Muna-Vorschlag mit Sprengstoff
Kelheims Landrat regt für das Ex-Munitionsdepot bei Langquaid eine Tauglichkeitsprüfung als Asyl-Unterkunft an. Bürgermeister und Fraktionen sagen „Nein“.
Das Munitionshauptdepot Schierling-Langquaid als Asylbewerber-Unterkunft? Dagegen laufen Langquaider Politiker Sturm. Foto: Archiv
LANGQUAID. Der Kelheimer Landrat Dr. Hubert Faltermeier schlägt vor zu prüfen, ob im ehemaligen Munitionshauptdepot (Muna) Schierling-Langquaid Asylbewerber untergebracht werden können. Es sei doch nicht einsichtig, dass der Bund dort Immobilien besitze, während die Landkreise und Gemeinden vom Freistaat verpflichtet würden, Unterkünfte bereitzustellen, so Faltermeier. Im November soll das Munitionshauptdepot, kurz als die „Muna“ bezeichnet, besichtigt werden, bestätigt die Regierung von Niederbayern, die für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständig ist.
Diese Ankündigung stößt in Langquaid auf harsche Ablehnung: Einhellig hätten die Fraktionsführer beschlossen, den Vorschlag abzulehnen, bekräftigte Bürgermeister Herbert Blascheck auf Anfrage der MZ. Die Gemeinde habe auch schon eine Anwalt mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt. „Die Gebäude dort haben derzeit kein genehmigtes Baurecht und keinen Bestandsschutz“, erklärt Blascheck: Jegliche Nutzung dort wäre unzulässig, „wir würden mit aller Konsequenz dagegen vorgehen“. Faltermeiers Vorschlag „entbehrt jeglicher Weitsicht und jeglichen Fingerspitzengefühls“: Asylbewerber in ein von Sicherheitszaun umgebenes Gelände im Wald zu bringen, ohne Anbindung und Infrastruktur – „da sind soziale Konflikte vorprogrammiert“, mutmaßt Blascheck, auch mit Blick auf die einzige Siedlung in der Nachbarschaft, den Ortsteil Eichbühl mit etwa 30 Einwohnern.
Wegen der steigenden Zahl von Menschen, die derzeit in Deutschland um Asyl bitten, sucht der Staat wieder nach Unterbringungsmöglichkeiten: Viele Unterkünfte, darunter auch die in Kelheim, waren geschlossen worden, nachdem Ende der 1990er Jahre die Asylbewerberzahl stark gesunken war. Kürzlich hat der Landkreis bekannt gegeben, dass das alte Riedenburger Landratsamt zur Unterkunft umgebaut werden soll (MZ berichtete). (hu)

