Kunst aus Holz steht am Sonntag, während des Tages des offenen Denkmals, im Vordergrund. Foto: dpa
Von Heike Haala, Mz
Landkreis. Wenn Christoph Straßer aus der Bauabteilung der Bayerischen Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung ein altes Stück Bauholz genauer betrachtet, dann entlockt er dem Balken seine Geschichte. Vielleicht entdeckt er Kerben und winkelförmige Markierungen an den Hölzern in unterschiedlicher Anzahl und Kombination. Das sind Abbundzeichen. Sie sind ein Ordnungssystem, die es den Konstrukteuren erleichterten, die Einzelteile eines Dachstuhls wieder zusammenzusetzen.
Auch die Jahresringe so eines Balkens geben Straßer Aufschluss über das, was er bereits erlebt hat: So erinnert ihn eine Stütze auf der Burg Prunn aus dem Jahr 1312, an die Zeit, in der Kaiser Ludwig der Bayer gelebt hat: „Die Löcher in manchen Hölzern können Floßlöcher sein, durch die ein Seil oder eine gedrehte Weiden- oder Haselnussrute geschoben werden konnte“, sagt er. So wurden die Baumstämme oder auch fertig behauene Balken zu Flößen zusammengebunden und auf Flüssen vom Gebiet des Holzeinschlags zur Baustelle transportiert – das alles kann Straßer aus einem Stück alten Holz herauslesen.
Weil Holz so viele Facetten hat, entschloss sich Generalkonservator Prof. Dr. Egon Johannes Greipl, der Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, dazu, den Tag des offenen Denkmals 2012 diesem Baustoff zu widmen: „Ohne Holz, keine Denkmäler“, ist die Devise. An diesem Tag öffnen die Denkmäler der Bundesrepublik ihre Türen für die Besucher und präsentieren geheime Nischen oder verborgene Schätze, die dem Gast den Rest das Jahres verborgen bleiben – im Landkreis Kelheim sind insgesamt zwölf solcher altehrwürdiger Gebäude, die am Sonntag ihr ungeahntes Innenleben präsentieren werden.
Holz darf am Sonntag glänzen
Wo es möglich ist, wird dabei der Baustoff Holz in den Vordergrund gestellt werden. Immerhin wird es seit jeher verwendet: ob für Pfahlbauten in vorgeschichtlicher Zeit, für die Altäre eines Tilmann Riemenschneider, für Baseball- oder Tennisschläger – Greipl könnte diese Reihe endlos fortsetzen. Holz sei zwar vergänglich, aber auch gut zu reparieren. Zudem ist es ein nachwachsender Rohstoff.
Ein großes Thema werden dabei etwa die Dachstühle sein. Etwa in Sandelzhausen oder auf Schloss Eggersberg wird es derlei Konstruktionen zu bewundern geben. Straßer ist immer wieder angetan von der architektonischen Meisterleistung dieser Bauten. Insbesondere die Dachstühle großer Gebäude, seien es Kirchen, Schlösser, Rathäuser oder große Bürgerhäuser, sind eindrucksvolle Zeugnisse ausgereifter Kunstfertigkeit im Handwerk.
Früher hatte man weder die Vielfalt an Materialien noch die Hilfsmittel für den Transport wie heute zur Verfügung. Auch die Statik beruhte auf Erfahrungswerten, nicht auf den Berechnungen, wie sie heute vorgenommen werden.
Durch die Beschränkung im Material wirken diese Konstruktionen sehr einheitlich, bei großen Dachstühlen durch die Vielzahl von hierfür notwendigen Traggliedern aber zugleich auch vielschichtig und kompliziert. Dazu kommt der Geruch alten Holzes – vergangene Jahrhunderte sind hier noch lebendig.
Leider gibt es Schwachstellen, die bei den alten Konstruktionen oft schwer geschädigt sind. Besonders betroffen ist davon der Traufbereich, also der Übergang vom Dach zur Wand. Hier liegt oft die Mauerlatte, eine Holzschwelle zur Auflage von Balken und Sparren. Dieser Rand wurde Straßer zufolge in früheren Zeiten meist eingemauert, der Raum zwischen den Balken wurde geschlossen, die Mauerlatte dadurch überdeckt und auch die Balkenköpfe waren ins Mauerwerk eingebunden. Wenn dann Undichtigkeiten des Daches an der Dachrinne dazukamen, führte dies über die Jahre zu einer Durchfeuchtung der Hölzer und in der Folge zu Schädlingsbefall durch Insekten und holzzerstörende Pilze.
