Kelheim 14.06.2010, 16:53 Uhr

Daisy Schlitter ist tot

Vor 79 Jahren gewann die einstige Offenstettenerin Daisy Schlitter den Titel und distanzierte sich ein Leben lang davon

Daisy Schlitter vor einem Bild, das sie als „Daisy d‘Ora“ zeigt. Foto: Forster

Daisy Schlitter vor einem Bild, das sie als „Daisy d‘Ora“ zeigt. Foto: Forster

Von Manfred Forster, MZ

München/Abensberg. Man schrieb das Jahr 1931 – Daisy Schlitter, die spätere Schlossbesitzerin von Offenstetten (Kreis Kelheim) wurde im Berliner Luxushotel Eden zur „Miss Germany“ gewählt und für den Rest ihres langen Lebens nahm sie eine kritische Position zu dieser „Episode in meinem Leben“ ein. „Diese Geschichte ist anscheinend nicht tot zu kriegen“, wunderte sich Daisy Schlitter in einem Gespräch mit der MZ vor ein paar Jahren. Immer wieder wurde sie darauf angesprochen, doch sie hielt lieber anderes in ihrem langen Leben der Erinnerung wert, beispielsweise, dass sie den Weg geebnet hat, dass aus Schloss Offenstetten (Kreis Kelheim) ein Kinderheim werden konnte.

Daisy Schlitter, 1913 als Freiin von Freyberg-Eisenberg in Potsdam geboren, stammte aus im Zuge des ersten Weltkriegs verarmten und heimatlosen Adel. Mit 15 Jahren war sie von dem Regisseur Georg Wilhelm Pabst für den Film „Die Büchse der Pandora“ entdeckt worden. Um der verarmten Familie den Lebensunterhalt zu finanzieren, nahm die minderjährige Adelige als „Daisy d’Ora“ das Angebot an. Die Comedian Harmonists besangen ihre Schönheit („Hallo, was machst Du heut’ Daisy?“) und Hitler lud sie einst zu einem Empfang in die Reichskanzlei. 1931 wurde der Schriftsteller Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“) auf die 18-Jährige aufmerksam und überredete sie, bei der Miss-Wahl teilzunehmen. Sie gewann und im Sommer 1931 lud man sie zur Wahl der Miss Universe 1931 nach Texas. Das Publikum wählte die junge Adelige, doch den Titel erhielt Miss Belgium. „Eine Deutsche als Miss Universum, das ging nicht 13 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg“, sagte sie.

Als Daisy von Freyberg-Eisenberg im Jahr darauf den deutschen Diplomaten Oskar Schlitter heiratete, war die Zeit von Glitzer und Glamour vorbei. Die Schlitters kamen auf Schloss Offenstetten nach Abensberg, „meine einzige Wurzel, die ich habe“, wie Daisy Schlitter einst sagte.

Auf den örtlichen Friedhof legte sie die Familiengrabstätte an, ließ ihre Eltern hierher überführen, ihr Mann und ihre Tochter sind hier begraben. „Wenn es soweit ist, will ich auch da sein“, sagte sie einst. Am Donnerstag ist es soweit. Daisy Schlitter ist am Samstagabend 97-jährig in einem Münchner Altenheim gestorben.

 

Umfrage - Ergebnis

 
 
 
 

Mittelbayerische.de Logo