist mittlerweile ein eingetragener Verein geworden. Er hat sich als Ziel gesetzt, regelmäßig kulturelle Veranstaltungen im Stadl zu organisieren.

Das sei längst ein Selbstläufer. „Das Programm für 2018 steht schon“, freut sich da Dirscherl. Längst rufen Gruppen und Künstler selber an und fragen nach Auftrittsterminen. Weil sie von der guten Stimmung und dem Ambiente im Stadl wüssten. Die Kulturreihe in Train hat sich in der Tat etabliert. Was eine Leistung darstellt. Denn Städte wie Abensberg, Neustadt und Mainburg mit einem eigenen ambitionierten Kulturprogramm sind ja nicht weit.

Freilichttheater als Wunschziel

Im Durchschnitt einmal im Monat gibt es eine Veranstaltung – was das Kreativform betrifft. Das kann Volksmusik sein, eine Lesung, Theater oder auch ein Frühschoppen. Und der Weiberfasching hat sich mittlerweile zu einem Dauerläufer entwickelt. Der fehle in keinem Jahr. Bis zu hundert Besucher pro Veranstaltung zählen laut Dirscherl die Trainer. Wer da etwa eingesessene Kulturreihen wie den Novembernebel in Abensberg kennt, der weiß: Dort sind das auch nicht mehr.

Auch Kabarettveranstaltungen gehören mittlerweile zum Inventar. Denn der Truppe „Theatermix“ aus Abensberg gefällt es im Zehentstadl so gut, dass sie jedes Jahr ein Gastspiel gibt. Die Aufführungen sind auch immer gut besucht.

Und deshalb blickt Tanja Dirscherl schon freudig auf die Zeit, in der die Arbeiten rund um den Zehentstadl beendet sind. Denn dann kann sie sich an das machen, was es bisher noch nicht gab im Rahmen der Reihe vom Kreativforum: Dann gibt es eine Freilichttheateraufführung. Das habe man sich fest vorgenommen.

Der Martinimarkt in und vor dem Zehentstadl ist schon nicht mehr aus dem Kulturprogramm der Region wegzudenken. „Er ist ein Markenzeichen für Train“, freut sich Bürgermeister Gerhard Zeitler. Auch eine Feuershow war dabei schon zu bewundern.

Die Kultur war von vorn herein mit im Boot. Schon beim Spatenstich für den Zehenstadl war klar, dass es dort eine historische Ausstellung geben sollte. Die wurde mit der Einweihung des Baus Ende Mai 2011 ihrer Bestimmung übergeben. Infos zum Ort, zum Hopfen als Kulturgut – und selbstverständlich zum nahen Schloss sind auf zwei Etagen zu finden. Auch deshalb ist es gut, dass der Stadl oft geöffnet ist. Eintritt kostet die Schau übrigens nicht.

Nicht nur die Dauerausstellung über die Trainer Ortsgeschichte war bisher im Stadl zu sehen. Vor einigen Jahren wurde eine Ausstellung über Mariendarstellungen organisiert. Es gab Bilder und Skulpturen in den Räumen zu besichtigen.

Offen ist das Gebäude jeden Tag. Denn bald, nachdem die Türe erstmals aufging, nistete sich dort die Musikschule ein. Die streng genommen eine Außenstelle der Rottenburger Schule ist. Trainer Kontakte zum dortigen Musikschulchef und zum Rottenburger Bürgermeister machten es möglich.

Mittlerweile ist auch das eine Erfolgsgeschichte geworden. Und ist ein weiterer Baustein zum Kulturtempel Zehentstadl. Denn es gibt jeden Tag Unterricht. Oftmals müssen die Kinder von kleineren und größere Räume des Gebäudes umziehen. Weil die Resonanz so gut sei. 160 Schülerinnen und Schüler sind es laut Zeitler, die mittlerweile in Train zu Musikern ausgebildet werden. Sie kommen aus dem Ort – aber auch von woanders her. Zum Beispiel aus Siegenburg und Elsendorf

Vhs jüngster Baustein

Der jüngste Baustein ist die Volkshochschule. Sie wird gemeinsam von der Kommune und der Volkshochschule in Neustadt auf die Beine gestellt. Schon immer seien Trainer nach Neustadt gefahren, um dort an Kursen teilzunehmen. Auch Tanja Dirscherl tat das. Bis sie gemeinsam mit den Organisatorinnen aus Neustadt auf die Idee kam, diese eben im Stadl durchzuführen. Bei Bürgermeister Gerhard Zeitler rannten die Frauen offene Türen ein. Will der doch, dass so viel Leben wie nur möglich ins Gebäude herrscht. Was als Testbalon begann, hat sich mittlerweile eingebürgert. Jedes Volkshochschulsemester finden ausgewählte Kurse, die von Neustadt aus organisiert werden, in Train statt. Anmelden müssen sich die Trainer nach wie vor in Neustadt. Dabei handle es sich immer um einen Querschnitt aus dem Programm. Und eben um solche Kurse, von den die Macherinnen wissen, dass sie ankommen. Schon nach dem ersten Testsemester war die Bilanz positiv. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Auch Spezialveranstaltungen hat es im Zehentstadl schon gegeben. So durften sich die Kleinen vor rund zwei Jahren über eine Kinoaufführung in Train freuen. Sie fand im Eckhersaal statt. Strahlende Kinderaugen waren das Ergebnis.

Die Bau- und Planungsgeschichte des neuen Zehentstadls begann in den ersten Jahren dieses Jahrtausends. Das Projekt wurde gemeinsam mit der Dorferneuerung, die weiterhin in der Kommune tätig ist, gestemmt. Die Fördergelder waren wichtig für die Kommune.

Der Neubau wurde auf den Fundamenten des historisch nachgewiesenen Zehentstadls gebaut, der vor Jahrhunderten neben dem noch bestehenden Schloss errichtet wurde. In der jüngeren Vergangenheit stand dort jedoch ein Brauereigebäude. Dieses war lange Zeit ungenutzt und stand leer. Schon rein optisch war das kein schöner Anblick. Die Kommune wollte ein neues Ortszentrum schaffen. Dieser Plan ist aufgegangen.

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