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Projekt

Abensberger schickt Grüße aus Nicaragua

Bäcker Florian Gabelsberger arbeitet für drei Monate in San Carlos – Überraschungen gibt’s dort nicht nur zur Weihnachtszeit…
Von Benjamin Neumaier

  • San Carlos liegt direkt am Nicaragua-See – Bäcker Florian Gabelsberger aus Abensberg verbringt dort die kommenden drei Monate. Fotos: Gabelsberger (4)/ Brot gegen Not/ dpa (2)
  • Einen richtigen Supermarkt gibt es in San Carlos nicht, stattdessen viele kleine „Tante Emma“-Läden.
  • Bäckerin Antonia präsentiert stolz das erste Backwerk, das sie zusammen mit Gabelsberger gefertigt hat – süßes Gebäck für Weihnachten.
  • Für die Anreise entschied sich Florian Gabelsberger für den Langstreckenreisebus – Komfort sieht anders aus.
  • Florian Gabelsberger mit Bäckerin Fanny bei der Arbeit
  • Walter und Antonia sind zwei der drei einheimischen Mitarbeiter in der nicaraguanischen Bäckerei.
  • Die Panadería Pantzin in San Carlos soll nach Gabelsbergers dreimonatiger Hilfe „flügge“ werden.

Abensberg. In Nicaragua laufen die Uhren anders – damit hatte sich der Abensberger Bäcker Florian Gabelsberger schon vor seiner Abreise angefreundet. Was er aber seit seiner Ankunft in der Bäckerei Panadería Pantzin in San Carlos erlebte – Gabelsberger arbeitet dort ehrenamtlich für drei Monate – übertraf doch seine Erwartungen: Hygienestandards, Arbeitstempo, Unterkunft, Einkaufen und das alltägliche Leben – alles ist, gelinde gesagt, etwas gemächlicher und einfacher als gewohnt. Und auch das Weihnachtsfest verläuft in Nicaragua ein bisschen anders.

Per Bimmelbus durch die Pampa

Schon die Anreise ein Abenteuer: „Mein Flug über die Dominikanische Republik und Costa Rica hatte etwas Verspätung. Dadurch habe ich den Direktbus nach Los Chiles verpasst, wo mein Boot ablegen sollte“, erzählt Gabelsberger. So ging es mit dem Bimmelbus durch die Pampa – doch auch das Boot, das den Abensberger über den Fluss San Jose und den Nicaragua-See nach San Carlos bringen sollte, hatte bereits abgelegt. „Ich dachte schon, ich muss auf Herbergssuche gehen, aber dann wurde wider Erwarten ein Ersatzboot eingesetzt. Ich hatte Glück und kam nach knapp eineinhalb Tagen geschlaucht in San Carlos an.“

Dort wartete auf den Bäckermeister eine frohe und eine weniger frohe Überraschung: „In meinem Zimmer gibt es eine Dusche – damit hatte ich gar nicht gerechnet. Aber einer meiner Vorgänger hat mit Gaffa-Tape einen Plastik-Duschkopf an einer Wasserleitung befestigt. Das Wasser ist zwar kalt, aber ich kann zumindest stressfrei duschen.“ Doch nicht nur aus der provisorischen Dusche tröpfelt das Wasser, auch das Dach seiner Unterkunft ist undicht. Bei Schönwetter kein Problem, doch seit Gabelsbergers Ankunft am 17. Dezember regnet es ununterbrochen. „Es stehen drei Eimer in meinem Zimmer, mit denen ich das Wasser auffangen kann.“ Die sind nicht nur Auffangbehälter, sondern gleichzeitig die Klospülung, da die eigentliche Spülung defekt ist.

Mit dem Lebensstil arrangiert

Dafür ist der Hygienestandard in der Bäckerei bestens, „da haben meine Vorreiter beste Arbeit geleistet“, sagt Gabelsberger. Sieben deutsche Bäcker waren bereits vor ihm in der Panadería, der Abensberger bringt das Hilfsprojekt nun nach zwei Jahren zum Abschluss. „Meine Arbeitskollegen Walter, Antonia und Fanny sind nett und gut eingearbeitet – allerdings muss ich Geduld mitbringen. Das Leben und die Arbeit laufen hier etwas langsamer.“

Das musste der Abensberger auch nach seinem ersten Einstellungsgespräch an seinem zweiten Arbeitstag feststellen. Der neue Ausfahrer kam zwei Stunden zu spät zum Dienst, „erledigt seine Arbeit aber bestens und verkauft jeden Tag etwas mehr. Mittlerweile kommt er nur noch eine halbe Stunde zu spät“, sagt Gabelsberger, der sich mit dem Lebensstil schnell arrangiert hat.

Gewöhnungsbedürftig seien Einblicke in das Alltagsleben im siebt-ärmsten Land der Welt: „Die Metzgerei ist eine Holzbude, das Fleisch hängt ungekühlt an Haken unter der Decke, Kinder pinkeln vom Bürgersteig auf die Straße. Und im Supermarkt – eigentlich sind es Tante Emma Läden – schauen schon mal kleine Vierbeiner durch die Löcher im Bretterboden.“

Hoffen auf eine Einladung

Dennoch ist Gabelsberger glücklich: „Es ist toll hier, die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit.“ So machte sich der Bäcker im Supermarkt auf die Suche nach einem Bierchen zum Feierabend – die Inhaberin erkannte ihn sofort als „el panadero“, den Bäcker. Und weil es in Nicaragua in Supermärkten keinen Alkohol gibt, schickte sie ihren Sohn in eine Bar, das gewünschte Bier für „el panadero“ zu besorgen.

Mit Blick auf mittelamerikanische Gastfreundlichkeit hofft der Abensberger auch noch auf eine Einladung zum Weihnachtsfest – das begehen die Nicas, so nennen sich die Einwohner selbst, im Kreis der Großfamilie. Meist gibt es Hühnchen mit „Achiote-Paste“, hergestellt aus dem Lippenstift-Baum, und als Beilage „Nacatamal“, ein in ein Bananenblatt eingewickelter Maisbrei mit Gemüse. „Aber bisher ist von Weihnachten noch nicht viel zu spüren. Die Häuser sind nicht geschmückt, und auch die Stimmung ist noch nicht sehr weihnachtlich.“

Deshalb hat Gabelsberger mit seiner Mannschaft zumindest mal Weihnachtsleckereien gebacken: Schwarz-Weiß-Gebäck und Zimtplätzchen – gebacken. „Irgendwie müssen wir hier ja in Stimmung kommen“, sagt Gabelsberger. „Mal schauen, wie das bei den Nicas ankommt“.

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