Kelheim 02.07.2010, 20:21 Uhr

Anwohner wundern sich über den „Monsterjesus“

Am Abensberger Stadtgraben soll eine Kunstmeile entstehen. Nachbarn können mit dem ersten Objekt nichts anfangen.

Das mannshohe Jesus-Kunstwerk von Gerry Jackett hängt in einem Turm des Stadtgrabens. Einige Anwohner sind schockiert.

Das mannshohe Jesus-Kunstwerk von Gerry Jackett hängt in einem Turm des Stadtgrabens. Einige Anwohner sind schockiert.

Abensberg . „Haben Sie schon unseren Monsterjesus gesehen?“ Diese Frage stellen sich zurzeit viele Abensberger. Seit Dienstag hängt in einem der ehemaligen Wehrtürme am Stadtgraben eine mannshohe Christusfigur an einem Kruzifix. Die Figur ist aus Holz und komplett mit Nägeln übersät. Vor allem die Anwohner in direkter Nähe sind empört. „Das ist eine Gemeinheit“, sagt eine Abensbergerin. Eines Morgens saß sie an ihrem Frühstückstisch, blickte nach draußen und erschrak. Vis-à-vis war auf einmal die Jesusfigur aufgetaucht. „Da magst du gar nicht mehr auf den Balkon gehen“, sagt die Frau. Auch andere Bürger haben sich bei der MZ gemeldet. „Ich finde es vor allem angesichts der Kruzifix-Diskussion in öffentlichen Räumen geschmacklos“, sagte eine Anruferin. Vor allem, wenn der Turm abends beleuchtet wird, sehe die Figur besonders gruselig aus.

Die Stadt dagegen habe bisher positive Resonanzen bekommen, sagt Michaela Jahny, zuständig für Kulturorganisation. Die Jesusfigur ist ein Kunstwerk von Gerry Jackett, das die neue Kunstmeile in der Stadt einläutet. Bereits seit längerem hatte die Stadt geplant, einen Kunstpfad durch die Altstadt zu legen. Dieser wird nun Realität. Die Öffentlichkeit wurde vorab nicht informiert, weil die Stadt erst ein paar Installationen vornehmen wollte. Die Kunstmeile soll bis Herbst fertig sein. Werke von unterschiedlichen Künstlern werden ausgestellt. Nach einem Jahr sollen neue Werke die alten ersetzen. Die Jesusfigur stand vorher ungeschützt im Pfarrhof. „Das Problem war die Witterung“, sagt Jahny. Die Nägel rosten, das Holz verwitterte. „Außerdem sah der leere Turm so trist aus.“ Der Turm wurde vor kurzem saniert. Für Bürgermeister Dr. Uwe Brandl liegt es „in der Natur der Sache“, dass bei Kunstinstallationen auch Kritik aufkommt. „Wir bleiben aber dabei“, sagt er. Wenn erst die restlichen Werke aufgestellt seien, werde man auch den Sinn dahinter sehen.

 

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