Der Archäologe Dr. Matthias Leicht untersucht die Spur eines alten Bachlaufs oder Grabens auf dem Gelände des künftigen Audi-Werks. Foto: xpw
von peter wöllauer, mz
Münchsmünster.
Im 3000-Seelen-Ort Münchsmünster hat die Zukunft begonnen. Mit der Bekanntgabe des Kaufs von rund 40 Hektar Land in der vorigen Woche hat der Autobauer Audi auch seine Ziele für das neue Werk in Münchsmünster offengelegt. Am Donnerstag erläuterten Vertreter von Audi die Pläne des Unternehmens im Gemeinderat Münchsmünster.
Audi hat von der Firma Evonik eine Fläche von 27,2 Hektar auf dem Gelände des Industrieparks Münchsmünster erworben und konnte mithilfe der Gemeindeverwaltung zusätzlich noch daran angrenzende 11,4 Hektar kaufen. Die letztere Fläche soll zunächst nicht bebaut werden. Notwendig wurde die Ansiedlung in Münchsmünster, wie Projektleiter Franz Josef Jörg erklärte, weil Audi in Ingolstadt nicht mehr genügend Platz hat. Dort muss Fläche für die Endmontage und die Lackierung von Fahrzeugen bereit gehalten werden, sodass die Fertigung von Komponenten an andere Standorte ausgelagert werden muss.
In Münchsmünster soll zunächst bis 2013/14 ein Presswerk mit Warmformung für Stahlteile mittlerer Größe entstehen, das Karosserieteile an alle Audi-Standorte liefern wird. Als zweites wird die Bearbeitung von Fahrwerkskomponenten, also von Naben und Bremsscheiben, aus Ingolstadt verlagert.
Viel Lkw-Verkehr erwartet
Besonders wichtig ist die Aluminiumdruckgießerei einschließlich der anschließenden mechanischen Bearbeitung der Teile. Für diese neue Technik, die durch Ersatz von Blechteilen bei den Fahrzeugen Gewicht einsparen soll, existiert bisher erst eine Versuchsanlage. In Münchsmünster soll die erste Fertigung gebaut werden. Da diese Neuerung für die Audi-Modelle vorgesehen ist, die Ende 2013 in Produktion gehen sollen, eilt der Aufbau der Fertigung in Münchsmünster.
Das neue Werk wird mit einem eigenen Rangierbahnhof an die Bahnlinie nach Ingolstadt angebunden. Der zu erwartende hohe Lkw-Verkehr soll von der Bundesstraße 16 aus das Werksgelände erreichen, später eventuell durch eine zusätzliche Anbindung an den Beginn der B16a, die über Vohburg nach Ingolstadt führt.
Dr. Dagobert Adatz, Leiter des Umweltschutzes bei Audi, erläuterte in der Gemeinderatssitzung, dass die vorgesehenen Produktionen nur teilweise umweltrelevant sind. So bemisst sich die Genehmigung der Gießerei wegen des Schmelzens von Aluminium nach der Bundesimmissionsschutzverordnung. Die Beizbäder für die Oberflächenbehandlung enthalten problematische Stoffe, die nicht in die Umwelt gelangen dürfen. Dies werde bei der Konzeption der Anlagen sorgfältig berücksichtigt, sodass keine Gefahr für Umwelt oder Anwohner besteht, beteuerte Adatz.
Humus wird abgetragen
Für die Münchsmünster zugewandte Nordseite des Betriebsgeländes verspricht Audi einen Schallschutz. Der Schrannenbach, der in Zukunft durch das Audi-Gelände führt, soll als offenes, möglichst naturnahes Gewässer erhalten bleiben. Es sollen lediglich die bereits vorhandenen Übergänge verstärkt werden.
Eine Hürde ist allerdings noch zu nehmen: Im Gelände gibt es vermutlich Bodendenkmäler, die vor Baubeginn entsprechend zu untersuchen und zu dokumentieren sind. Unter Aufsicht des Archäologen Dr. Matthias Leicht wurde bereits damit begonnen, den Humus abzutragen und das Gelände zu prüfen, was angesichts der Witterung nicht so schnell möglich sein wird, wie Audi das wünscht.
Der Gemeinderat ist erfreut über die Ansiedlung von Audi. Das Gremium hatte nur einige Detailfragen an die anwesenden Vertreter des Ingolstädter Automobil-Unternehmens.
„Das Projekt Audi ist eine Herausforderung für uns“, sagt Münchsmünster Bürgermeister Andreas Meyer. Er geht davon aus, dass die Kommune den Veränderungen gewachsen sein wird. In den vergangenen Jahren sei erheblich in Schulen, Kinderbetreuung und die Sanierung der Ortsmitte investiert worden. Jetzt werde ein Mehrgenerationenhaus gebaut: Es soll Platz bieten für eine dreigruppigen Krippe, eine Mutter-Kind-Gruppe sowie Jugend- und Seniorenräume.
Den Ausschlag für den Bau des neuen Audi-Werks in Münchsmünster dürften mehrere Faktoren gegeben haben. Neben der Nähe zur Bundesstraße 16, die zwischen Neustadt, Münchsmünster und Manching dreispurig verläuft, verfügt der neue Standort auch über einen Bahnanschluss. „Der Bahnhof ist fußläufig nur fünf Minuten vom künftigen Audi-Werk entfernt“, erläutert Meyer. Außerdem habe die Kommune bereits zu Beginn der Verhandlungen mit dem Autobauer über einen rechtskräftigen Bebauungsplan verfügt, der die weitere Entwicklung in Richtung Gewerbe und Industrie vorsah. Zudem gestalteten sich die Grundstücksverhandlungen für die Ansiedlung nicht allzu schwierig.