Kniffelige Flickarbeit
„Deshalb bleibt es uns bei Sanierungen in der Regel nicht erspart, die zersetzte Mauerlatte und die verrotteten Balken- und Sparrenköpfe gegen neues Holz auszutauschen“, sagt Straßer. Aber Greipl weiß: Mit den Kenntnissen und Techniken, die uns heute zur Verfügung stehen, etwa bei der Konservierung von Holz, bei der Untersuchung von Holzbauteilen und bei Reparaturen, gelingt es in der Regel immer, historisches Holz zu erhalten.
Ein Grund des langen Überlebens mancher alter Dachstühle ist Straßers Meinung zufolge, dass sie normaler weise nicht ausgebaut, also nicht als Aufenthaltsräume genutzt sind. Sie sind gut belüftet, da es meist keine Dachschalung gibt.
Ein letzter Beweis für die Dauerhaftigkeit von Holz fällt Straßer noch ein: Schließlich findet man innerhalb von Dachstühlen manchmal Hölzer, die rätselhafte Ausnehmungen aufweisen, welche nicht zur Konstruktion passen wollen und auch nicht auf ein in diesem Zusammenhang fehlendes Anschlussholz zu erklären sind. Das können zweitverwendete Bauteile sein, die aus noch älteren Gebäuden stammen, welche verloren gegangen waren. In alter Zeit hat man Abbruchmaterial weiterverwendet.
St Nikolaus in Bad Abbach mit Heinrichsturm, ein neugotischer Bau von 1852, Turm von 1210; 12 bis 17 Uhr geöffnet, Führungen stündlich bis 16 Uhr.
St. Johannes Baptist-Taufkirche in Herrngiersdorf, mittelalterliche Kirche; von 9 bis 19 Uhr geöffnet, Führungen um 14 und um 16 Uhr.
Herzogskasten mit archäologischem Museum in Kelheim , Ende 15. Jh. als Speicher für die Abgaben an den Herzog errichtet; von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Führung um 15 Uhr.
Befreiungshalle, geöffnet von 9 bis 18 Uhr, Führungen von 10 bis 17 Uhr halbstündlich. Ausnahmsweise ist der historische Unterbau geöffnet.
Ehemalige Franziskanerkirche in Kelheim, erbaut um 1460, seit 2006 Orgelmuseum; geöffnet von 14 bis 17 Uhr, Führungen um 14, 15 und 16 Uhr, die Gruppe Wamaluru gibt um 19.30 ein Konzert.
Einsiedelei Klösterl Bruderloch: Felsenkirche mit Fresken; 1454 gegründet; geöffnet von 10.30 bis 20 Uhr, Führungen um 12, 14 und 16 Uhr.
Erasmusturm in Kelheim: ehemaliger Wehrturm, 14. Jh., auf die Stadtmauer gebaut; geöffnet von 11 bis 13 Uhr, Führungen um 11.15 und 12.15 Uhr.
Alter Pfarrhof in Kirchdorf, in Holzblockbauweise mit Walmdach und Schindeldeckung um 1713 erbaut; geöffnet von 12 bis 15 Uhr, Führungen bei Bedarf durch Alfred Schiller.
Historischer Lagerkeller in Langquaid im Obermünsterer, 1650 errichtet; geöffnet von 13 bis 18 Uhr, Führungen 13, 15 und 17 Uhr.
Ehemaliger Hofmark mit Schlossin Sandelzhausen, historische Gaststube und Dachstuhl; geöffnet von 11 bis 16 Uhr, Führungen bei Bedarf.
Schloss Eggersberg: Nachfolgebau der Burg um 1604 fertiggestellt. Renaissancebau mit steilem Treppengiebeldach, drei Türme; ab 2006 Übergang an Marion J. Wenzl-Sylvester, um 11, 14, und 16 Uhr Führungen mit Schlossbesitzer Tassilo Wenzl-Sylvester.
St.-Nikolaus-Friedhofskirche in Neustadt, gotische Anlage, 1412 erbaut; Johannes-Nepomuk-Statue von Egid Quirin Asam 1746; geöffnet von 10 bis 17 Uhr, Führungen durch Anton Metzger, Stadtarchivar. (la)