Adel mordet, Volk schuftet
Im Kelheimer Frauenforst erklärten zwei Experten die grausam schöne Welt der Roten Waldameise. Beim Besuch dort ging es sichtbar hektisch zu.
KELHEIM. Eine unsichtbare Staatsgrenze hat eine kleine, aber sehr interessierte Gruppe unlängst im Frauenforst überschritten: Mit zwei „Fremdenführern“ erkundeten die Exkursionsteilnehmer die geheimnisvolle Staats-Welt der Waldameisen. Norbert Thom als Mitarbeiter der Ameisenschutzwarte Bayern und Erwin Engeßer als Leiter des Staatsforstbetriebs Kelheim konnten viele erstaunliche Dinge über die Waldameisen berichten.
So verglichen sie einen Ameisenbau im Wald mit einem „Eisberg“ – das meiste davon befindet sich unter der Erde. Und das kann ganz schön viel sein: Ein großer Bau der Roten Waldameise beschäftigt rund eine Million einzelne Tiere! Doch nur eine ist Chefin: In den Völkern der Roten Waldameisen „regiert“ jeweils nur eine Königin. Diese Königin kann bis zu 25 Jahre alt werden. Ihre Hauptaufgabe „außer Haus“ ist es, ein Mal zum Hochzeitsflug zu starten. Danach legt sie für den Rest ihres Leben nur noch Eier ab. Stirbt die Königin, wird in der Regel das Nest aufgegeben. Daher hatten die beiden Fachleute einen dringenden Rat parat: Niemals sollte man in Nestern der Roten Waldameisen herumstochern: Würde man die Königin verletzen, würde das Volk eingehen.
Sklaven ernähren die Eroberer
Wie so oft bei uns Menschen beginnt die Gründung eines neuen Staates der Roten Waldameise oft blutig – nämlich mit einem „Königinnen-Mord“: Nach dem Hochzeitsflug und der Begattung dringt die „rote Königin“ in ein Nest von „Sklavenameisen“ ein – so bezeichnen die Zoologen eine andere Gruppe innerhalb der großen Familie der Ameisen. Die „einmarschierte“ Waldameisen-Majestät bringt als erstes die Königin der Sklavenameisen um. Danach lässt sie sich und ihre Nachkommen von den Sklavenameisen füttern und pflegen. Im Laufe der Jahre entsteht so ein Volk der Roten Waldameisen.
Düstere Aussichten ohne Licht
Waldameisen bauen ihre Nester nur aus Material von Nadelbäumen. Außerdem brauchen sie sonnige Stellen im Wald. Durch die üppige Naturverjüngung der Buche werden die Lebensbedingungen für die Waldameisen schwieriger, weil die Buchen sehr raumgreifend sind und Lücken und sonnige Stellen sehr schnell abdunkeln. Das Freischneiden und Freihalten von lichten Stellen ist daher eine wichtige Artenschutzmaßnahme des Forstbetriebs für die Waldameisen, erklärt Erwin Engeßer.





