Kelheim 26.06.2012, 17:41 Uhr

Kliniken ringen um Allheilmittel

Mit Investitionen und medizinischen Neuerungen wollen die Gesellschafter der Krankenhäuser Kelheim und Mainburg den roten Zahlen vorbeugen.

KELHEIM. Die großen Klinikverbünde werden immer noch größer – kleine Krankenhäuser kämpfen verbissen um Wirtschaftlichkeit und damit langfristig um ihr Überleben. Mit der Generalsanierung in Kelheim und Investitionen in neue medizinische Schwerpunkte in Mainburg versuchen auch die beiden Häuser im Landkreis, rote Zahlen zu meiden. Dafür sagte der Kreisausschuss am Montag politische und finanzielle Unterstützung zu. An der Frage, ob die Kelheimer Klinik ohne Verbundpartner überlebensfähig bleibt, schieden sich aber die Geister.

Kreisrat Andreas Kreitmeier (CSU) nämlich warnte: „Eine Klinik mit 216 Betten ohne Verbundpartner hat’s Kreuzl auf der Stirn“, weil sie allein nicht wirtschaftlich arbeiten könne. Er empfahl Kelheim, sich der „Mittelbayerischen Klinikallianz“ anzugliedern. Die Ilmtalklinik GmbH (Pfaffenhofen und Mainburg) und die Kliniken Kösching und Eichstätt bereiten diese Allianz gerade vor. Kelheim aber sei dort fehl am Platze, urteilte Landrat Dr. Hubert Faltermeier: Für eine medizinische Zusammenarbeit seien die räumlichen Entfernungen zu groß. Besser sei da die bestehende Kooperation Kelheims mit der Regensburger Uni-Klinik.

Mainburg mit kritischer Größe

Ihm gehe es vor allem um wirtschaftliche Zusammenarbeit, etwa beim Einkauf, erwiderte Kreitmeier. Das sei sinnvoll, pflichtete der Kreisrat und Mediziner Dr. Heinz Kroiß (FDP) bei. Der Mediziner sah Kelheim nicht in akuter „Lebensgefahr“: Die alternde Gesellschaft brauche solche Häuser zunehmend.Wolfgang Gural lehnte eine Grundsatzdebatte mit den Worten „wichtig, aber nicht heute“ ab. Immerhin habe Kelheim mit 216 Planbetten eine gute Größe. Schwer werde das Überleben vor allem für Häuser unter 100 Betten oder solche mit hoher Überkapazität. Beides mithin Szenarien, von denen derzeit Mainburg bedroht ist.

Dessen Situation stellte Marco Woedl vor, Geschäftsführer der Ilmtalklinik (ITK). Wie Kelheim hat auch die ITK-GmbH das Vorjahr „rot“ abgeschlossen, mit rund 481000 Euro Defizit. Schuld sei der Rückgang bei Fallzahlen und -schweregrad in der Mainburger Abteilung für Innere Medizin, der fast eine Million Euro Einnahmeverlust ergab, so Woedl. Einen Aderlass erlitt Mainburg auch personell: Das Ausscheiden zweier Chefärzte und eines Oberarztes durchkreuzte den Plan, die „Innere“ zu stärken. Woedl räumte gegenüber Josef Egger (FW) ein, dass der Schwerpunkt Lungenheilkunde nicht genügend Patienten gehabt habe. Zudem sei die Vergütung dafür abgewertet worden – ein Schicksal, das „nahezu alle Fachbereiche in Allgemeinkrankenhäusern betrifft“, beklagte Woedl.

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