Kelheim 23.07.2012, 13:25 Uhr

Bauarbeiter campen im Garten

Zwölf bulgarische Bauarbeiter warten weiter in Peising auf Geld für ihre Arbeit an der FOS/BOS-Baustelle Kelheim. Die Gewerkschaft will klagen.

Unterm Vorzel, im Wohnwagen und im Kleinbus haben die bulgarischen Arbeiter die Nacht zum Montag verbracht. Foto: lhl

Unterm Vorzel, im Wohnwagen und im Kleinbus haben die bulgarischen Arbeiter die Nacht zum Montag verbracht. Foto: lhl

KELHEIM. Im Kleinbus, im Zelt und im Freien haben zwölf bulgarische Bauarbeiter in Peising die Nacht zum Montag verbracht, nachdem sie ihre nur bis Sonntag gemieteten Quartiere räumen mussten. Wie die Mittelbayerische Zeitung am Samstag exklusiv berichtet hat, waren die Männer seit Ende April mit Beton- und Eisenflechtarbeiten am Erweiterungs-Neubau der Fach- und Berufsoberschule Kelheim beschäftigt, einer Baustelle des Landkreises. Sie hatten für die Monate lange Arbeit aber nach eigenen Angaben kaum Geld gesehen.

Offiziell waren die kaum Deutsch sprechenden Männer in Kelheim als Mitgesellschafter eines Subunternehmens, der „Me-Sa Bauleistungen“ GbR, tätig. Die Industriegewerkschaft Bauen Agrar Umwelt (IG Bau) vermutet allerdings einen Fall von Scheinselbständigkeit und hat den Zoll eingeschaltet. Dieser hat nach eigenen Angaben Ermittlungen aufgenommen, macht dazu aber mit Verweis auf das laufende Verfahren keine weiteren Angaben. Gewerkschaftsvertreter hatten am Wochenende die Versorgung der zwölf Männer mit Lebensmitteln organisiert; nun will die IG Bau nach eigenen Angaben zu juristischen Mitteln greifen.

Gewerkschaft: 80000 Euro Lohn

Denn die 17 betroffenen Männer, die jetzt in die Gewerkschaft aufgenommen und von dieser vertreten werden sollen, hätten noch Anspruch auf insgesamt rund 80000 Euro Lohn, schätzt Carsten Kuttnik, Regionalleiter Bayern der IG Bau.

Wie berichtet, hatte die Landkreisverwaltung versichert, man habe die bisher fällig gewordenen Abschlagszahlungen ordnungsgemäß an das Ingolstädter Bauunternehmen Spreng gezahlt – und nur mit diesem habe der Landkreis einen Werksvertrag geschlossen. Ebenso versichert die Firma Spreng, die fälligen Zahlungen an ihren Subunternehmer Me-Sa geleistet zu haben.

Subunternehmer verteidigt sich

Dessen Geschäftsführer Sami Memis sieht sich freilich ebenfalls zu Unrecht an den Pranger gestellt, sagte dessen Frau Aysel Memis zur MZ: „Wir sind keine Betrüger“, sondern ihr Mann und die ganze Familie seien die eigentlichen Opfer, die selbst mit beschädigtem Ruf und finanziellem Verlust aus dem Projekt gingen: „Schuld sind die Arbeiter, die haben einfach die nötige Leistung nicht erbracht“, so Aysel Memis: Die Baustelle sei immens knapp kalkuliert, der Aufwand für Miete, Fahrten und Ähnliches sehr hoch gewesen. Vor dem Hintergrund sei der Baufortschritt viel zu lahm gewesen. Doch das habe man den als Mitgesellschafter tätigen Bulgaren nicht begreiflich machen können. Diese hingegen hatten im MZ-Gespräch bekräftigt, sie hätten im Schnitt zehn Stunden täglich, samstags fünf Stunden gearbeitet.(hu)

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